Stadt Bern

    Viele ehemalige Verdingkinder im Kanton Bern

    Keystone-SDA Regional
    Keystone-SDA Regional

    Bern,

    Der Kanton Bern ist von der Verdingkinderproblematik stark betroffen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war es gang und gäbe, Armeleutekinder bei Bauern für Kost und Logis fremdzuplatzieren. Ein düsteres Kapitel bernischer Sozialgeschichte.

    Carl Albert Loosli
    Carl Albert Loosli war ein Verdingkind. - Keystone

    Das Verdingen war ein wichtiger Pfeiler einer repressiven Sozialpolitik. Armen Familien, die um staatliche Hilfe baten, wurde nicht selten vorgehalten, sie hätten eben zu viele Kinder und müssten eines oder mehrere weggeben, um über die Runden zu kommen. Auf diese Weise, so die damalige Sicht von Behörden, könne die Armut bekämpft und die Gemeindekasse entlastet werden.

    Im Agrarkanton Bern kamen die völlig rechtlosen Kinder oft zu Bauern, wo sie harte Arbeit verrichten mussten und vielfach kaum ein gutes Wort zu hören bekamen. Erwachsene Knechte und Mägde zog es häufig in die wachsende Industrie in den Städten, wo sie besser verdienten. Auf den Land mussten an ihrer Stelle die Verdingkinder umso härter anpacken.

    Vom harten Los der Verdingten und Zwangsversorgten berichtete unter anderem der Schweizer Schriftsteller Carl Albert Loosli in den 1920-er Jahren. In der breiten Öffentlichkeit bekannt wurden im Kanton Bern die Fälle von «Chrigel», einem Buben im Oberaargau, der von seiner Pflegefamilie sexuell missbraucht worden war, und jener eins fünfjährigen Knaben im Berner Oberland, der nach körperlichen Misshandlungen komplett abgemagert, mit blauen Flecken übersät und Frostbeulen an den Händen gestorben war. Die Pflegeeltern kamen in beiden Fällen vor Gericht.

    Journalisten wie Peter Surava oder der Fotograf Paul Senn berichteten immer wieder über Schicksale von Verdingten und «Versorgten». Ein Wertewandel in der Gesellschaft setzte allmählich ein. Doch es sollte noch lange dauern, bis die Verdingkinder mit ihren Schicksalen Gehör fanden.

    2006 gab der Kanton Bern als einer der ersten eine wissenschaftliche Studie in Auftrag, um das dunkle Kapitel aufzuarbeiten. 2011 erschien sie als Buch mit dem Titel «Die Behörde beschliesst - zum Wohl des Kindes?». Die Berner Behörden entschuldigten sich im gleichen Jahr bei den Betroffenen.

    Die ehemaligen Verdingkinder sind heute längst im Rentenalter und sind zunehmend auf fremde Hilfe zur Bewältigung ihres Alltags angewiesen.

    Kommentare

    Weiterlesen

    Halloween
    238 Interaktionen
    Nur andere «Bräuche»
    Unter Zürich wird der Platz knapp. - Amt für Städtebau Stadt Zürich
    35 Interaktionen
    «Verdichtung»

    MEHR AUS STADT BERN

    YB
    7 Interaktionen
    Am Sonntag
    Werner Salzmann Bundesrat Schnegg
    13 Interaktionen
    SVP-Salzmann
    Event-Highlights Kanton Bern
    1 Interaktionen
    Zibelemärit und mehr
    SCB SCL Biel
    1 Interaktionen
    Biel bodigt Kloten