Der Weiterbildungsstudiengang MAS Stroke Medicine soll ab Frühjahr 2022 die nächste Generation von Fachleuten in der Schlaganfallmedizin ausbilden.
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Die Universität Bern. - Keystone

Der Schlaganfall ist die zweithäufigste Todesursache in Europa, in der Schweiz sind jährlich rund 16'000 Personen davon betroffen.

Deshalb lancieren die Medizinische Fakultät der Universität Bern und das Stroke Center des Inselspitals, Universitätsspital Bern in Zusammenarbeit mit der European Stroke Organisation den Weiterbildungsstudiengang MAS Stroke Medicine: Er soll ab Frühjahr 2022 die nächste Generation von Fachleuten in der Schlaganfallmedizin in ganz Europa ausbilden.

Schlaganfall verursacht auch immense Gesundheitskosten

Weltweit leben über 80 Millionen Menschen mit den Folgen eines Schlaganfalls; jährlich treten mehr als 13 Millionen neue Fälle auf.

Der Schlaganfall ist nicht nur eine der häufigsten Todesursachen, sondern auch eine Ursache für Demenz, Behinderung im Erwachsenenalter und die häufigste lebensbedrohliche neurologische Erkrankung.

Jede vierte betroffene Person bleibt behindert und kann kein eigenständiges Leben mehr führen. Neben dem individuellen, persönlichen Schicksalsschlag verursacht ein Schlaganfall auch immense Gesundheitskosten.

Die Bereitstellung von hochqualifizierten Fachleuten auf dem Gebiet der Schlaganfallmedizin ist von entsprechend hoher medizinischer und gesellschaftlicher Relevanz.

Bedarf an Stroke-Fachleuten nimmt stetig zu

«Der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten mit theoretischem Wissen und praktischen Fähigkeiten in den Bereichen Prävention, Akutbehandlung, Rehabilitation und Nachbehandlung von Schlaganfällen wächst stetig», erklärt Prof. Claudio Bassetti, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bern sowie Direktor und Chefarzt der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital.

«Es freut mich sehr, dass neben der Lancierung des MAS in Sleep, Consciousness and Related Disorders vor drei Jahren nun auch noch für den Bereich Stroke ein MAS realisiert werden konnte.»

Das Stroke Center des Inselspitals, das grösste Hirnschlagzentrum der Schweiz, und die Universität Bern haben deshalb die Chance genutzt, als die European Stroke Organisation (ESO) einen neuen Austragungspartner für den renommierten und europaweit einzigartigen Studiengang suchte.

Europaweit einzigartige Weiterbildung

Bisher wurde dieser in einer leicht anderen Form von der Donau-Universität Krems (Österreich) angeboten. In einem kompetitiven Verfahren konnte sich die Bewerbung aus Bern durchsetzen.

«Wir sind stolz darauf, den European Stroke Master nach Bern zu holen und hier weiterzuentwickeln», sagt Prof. Simon Jung, Leitender Arzt am Berner Stroke Center.

Damit wird die postgraduale Schlaganfallausbildung für in- und ausländische Ärztinnen und Ärzte, seit jeher ein Schwerpunkt des Stroke Centers und der Medizinischen Fakultät der Universität Bern, gezielt weiter ausgebaut.

Der in Bern neu konzipierte MAS Stroke Medicine richtet sich an Medizinerinnen und Mediziner, Forschende und andere Angehörige der Gesundheitsberufe. Er deckt das gesamte Spektrum der Schlaganfallversorgung und Schlaganfallforschung ab.

Erkrankungen und Todesfälle nach Schlaganfällen weltweit reduzieren

Neun Module in fünf Semestern verbinden Präsenzlehre an der Medizinischen Fakultät, intensive Vor-Ort-Lernkurse und Hands-on-Training im Stroke Center des Inselspitals mit Distance- und E-Learning-Elementen sowie Praktika an etablierten Schlaganfallzentren in ganz Europa.

Die Teilnehmenden realisieren zudem ein «Stroke Literature and News Wiki», das über die Stroke Guideline App der weltweiten Schlaganfall-Community zur Verfügung gestellt wird.

Einen wichtigen Beitrag leistet hierbei auch die Forschung: «Das Berner Stroke Center leitet zahlreiche nationale und internationale Multizenterstudien und wird den Studierenden auch die klinische und translationale Schlaganfallforschung näherbringen», erklärt Prof. Marcel Arnold, Head Research Board der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital.

Globale Ausrichtung des Studienganges

Prof. Urs Fischer, Mitinitiant des Studienganges, betont auch die globale Ausrichtung des Studienganges: «Die Weiterbildung zielt darauf ab, die schlaganfallbedingte Morbidität und Mortalität weltweit zu reduzieren.»

Dabei sind die Häufigkeit und die Behandlung von Schlaganfällen global sehr unterschiedlich. Insbesondere Menschen, die in ressourcenarmen Ländern leben, sind von Schlaganfällen überproportional betroffen.

Der Studiengang wird deshalb nicht nur angeboten, um den Anforderungen der europaweit gestiegenen Schlaganfallinzidenz gerecht zu werden, sondern auch, um den Versorgungsstandard und das Wissen um Diagnostik und Therapie des Schlaganfalls weltweit zu verbessern.

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