Nina Kindschi: Wenn Rosamunde Pilcher noch wäre…
SCB-Frauen-Geschäftsführerin Nina Kindschi lebt Eishockey mit Leidenschaft. Der Sport wurde ihr quasi in die Wiege gelegt.

Schade, dass die britische Schriftstellerin Rosamunde Pilcher, die vor allem durch das vom ZDF produzierte «Herzkino» Bekanntheit erlangt hat, vor sieben Jahren verstorben ist.
Hätte sie vom Leben der SCB-Frauen-Geschäftsführerin Nina Kindschi erfahren – der nächste emotionale Film voller Liebe und Leidenschaft mit dem möglichen Titel «Nina – die Frau mit dem Puck im Herzen» wäre zweifellos zum Strassenfeger geworden.
Ihr Vater Ludwig «Lutta» Waidacher war Meisterspieler während den letzten Glanzzeiten unter Trainer Lasse Lilja beim EHC Arosa, Grossvater Ludwig feierte zuvor sogar fünf Meistertitel mit den Schanfiggern.
Das Eishockey, der Puck, die Bullys und die Slapshots wurden Nina quasi in die Wiege gelegt, genauso wie ihren sieben Geschwistern, von denen der Jüngste, Beni Waidacher, bereits im Fanionteam des HC Davos spielt, weil er für den Erstligisten EHC Arosa zu stark geworden ist.

Doch damit nicht genug mit der Familiengeschichte: Verheiratet ist Nina Kindschi mit Simon, dem Meisterspieler des HC Davos aus dem Jahr 2015, derzeit Verteidiger des SCB. Wenn das nicht Stoff für einen Rosamunde-Pilcher-Film wäre, was dann?
Vor guten einem Jahr erfolgte für Nina Kindschi der tiefe Fall, allerdings nur an Höhenmetern gemessen. Die 360 Kurven auf 27 Kilometern Länge von Chur nach Arosa fährt sie heute nicht mehr so oft, wie zu den Zeiten, als sie mit den ZSC-Lions-Frauen als torgefährliche Nationalspielerin vier Meistertitel gewann.
«Die Anfahrt ist länger geworden, wie fahren nicht mehr so oft nach Hause wie zu meinen ZSC-Zeiten», sagt die beim SCB im 40-Prozent-Pensum angestellte Geschäftsführerin der Frauen. Nach all den Erinnerungen, die den Verfasser des Artikels mit ihrem Vater und goldenen Arosa- und SCB-Zeiten verbinden, ist es Zeit, auf das Jetzt der SCB-Frauen zu reden zu kommen.
Der grosse Umbruch
Bereits im Verlauf der vergangenen Saison haben die SCB Frauen entschieden, einen neuen strategischen Weg einzuschlagen und den Fokus künftig verstärkt auf die Förderung junger Spielerinnen zu legen. Vor diesem Hintergrund kommt es im Hinblick auf die neue Spielzeit zu einem grösseren Umbruch innerhalb des Kaders.
«Wir wollen junge Spielerinnen aufbauen und ihnen auch Einsatzminuten ermöglichen, aber trotzdem vorne in der Tabelle mitspielen», gibt Nina Kindschi die Marschrichtung bekannt. Viele der erfahrenen Akteurinnen, wie Topskorerin Estelle Duvin, Clara Rozier, Maija Otamo und Kaleigh Quennec verlassen den SCB.
Nicht, weil ihre Leistungen nicht befriedigten, sondern weil andere, vor allem jüngere Spielerinnen, künftig mehr Verantwortung übernehmen und zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten erhalten sollen.
Nina Kindschi spricht es zwar nicht aus, doch es ist ein offenes Geheimnis, dass die Chemie zwischen einigen Leaderinnen zuletzt nicht mehr gestimmt hat, so wie es sein sollte, um Erfolg zu haben.
Auch Nationalspielerin Stefanie Wetli, im Vorjahr von den HC Davos Ladies zum SCB gestossen, wird aus privaten Gründen in Zukunft bei den ZSC Frauen verteidigen.
Der Coach geniesst Vertrauen
Grosses Lob hält Nina Kindschi im Gespräch für Coach Michel Zwahlen bereit. «Unter ihm hat sich das Team positiv entwickelt. Er hat den richtigen Umgang mit den Spielerinnen gefunden und geniesst innerhalb der Mannschaft grosses Vertrauen. Auch auf dem Eis waren die Fortschritte von Saisonbeginn an bis in die Playoffs augenscheinlich. Das Team ist unter der Führung von Michel Zwahlen näher zusammengerückt.»
Bereits haben die SCB Frauen nach den zahlreichen Abgängen auch einige wichtige Neuverpflichtungen melden können, obwohl beim SCB in Zukunft auch das Budget der Frauen kleiner geworden ist. Die namhaftesten Neuverpflichtungen beginnen bei der Kanadierin Sophie Hudson, einer 23-Jährigen.

Sie spielte zuletzt für das Team der Queen’s University in Kingston und verbuchte in 24 Spielen 34 Scorerpunkte (14 Tore, 20 Assists). Die Finnin Ada Eronen wechselt aus der höchsten finnischen Frauen-Liga nach Bern. Die 22-jährige Verteidigerin stand zuletzt bei Kiekko-Espoo im Einsatz und sammelte in 45 Partien 59 Scorerpunkte (7 Tore, 52 Assists).
«Sophie Hudson wird mit ihrer Spielintelligenz und ihrem ausgeprägten Torinstinkt frischen Schwung in unsere Offensive bringen und unser Spiel bereichern. Mit Ada Eronen gewinnen wir eine physisch präsente und erfahrene Verteidigerin, die unserer Defensive zusätzliche Stabilität verleiht und gleichzeitig mit ihrem Offensivdrang Impulse nach vorne setzt», erklärt Kindschi.
Ebenfalls neu im Team ist Zoé Merz, die vom HC Ambrì-Piotta zum SCB wechselt. Die 23-jährige Stürmerin spielte die letzten drei Jahre im Tessin und kam in der vergangenen Saison in 34 Spielen auf 14 Scorerpunkte (4 Tore, 10 Assists). Nina Kindschi sagt:
«Mit Zoé Merz gewinnen wir eine dynamische Powerstürmerin, die mit ihrer Energie und Durchsetzungskraft unserem Offensivspiel zusätzliche Präsenz und Tempo verleihen wird.» Zudem kehrt Lea MacLeod nach einem einjährigen Engagement beim SC Langenthal zum SCB zurück.
PERSÖNLICH
Nina Kindschi, geb. Waidacher wurde am 23. August 1992 in Chur geboren. Sie ist das zweitälteste von acht Kindern einer mit dem Eishockey eng verbundenen Familie. Grossvater Ludwig Waidacher spielte in den 1940er- und 1950er-Jahren für den EHC Arosa, mit dem er fünfmal Meister wurde. Vater Ludwig Waidacher errang mit dem EHC Arosa 1980 einen Meistertitel.
Nach Jahren in Knabenteams in Arosa spielte sie für die ZSC Lions Frauen, mit denen sie 2010/11 den Meistertitel gewann. Ab 2011 war sie Mitglied des Schweizer Nationalteams. Von 2011 bis 2015 spielte Kindschi für das Team College of St. Scholastica (CSS) in Duluth, wo sie 2012 zusammen mit Schwester Monika ins All-Star-Team der Northern Collegiate Hockey Association (NCHA) berufen wurde.
2011, 2012, 2015 und 2016 vertrat sie die Schweiz bei der Weltmeisterschaft, wo sie 2012 den dritten Platz erreichte. 2014 errang Nina Waidacher an den Olympischen Winterspielen in Sotschi die Bronzemedaille. 2024 wurde Kindschi von den SCBern-Frauen als Assistenztrainerin verpflichtet. In dieser Funktion gewann sie mit den Bernerinnen im Frühling 2025 die Meisterschaft. Seit dem 1. Juni 2025 ist sie Geschäftsführerin der SCB-Frauen. Sie ist verheiratet mit SCB-Verteidiger Simon Kindschi und Mutter von Sohn Men.
Die Stürmerin kam bereits in den vergangenen Playoffs wieder für die Bernerinnen zum Einsatz. Weiter im Team sind auch Lara Hug (aus dem eigenen Nachwuchs) und Victoria Buzutov, eine Deutsch-Kanadierin, die vom ECDC Memmingen zum SCB stösst.












