Bern bekommt ein neues Festival mit dem Namen «Fragments & Absences». Darin geht es unter anderem um blinde Flecken des kolonialen Erbe der Schweiz.
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Forscher der Universität Bern und Rockefeller University In New York haben ein nicht-ansteckendes Modell von SARS-CoV-2 entwickelt. - Keystone

Bern bekommt ein neues Festival: Fragments & Absences bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft. Inhaltlich debattiert das Festival Fragen über blinde Flecken der Schweiz im Verhältnis zum Kolonialismus, bezogen auf gestern und heute.

Fragments & Absences bietet eine Ausstellung zeitgenössischer Kunstwerke und ein zehntägiges Festival vom 6. bis 16. Oktober. Die Veranstalter schreiben in einer Mitteilung von Freitag, sie wollten «Fragen nach Fragmenten, blinden Flecken der dunklen Vergangenheit der globalen Schweiz und verstummten Stimmen durch das Festival» vertiefen.

Den Auftakt bildet die Verleihung des Preises Junge Wissenschaft 2021 des Walter Benjamin Kollegs. Das Kolleg war 2016 gegründet worden; benannt nach dem deutschen Philosophen will die Universität Bern dort die Forschungsaktivitäten ihrer philosophisch-historischen Fakultät bündeln und fördern. Der Preis, der dieses Jahr zum zweiten Mal verliehen wird, geht an Chonja Lee, die damit für ihre interdisziplinäre Forschung und «ihre anschauliche Vermittlung an eine breite Öffentlichkeit» ausgezeichnet wird.

Lee hatte im vergangenen Jahr die Ausstellung «Exotic? Der Schweizer Blick nach Aussen im Zeitalter der Aufklärung» in Lausanne co-kuratiert. Im Rahmen der Preisverleihung wird sie einen Vortrag halten über die materielle Kultur der Sklaverei in der Schweiz.

An den folgenden Festivaltagen sind etwa Performances von Vana Kostayola und Sofia Kouloukouri geplant, eine Lesung von Meral Kureyshi, Diskussionsrunden über exotische Stereotypen im Porno oder neue Herausforderungen der Provenienzforschung, ein antirassistischer Workshop, eine Talk-Show zu postkolonialen Verwirrungen sowie Gespräche mit Künstlerinnen und Kuratoren. Kunstwerke von Marie van Berchem, Fabien Clerc, Senam Okudzeto, Uriel Orlow und Denis Pourawa werden zu sehen sein.

Unterstützt wird das Festival von der Universität Bern, dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und dem Bernischen Historischen Museum. Die meisten der Veranstaltungen finden im Grand Palais in Bern statt.

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