In Bern-Wankdorf nimmt die SBB am 12. September 2022 die «Entflechtung Wylerfeld» in Betrieb.
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Sicht auf die SBB-Baustelle Entflechtung Wylerfeld, am Donnerstag, 16. Juni 2022, in Bern. - Keystone

Es ist ein Bauwerk, das die Bundesbahnen als «Schlüsselprojekt für mehr Verbindungen und Pünktlichkeit in der Region Bern und der ganzen Schweiz» bezeichnen. Kernstück des Projekts ist ein 300 Meter langer Tunnel, welcher im Norden der Stadt Bern, westlich des Bahnhofs Bern-Wankdorf, unter drei bestehenden Gleisen hindurch führt. Er behebt die heute bestehenden Kreuzungskonflikte in diesem Gebiet.

Gemeint ist, dass im Wylerfeld die viel befahrenen Bahnstrecken Olten-Bern, Biel-Bern und Thun-Bern zusammenlaufen. Auf ihnen verkehren täglich 900 Züge. Weil diese bisher nur eine Ebene zur Verfügung haben, kommen sie sich oft gegenseitig in die Quere. Das führt immer wieder zu Verspätungen.

Mit dem Bau einer zweiten Kreuzungsebene – dem neuen Tunnel – kann der Bahnverkehr verflüssigt werden. Zudem ermöglicht das Bauwerk, zusätzliche Verbindungen anzubieten. So werden die SBB Mitte Dezember dieses Jahres die 2007 eingestellten Direktverbindungen Romanshorn-Zürich Flughafen-Interlaken wieder einführen.

Damit erfüllen sie einen langjährigen Wunsch der Tourismusregion Berner Oberland. Zudem führt die SBB ab dem Fahrplanwechsel zusätzliche Direktverbindungen ab Basel und Olten ins Wallis ein. Das teilte das Unternehmen anlässlich einer Jungfernfahrt für Medienschaffende durch den Tunnel am Mittwoch mit.

Höhere Taktung dank des neuen Tunnels

Langfristig bildet der Tunnel auch ein Puzzleteil, um das Angebot im Fernverkehr und im Berner S-Bahn-Verkehr weiter auszubauen. Ohne den Tunnel wären der geplante Halbstundentakt zwischen Bern und Luzern via Zofingen und der geplante Viertelstundentakt zur Hauptverkehrszeit zwischen Bern und Zürich nicht möglich.

Das sagte Benno Nussberger, Gesamtprogrammleiter Ausbau Knoten Bern der SBB, am Anlass. 280 Millionen Franken kosteten die Bauarbeiten. Zu ihnen gehörte auch, dass zwei Strassenbrücken über die Bahngeleise abgebrochen und neu gebaut wurden. Ihre heutige Spannweite war zu gering. Sechseinhalb Jahre lang wurde gebaut.

Der Direktor von Interlaken Tourismus, Daniel Sulzer, sagte am Mittwoch, 31. August 2022, kurz nach der Jungfernfahrt in Bern, für Interlaken Tourismus seien die Direktverbindungen Zürich Flughafen-Interlaken von grosser Bedeutung. Er schätze, dass diese Direktverbindungen dem Tourismusgebiet Interlaken rund zehn Prozent mehr Übernachtungen einbrächten.

Laut den SBB können Japanerinnen und Japaner in Zukunft ein kombiniertes Flug-Bahn-Ticket von Tokio nach Interlaken buchen. Siebenmal pro Tag fahren die Züge direkt von der Ostschweiz ins Berner Oberland.

Entflechtung Wylerfeld als Meilenstein

Der bernische Bau- und Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus sagte, die Entflechtung Wylerfeld sei eine Voraussetzung für die geplante Einführung des Viertelstundentakts auf der S-Bahn Bern zwischen Flamatt FR und Münsingen. Die Inbetriebnahme des Tunnels sei ein «Meilenstein».

Die Bauarbeiten im Berner Wankdorf sind noch nicht abgeschlossen und dauern noch bis zum Sommer 2023. Über den beiden neuen Tunnelportalen entstanden zwei ungenutzte Flächen, welche die SBB ökologisch aufgewertet haben – etwa mit Wurzelstöcken, welche Wildbienen, und Steinkörben, welche Blindschleichen dienen sollen.

Drei weitere Entflechtungen mit Tunnelbauwerken planen die SBB laut Nussberger in der Region Bern: In Wankdorf Süd, in Gümligen und in Holligen im Westen Berns. Der Zweck ist überall derselbe: Die Tunnels sollen Kreuzungskonflikte beheben. In Wankdorf Süd geht es um die Entflechtung von Personen- und Güterverkehr.

In Gümligen um die Entflechtung der Strecke in Richtung Thun von jener in Richtung Emmental und in Holligen um möglichst freie Fahrt für Züge von Bern in Richtung Neuenburg. Laut Nussberger informieren die SBB dazu im kommenden Jahr näher.

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