Mit einer Gesundheitsstrategie und 12 Pilotprojekten will das Sozialamt von Bern die berufliche Integration von Personen mit gesundheitlichen Problemen fördern.
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Die Grosse Schanze in Bern. - Keystone

Zwischen Armut und Gesundheit besteht ein doppelter Zusammenhang: «Krankheit macht arm und Armut macht krank», fasst die Stadtberner Sozialdirektorin Franziska Teuscher die Problematik zusammen. Es erstaunt deshalb nicht, dass Sozialhilfebeziehende überdurchschnittlich stark von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind.

Gesundheitliche Probleme verursachen bei den betroffenen Personen nicht nur menschliches Leid, sie sind auch ein wesentliches Hemmnis für die berufliche und soziale Integration und verringern die Wahrscheinlichkeit einer Ablösung von der Sozialhilfe.

«Zu gesund für die IV, zu krank für den Arbeitsmarkt»

Im Sozialamt der Stadt Bern ist bei rund einem Viertel der erwachsenen Personen wegen der gesundheitlichen Situation eine arbeitsmarktliche Integration aktuell nicht möglich. Es ist zu erwarten, dass die Zahl der Sozialhilfebeziehenden mit gesundheitlichen Problemen weiter zunehmen wird, auch weil die Invalidenversicherung IV in den letzten Jahren ihre Rentenpraxis deutlich verschärft hat.

«Immer mehr Personen sind heute zu gesund für die IV, aber zu krank für den Arbeitsmarkt», hält Felix Wolffers, Leiter des Sozialamts der Stadt Bern fest. Dies führt zu einer Veränderung des Auftrags der Sozialhilfe: Das Thema Gesundheit wird in der Sozialhilfe immer wichtiger.

Das Gesundheits-Fachwissen sowie Instrumente und Angebote für eine zielgerichtete Arbeit mit krankheitsbetroffenen Personen sind aber in der Sozialhilfe erst in Ansätzen vorhanden. Insbesondere bei komplexen gesundheitlichen Situationen und chronischen Erkrankungen stösst die Sozialarbeit an ihre Grenzen.

Konzept im Umgang mit gesundheitlichen Problemen

Das Sozialamt der Stadt Bern legt in einem Grundlagenpapier «Gesundheit in der Sozialhilfe» nun ein umfassendes Konzept für die den Umgang mit gesundheitlichen Problemen vor. Angestrebt wird der Aufbau eines gesundheitsorientierten Fallmanagements für Krankheitsbetroffene.

Dafür braucht es neue Instrumente zur Klärung der gesundheitlichen Situation, einen erweiterten Zugang zu Fachwissen aus dem Gesundheitsbereich für die Sozialarbeitenden und Gesundheitspräventions­programme für Sozialhilfebeziehende. Mit dem Grundlagenpapier «Gesundheit in der Sozialhilfe» betritt die Stadt Bern Neuland.

Schweizweit erstmalig wird damit ein umfassendes Konzept für den Umgang der Sozialhilfe mit gesundheitlichen Problemen vorgelegt. Geplant sind zwölf Pilotprojekte, welche aufzeigen sollen, wie die Sozialhilfe besser mit Krankheit umgehen und so die berufliche und soziale Integration von unterstützten Personen besser unterstützen kann.

Wenn diese Projekte erfolgreich sind, verbessert sich nicht nur die Lebenssituation der Betroffenen. Es kann auch mit erheblichen Einsparungen bei der Sozialhilfe- und bei den Gesundheitskosten gerechnet werden.

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