Bern: Wie man Kriminaltechnikerin bei der Polizei wird
Die Forensik der Kantonspolizei Bern umfasst 88 Mitarbeitende. Zwei Kriminaltechnikerinnen erzählen, wie sie zur Spurensicherung im Kanton Bern kamen.

Die Forensik der Kantonspolizei Bern ist immer dann im Einsatz, wenn es darum geht, Straftaten aufzuklären. Ob Einbruch, Körperverletzung oder ein aussergewöhnlicher Todesfall: Kriminaltechnikerinnen und Kriminaltechniker sichern, dokumentieren und analysieren tatrelevante Spuren. Doch welcher Weg führt eigentlich zur Kriminaltechnik?
Die Forensik ist ein Bereich der Kriminalpolizei der Kantonspolizei Bern und umfasst 88 Mitarbeitende. Innerhalb der Forensik ist unter anderem die Kriminaltechnik (KT) angesiedelt. Diese arbeitet sowohl im Innen- als auch im Aussendienst.
Wer im Aussendienst arbeitet, leistet Pikettdienst und rückt vor Ort für die Spurensicherung aus und wertet diese im Anschluss auch aus. Im Innendienst arbeiten Fachspezialistinnen und Fachspezialisten, die ebenfalls Spuren auswerten sowie Berichte und Gutachten erstellen. Beide Dienste sind eng miteinander verknüpft.
Doch der Weg zur Kriminaltechnik unterscheidet sich je nach Funktion.
Um in den Kriminaltechnischen Aussendienst zu gelangen, gibt es zwei Wege: die Polizeilaufbahn oder ein forensisches Studium. Maya Wauschkuhn und Mathilde Jolliet, zwei Mitarbeiterinnen des KT-Aussendienstes, berichten über ihren Werdegang zu Kriminaltechnikerinnen.
Mathilde Jolliet (links) und Maya Wauschkuhn (rechts) © Kantonspolizei Bern Der Weg zum KT-Aussendienst via Polizeilaufbahn Maya Wauschkuhn ist seit 2011 bei der Kriminaltechnik der Kantonspolizei Bern und heute stellvertretende Gruppenchefin. Ihr Weg führte klassisch über die Polizeischule. Nach einer kaufmännischen Lehre im Spitalwesen arbeitete Maya Wauschkuhn mehrere Jahre im Gesundheitsbereich, bevor sie sich für die Polizeischule entschied.
Anschliessend war sie in verschiedenen Funktionen und Regionen innerhalb der Kantonspolizei Bern tätig, bevor sie sich für eine Stelle in der Kriminaltechnik bewarb. Nach einer internen Ausbildung von rund drei Monaten folgten dann rasch die ersten Einsätze. Entscheidungen mussten plötzlich allein getroffen werden – eine grosse Umstellung gegenüber der Arbeit im uniformierten Team.
Unterstützung war aber jederzeit gegeben: Rückfragen, Zweitmeinungen und Austausch gehören auch heute noch zum Alltag.
Der Weg zum Aussendienst via forensisches Studium
Mathilde Jolliet kam über den wissenschaftlichen Weg zur Kriminaltechnik. Nach dem Gymnasium absolvierte sie das Forensikstudium in Lausanne – der einzige Studiengang dieser Art in der Schweiz. Das Studium ist in Französisch und in der Deutschschweiz weniger bekannt.
Während des Bachelorstudiums in forensischen Wissenschaften und des Masterstudiums mit Vertiefung in chemischer Kriminalistik sammelte Mathilde Jolliet erste Praxiserfahrungen in Praktikumseinsätzen, unter anderem in der Forensik Bern. Anschliessend arbeitete sie rund eineinhalb Jahre beim Kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Solothurn, bevor sie 2024 zur Kapo Bern wechselte. Mathildes Weg zeigt, dass der Einstieg in den Aussendienst auch über ein forensisches Studium möglich ist.
Die Stellen sind jedoch rar und praktische Erfahrung, beispielsweise durch ein Praktikum, ist entscheidend.
Was macht der KT-Aussendienst?
Der Arbeitsalltag ist abwechslungsreich und unvorhersehbar. Im Pikettdienst rücken Kriminaltechnikerinnen und Kriminaltechniker zu unterschiedlichsten Ereignissen aus: von Einbruchdiebstählen über Körperverletzungen bis hin zu Todesfällen. Vor Ort wird eine Tatbestandsaufnahme gemacht, mögliche Spuren werden gesichert und dokumentiert.
Anschliessend folgen die Auswertung im Labor und die Berichterstattung im Büro.
Zwischen Herausforderung und Faszination
Unregelmässige Arbeitszeiten, nächtliche Einsätze, der Umgang mit Verstorbenen und emotionale Situationen gehören zur Kriminaltechnik dazu. Besonders belastend können Einsätze sein, bei denen Angehörige vor Ort oder Kinder betroffen sind. Sowohl Maya Wauschkuhn als auch Mathilde Jolliet betonen, wie wichtig professionelle Distanz, klare Abläufe und der Fokus auf die Arbeit sind.
Trotzdem schätzen beide die Abwechslung, die Verantwortung und die Sinnhaftigkeit der Arbeit.
Die Fachspezialistinnen und Fachspezialisten des KT-Innendienstes kümmern sich nebst den Spuren, welche ihnen vom KT-Aussendienst übergeben werden, um spezifische Spuren wie beispielsweise in den Bereichen Dokumente, Handschriften, Bildforensik, Schusswaffen oder Mikrospuren. Zudem sind sie verantwortlich für die Erkennung von Spurenzusammenhängen, sogenannten Serien, sowie für die Erstellung von Phantombildern. Diese spezialisierten Tätigkeiten finden vorwiegend im Labor oder im Büro statt.
Im KT-Innendienst arbeiten neben Polizistinnen und Polizisten auch Fachpersonen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und Qualifikationen. So ist bei Arbeiten, bei denen Fingerabdrücke und erkennungsdienstliche Daten von Personen wie beispielsweise Signalement, Tattoos, Narben oder DNA erhoben werden, auch ein Einstieg ohne Polizeilaufbahn möglich.







