Polizei rät: Opfer sollen Messerangreifer siezen

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Bern,

Ein Tipp der Kantonspolizei Bern für den Fall eines Messerangriffs sorgt für Aufsehen. Empfohlen wird, mit einem «Sie» Distanz aufzubauen.

Messer
Wer mit einem Messer angegriffen wird, sollte den Angreifer besser siezen. Das rät die Kantonspolizei Bern. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Berner Kantonspolizei rät in einem Leitfaden, Messerangreifer im Ausgang zu siezen.
  • Die Kriminalprävention lobt das «Sie» als Mittel für Distanz und Deeskalation.
  • Die Polizei empfiehlt zudem: Keine Messer mitnehmen und Provokationen vermeiden.

Die Kantonspolizei Bern sorgt mit Tipps gegen Messergewalt für Aufsehen. Im Leitfaden «Sicher feiern» gibt sie nämlich nun Tipps, wenn man im Ausgang in heikle Situationen gerät.

Darunter ist auch der folgende Tipp: «Sein Gegenüber zu siezen zeigt dem Umfeld deutlich, dass es sich nicht um eine Auseinandersetzung unter Bekannten handelt. Dies erlaubt auch Unbeteiligten zu erkennen, dass Grenzen überschritten werden.»

Kantonspolizei Bern
Die Kantonspolizei Bern rät bei Messerangriffen zum Sie. - Screenshot

Wie bitte?

Den Leitfaden bewirbt die Kantonspolizei Bern derzeit mit dem Slogan «Messer gezogen», wie der «Nebelspalter» zuerst berichtete. Der QR-Code auf den Plakaten führt direkt zu den Tipps.

Die Kantonspolizei stellt jedoch klar, dass einzelne Empfehlungen nicht für sich allein betrachtet werden sollen.

Kein isolierter Tipp der Kantonspolizei Bern

Auf Anfrage von Nau.ch betont sie: «Das Siezen ist nicht als isolierte Empfehlung gegen Messerangreifer zu verstehen, sondern als Teil eines umfassenden Präventions- und Deeskalationsansatzes.»

Die Kampagne mit dem Slogan «Messer gezogen» läuft seit Juli 2026. Derzeit hängen nur wenige Plakate mit diesem Slogan in der Stadt Bern – ausschliesslich in deutscher Sprache.

Eine flächendeckende Plakatierung sei nicht vorgesehen.

Darüber hinaus verbreitet die Polizei die Botschaft auch über Social Media und macht an Veranstaltungen wie Festivals darauf aufmerksam.

Polizeiliche statistische Erfahrungswerte zum Siezen von Messerangreifern lägen keine vor.

Kriminalexperte bestätigt Sie-Tipp

Unterstützung für den Sie-Tipp erhält die Berner Polizei von der Schweizerischen Kriminalprävention.

Deren Geschäftsleiter Fabian Ilg erklärt bei Nau.ch: «Zum Siezen gibt es keinen empirischen Beleg, eher Erfahrungswissen aus der Praxis. Das ‹Sie› schafft psychologische Distanz und kann die Aggressionsdynamik reduzieren.»

Fabian Ilg
Fabian Ilg von der Schweizerischen Kriminalprävention bestätigt den Sie-Tipp - www.skppsc.ch

Dazu komme: «Es signalisiert Respekt und kann ein Muster im Kopf des Angreifers durchbrechen.»

Zudem könne ein «Sie» Unbeteiligte darauf aufmerksam machen, dass es sich nicht um einen internen Konflikt handle. «Unbeteiligte sind im Sinne der Zivilcourage eingeladen zu handeln und zu alarmieren.»

Feierende sollen Messer nicht mit in den Ausgang nehmen

Ilg rät zudem zur räumlichen Distanz und sich nicht auf Provokationen einzulassen. Bei einem unguten Gefühl sollte man den Ort verlassen und einer Situation rechtzeitig aus dem Weg gehen.

Die Schweizer Kriminalprävention rät, das Messer nicht mit in den Ausgang zu nehmen.

Und: «Sich gegenseitig vor unüberlegten Handlungen schützen. Das beginnt bereits damit, dass man sich gegenseitig in der Gruppe davon überzeugt, ohne Messer in den Ausgang zu gehen.»

Viele Jugendliche und junge Erwachsene glaubten nämlich, dass ein Messer sie schützen könne, sagt er. «Dass damit auch Menschen schwer verletzt werden können, bedenken viele nicht. Ausserdem kann ein Messer eine Situation zusätzlich provozieren und sie erst recht eskalieren lassen.»

Nimmst du ein Messer in den Ausgang mit?

Die polizeiliche Kriminalstatistik weist Gewaltdelikte mit Messern nicht explizit auf. Messergewalt kommt laut der Kriminalprävention vor allem im öffentlichen Raum sowie im Ausgangs- und Nachtleben vor. Auch Gruppenkonflikte seien betroffen.

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Kommentare

User #2658 (nicht angemeldet)

"Bitte stechen Sie dort zu, wo es mir nicht allzu weh tut. Für weitere Informationen stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung".

User #4851 (nicht angemeldet)

Solche Tipps zeigen ganz einfach die Hilflosigkeit der Polizei und die Aussichtslosigkeit der steigenden Kriminalität. Tatsache ist, dass man verletzt wird, wenn man in einen Messerkampf gerät. Das Einzige, das hilft, ist physische Distanz.

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