Bern: Simbabwische Autorin wird Dürrenmatt-Gastprofessorin

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Die simbabwische Autorin Petina Gappah lehrt diesen Herbst an der Universität Bern. Der öffentliche Auftakt ist am 16. September in der Burgerbibliothek.

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Gemeindehaus (Symbolbild) - Nau.ch / Simone Imhof

Die simbabwische Autorin und Anwältin Petina Gappah lehrt im Herbstsemester 2026 an der Universität Bern. Als 25. «Friedrich Dürrenmatt Gastprofessorin für Weltliteratur» wird sie mit ihren Studierenden literarische Werke aus der Geschichte des Kolonialismus lesen und dabei der Frage nachgehen: Wer erzählt hier eigentlich wen?

Im Herbst 2026 übernimmt Petina Gappah die «Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur für Weltliteratur» an der Universität Bern. Die simbabwische Autorin wird am Walter Benjamin Kolleg der Philosophisch-historischen Fakultät eine Lehrveranstaltung anbieten und mit Studierenden und Doktorierenden zusammenarbeiten. Zudem wird sie an öffentlichen Anlässen im Raum Bern auftreten.

Von Sambia und Simbabwe nach Graz und Genf

Petina Gappah wurde 1971 in Sambia geboren und wuchs in Simbabwe auf, der früheren britischen Kolonie Rhodesien. Ihre erste Geschichte veröffentlichte sie bereits mit 14 Jahren. Sie studierte in Harare und Cambridge Rechtswissenschaft und promovierte in Graz in Internationalem Handelsrecht.

Über zehn Jahre arbeitete Petina Gappah als Fachanwältin in Genf, von 2018 bis 2019 war sie als Beraterin für die simbabwische Regierung tätig. «Es ist ein Glücksfall», freut sich Projektleiter Oliver Lubrich, Literaturprofessor an der Universität Bern, «dass wir mit Petina Gappah eine Schriftstellerin zu Gast haben, die im doppelten Sinn Anwältin afrikanischer Interessen ist.»

Recht schreiben

In ihren Werken schildert Petina Gappah das Leben in Simbabwe und die Folgen des Kolonialismus. Dabei spielen für die promovierte Juristin Fragen von Recht und Gerechtigkeit, Kriminalfälle und Strafgerichtsbarkeit eine besondere Rolle. Beeinflusst ist die Autorin unter anderem von den Fallgeschichten des deutschen Schriftstellers und Juristen Ferdinand von Schirachs – insbesondere in ihren Erzählungen, die unter dem Titel Rotten Row (2017, dt. Die Schuldigen von Rotten Row) erschienen sind. Vier Werke von Petina Gappah liegen auf Deutsch vor.

Ihr erstes Buch, An Elegy for Easterly (2009, dt. Im Herzen des goldenen Dreiecks), ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die mit schwarzem Humor die Widerstandsfähigkeit der Menschen unter dem Regime des simbabwischen Diktators Robert Mugabe beschreiben.

Ihr erster Roman, The Book of Memory (2015; dt. Die Farben des Nachtfalters), erzählt in der Form eines Briefromans die Geschichte einer zum Tode verurteilten Frau. Der neueste Roman, Out of Darkness, Shining Light (2019, dt. Aus der Dunkelheit strahlendes Licht), handelt davon, wie seine afrikanischen Begleiter den Leichnam des Missionars und Afrikaforschers David Livingstone in einer monatelangen, mühevollen Expedition zur Küste brachten, damit er in England beigesetzt werden konnte.

Seminar mit Fortschreibung von Doris Lessings Debutroman

In ihrem Seminar wird Petina Gappah den Studierenden Einblicke in die Arbeit an ihrem nächsten Roman geben. Darin schreibt sie den Debutroman der Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing, The Grass Is Singing, die ihrerseits lange in Simbabwe lebte, postkolonial fort: als Roman über Moses, den schwarzen Hausdiener, der bei Lessing seine Hausherrin ermordet.

Das wöchentliche Seminar von Petina Gappah hat den Titel «Narrating the Other» («Die Anderen erzählen») und beginnt am 14. September 2026 um 12 Uhr im Hörraumgebäude Unitobler (Raum F 003). Inspiriert von Toni Morrisons Vorlesungen aus dem Jahr 2016, wird Gappah mit den Studierenden das Verhältnis von ‹Rasse› und ‹Repräsentation› in der Weltliteratur diskutieren, indem sie jeweils europäische Klassiker und deren postkoloniale Adaptionen behandelt: zum Beispiel Charlotte Brontës Jane Eyre (1847) und Jean Rhys’ Wide Sargasso Sea (1966), Joseph Conrads Heart of Darkness (1899) und Chinua Achebes Things Fall Apart (1950), Albert Camus’ L’Étranger (1942) und Kamel Daouads Meursault, contre-enquête (2013). Es handelt sich um Werke, in denen Autorinnen und Autoren von Figuren erzählen, die eine andere ethnische Zugehörigkeit haben als sie selbst.

«Es geht um Autorschaft, Autorität und Authentizität. Wer erzählt wen? Wer ‹darf› wen erzählen? Wie kann man ‹Andere› erzählen?», so Oliver Lubrich.

Auftakt in der Burgerbibliothek

Die öffentliche Auftaktveranstaltung mit Petina Gappah findet am 16. September 2026 um 18.30 Uhr im Hallersaal der Burgerbibliothek Bern statt.

Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur

Die Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur für Weltliteratur erweitert das akademische und kulturelle Angebot in Bern und darüber hinaus. Seit dem Frühjahr 2014 unterrichtet in jedem Semester ein internationaler Gast an der Universität Bern. Die Autorinnen und Autoren geben je eine 14-wöchige Lehrveranstaltung und arbeiten wie reguläre Professorinnen und Professoren mit Studierenden und Doktorierenden zusammen.

Zusätzlich zu ihren Seminaren oder Vorlesungen werden universitäre und öffentliche Veranstaltungen in Bern sowie an anderen Orten in der Schweiz organisiert. Die Gastprofessur wird durchgeführt mit Unterstützung der Burgergemeinde Bern.

Kommentare

User #6292 (nicht angemeldet)

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