Bern: Jungtiere machen im Tierpark grosse Fortschritte
Im Tierpark Bern schlüpften diesen Sommer 18 junge Bienenfresser, bei den Rosaflamingos gab es Nachwuchs – und ein junger Seehund lernte das Fischen.

Die Blätter fallen, die Luft wird frischer und im Dählhölzliwald hält langsam der Herbst Einzug: Die perfekte Zeit für lange Spaziergänge und besondere Naturbeobachtungen im Tierpark Bern!
Pünktlich zum Saisonwechsel zeigt sich die Tierwelt von ihrer eindrücklichen Seite: Bei den Wisenten, Elchen und Rentieren ist die imposante Brunftzeit im Gange, während sich unsere Ziesel und Murmeltiere bereits in ihre unterirdischen Bauten für den Winterschlaf zurückgezogen haben.
Wer in den letzten Wochen unseren SeehundFjord besucht hat, konnte eine schöne Entwicklung beobachten: Unser Ende Juli geborenes Seehundjungtier hat einen grossen Entwicklungsschritt hinter sich!
Bei Seehunden stellen die Mütter nach etwa vier bis fünf Wochen das Säugen ein. Für die Jungtiere beginnt damit eine heikle Übergangsphase auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Um dem Jungtier den Start so stressfrei wie möglich zu gestalten, durfte es im ruhigeren Becken C in aller Ruhe das Fressen lernen.
Das ist gar nicht so einfach, denn Fische müssen wegen ihrer Schuppen zwingend mit dem Kopf voran geschluckt werden. Sonst stellen sich die Schuppen im Hals wie Widerhaken auf.
Unser Neuzugang ist schnell auf den Fischgeschmack gekommen und hat die Technik rasch durchschaut: Nach den ersten kleinen Stinten stieg sie mühelos auf Heringe um, frisst diese direkt aus der Hand und macht auch schon fleissig beim Medical Training mit.
Einblick in die Bruthöhle
Einen faszinierenden Einblick in ein sonst verborgenes Naturschauspiel bot uns in den letzten Monaten unsere Europäische Bienenfresser-Voliere. Dank installierter Kameras in den Nistkästen konnten wir den Bau, die Eiablage und das Aufwachsen der Küken hautnah dokumentieren.
Und die Bilanz der Saison 2026 sieht sehr gut aus: Allein in den überwachten Brutkästen schlüpften 18 junge Bienenfresser. Von der Schwerstarbeit beim Röhrengraben über das das Füttern der hungrigen Brut bis hin zu ersten Gehversuchen haben unsere Kameras faszinierende Szenen festgehalten.
Babyboom bei den Rosaflamingos
Normalerweise schlüpfen unsere Küken gebündelt innerhalb eines Monats. Diese Saison bescherte uns jedoch über einen Zeitraum von mehr als zwei Monaten immer wieder neuen Zuwachs an Jungtieren.
Mittlerweile haben die Kleinen richtig zugelegt. Kaum geschlüpft, sind sie noch flauschig grau, tapsig und haben einen kurzen, geraden Schnabel. Doch schon nach kurzer Zeit verlassen sie den Bruthügel und machen die ersten staksigen Schritte.
Bald schon biegt sich ihr Schnabel zu Boden, sodass sich der perfekte Filterapparat ausbildet. Bis sie das bekannte Flamingo-Rosa bekommen, braucht es allerdings Geduld: Die Färbung entsteht erst im Laufe von drei bis vier Jahren durch Carotinoide aus Kleinkrebsen und Algen. Diese sieben sie mit ihrem speziellen Filterschnabel aus dem Wasser.
Gemeinsam für den Artenschutz
Ende September war der Tierpark Bern Gastgeber für ein wichtiges Ereignis: Die wissenschaftlich geleiteten Zoos der Schweiz (vereinigt im Dachverband zooschweiz) luden zur gemeinsamen Medienkonferenz ein.
Im Zentrum stand die Frage, welche Rolle moderne Zoos in Zeiten der globalen Biodiversitätskrise spielen. Unter dem Dach des sogenannten «One Plan Approach» der Weltnaturschutzunion IUCN wurde aufgezeigt, wie ex-situ-Massnahmen (Zucht und Forschung in menschlicher Obhut) und in-situ-Projekte (Schutz direkt in den natürlichen Lebensräumen) zusammenarbeiten. Rund ein Drittel aller in Schweizer Zoos gehaltenen Tierarten ist in der Natur gefährdet.
Auf dem Podium wurden auch herausfordernde Zuchtthemen beleuchtet. Unsere Direktorin Friederike von Houwald brachte es treffend auf den Punkt: «Wissenschaftliche Zoos retten Tierarten nicht alleine. Aber sie sind ein wichtiges Puzzleteil im gesamten Netzwerk des Natur- und Artenschutzes.»







