Bern BE: Kruit: «Wir müssen Brücken schlagen, statt Gräben zu pflegen»
Stadtpräsidentin Marieke Kruit hat am 1.-August-Empfang in der Orangerie Elfenau zu Zuhören und Zusammenhalt aufgerufen – und Diplomatie mit Gastronomie verglichen.

The diplomatic corps has long been among the most valued guests at Bern's Swiss National Day Reception. A very warm welcome to you all! Es freut mich, in diesem Jahr auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Berner Gastronomie begrüssen zu können. Herzlich willkommen! Ich bin sicher: Das ist ein Mix, der passt.
And, of course, I hope you will all indulge in my mix of languages this evening.
— Gastro & Diplomatie —
Diplomatie und Gastronomie haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vielleicht vermuten würde. Die Gastronomin muss diplomatisch sein und der Diplomat weiss, dass der beste Verhandlungstisch oft gedeckt ist. Diplomatinnen und Gastronomen bringen Menschen an einen Tisch. Beide helfen, dass Menschen miteinander im Gespräch bleiben.
Beide schaffen ein Stück Lebensqualität. Und beide – das muss man sagen – hatten es auch schon einfacher.
— Lebensqualität —
Ladies and Gentlemen, liebe Gäste
Wir feiern den Nationalfeiertag heute an einem der schönsten Orte unserer Stadt. Davon – das weiss ich natürlich – gibt es in Bern viele! Wenn man heute Abend hier in der Elfenau steht – zwischen Aare, Wald und Wiesen – begreift man intuitiv, dass Bern zu Recht zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität zählt. Lebensqualität, darum geht es schlussendlich auch in der Demokratie.
— Abstimmungsresultat —
Viele Menschen in der Schweiz – das haben die Diskussionen um die abgelehnte 10-Millionen-Initiative gezeigt – machen sich Gedanken über Wachstum, Wohnraum, Mobilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ihre Fragen und Sorgen verdienen es, ernst genommen zu werden. Aber, wenn wir schon hier sind – im wahrsten Sinn des Wortes zwischen Stadt und Land – muss ich doch noch etwas loswerden:
Die Schweizer Bevölkerung hat am 14. Juni vor allem auch einen klaren Entscheid gefällt – für eine offene, vernetzte und fortschrittliche Schweiz. Auch das verdient es, ernstgenommen zu werden! Zu unserer Demokratie gehört es, unterschiedliche Auffassungen auszuhalten, lebhaft zu debattieren – und Mehrheitsentscheide zu respektieren. Das macht unsere Demokratie aus.
Dazu, meine Damen und Herren, müssen wir Sorge tragen. Jetzt ganz besonders.
— Weltlage —
The world is changing faster and has become more turbulent and more unpredictable. The tone has become harsher. Increasingly, differences are placed above what unites us. Polarisation is on the rise. Debates are becoming more divisive, common ground is shrinking, and attacks are becoming more personal. At times, it seems as though the law of the strongest is once again taking precedence over the rule of law.
At the same time, new technologies are changing the way we inform ourselves and communicate with one another. Artificial intelligence reinforces existing opinions, creates new uncertainties, and floods us with misinformation and deepfakes. This makes places and occasions, where people come together all the more important – places, where we meet directly, unfiltered, and genuinely. Places, where we speak with one another, rather than about one another.
Differences do not have to divide us. They can be the beginning of a conversation – and, at their best, the starting point for compromise.
— Begegnung —
Wir müssen Brücken schlagen, statt Gräben zu pflegen. Wenn ich in die Runde blicke, sehe ich viele Menschen, die genau das tun: Im Alltag, im Quartier, im Verein und am 1. August-Empfang. Diplomatinnen, die Austausch und Beziehungen pflegen. Politikerinnen, die den Dialog und den Kompromiss suchen. Vertreter von Religionsgemeinschaften, die den Dialog fördern.
Und Gastronomen, die Begegnung möglich machen. Wir brauchen Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die sich sonst nie begegnen würden. Orte, an denen lebhaft diskutiert, gelacht, gefeiert und gestritten wird. Orte jenseits von Bubbles.
— Sitzenbleiben —
Ich bin in einer Wirte-Familie aufgewachsen. Dort habe ich schon früh gelernt: Wenn am Tisch alle derselben Meinung sind, wird's langweilig. Es geht nicht darum, dass alle gleich denken. Es geht darum, dass wir einander zuhören. Dass wir neugierig bleiben auf andere und ihre Perspektive. Dass wir miteinander im Gespräch bleiben – trotz und gerade wegen Differenzen.
Das macht die Schweiz stark: Dass wir auch am Tisch sitzen bleiben, wenn wir ganz und gar nicht gleicher Meinung sind. Das gilt in der Familie. Das gilt in der Beiz. Das gilt in unserer Demokratie.
— Bilaterale III —
The same is true for Switzerland on the international stage: For the thirteenth time, the Swiss people have reaffirmed their support for the bilateral path with the European Union at the ballot box – a strong signal in favour of cooperation and against isolation. As early as next year, Switzerland will debate and vote on the Bilateral Agreements III—the fourteenth major test of our relationship with Europe.
In challenging times, reliable partners and friends matter more than ever. Our ties with our European neighbours are based on far more than geography alone. We share values such as freedom, democracy, the rule of law and – perhaps most importantly in uncertain times – reliability. Auch da können wir nicht einfach aufstehen und gehen.
— Schluss —
Dear Guests, meine Damen und Herren
Sie können gleich aufstehen – nämlich für die Nationalhymne. Vorher danke ich allen, die zu diesem Abend beigetragen haben: Dem Jodlerchörli aus der Länggasse für die musikalische Begleitung, den Mitarbeitenden der Stadt Bern für die Organisation, und natürlich denjenigen, die heute für unser leibliches Wohl sorgen. And thank you all for being here this evening.
I wish you all a wonderful Swiss National Day – may today be filled with inspiring conversations, reconciliation and hope.






