In der Sonderausstellung des Museums Kleines Klingental in Basel steht der Baum als Mittel der Verschönerung in den Phasen der Stadtentwicklung im Zentrum.
Sicht von unten gegen einen Nadelbaum mit weisser Rinde - zvg Stadt Basel
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Die neue Sonderausstellung des Museums Kleines Klingental widmet sich vom 14. Mai 2022 bis 12. März 2023 dem Baum im urbanen Wandel. Dank eines reichen Fächers an reproduzierten Bildquellen, an Plänen und weiterführenden Hinweisen, des Links zum Baumkataster und eines raren Kräuterbuchs von 1664 in Folioformat wird die Ausstellung zum spannenden Spaziergang durch einen bunten stilisierten Wald und durch das Basler Stadtgrün in Geschichte und Gegenwart.

Als Ort des Unheimlichen versinnbildlichte der Wald im Mittelalter das Mysteriöse und Gefährliche. Heute gilt der Wald als Rückzugsort, der dem Städter reines Naturerlebnis näherbringt. Als Schutz- und Gemeinschaftssymbol hat der Baum eine soziale Funktion wie etwa bei der mittelalterlichen Gerichtslinde, beim Aufrichtebaum am Richtfest oder beim Freiheits-, Mai- oder Weihnachtsbaum.

Im geistig-kulturellen Aufbruch zu Beginn der Neuzeit verändert sich das Erscheinungsbild der Stadt. Gelehrte und Unternehmer mit internationalen Beziehungen fördern den Wandel Basels in eine bedeutende Stadt.

Bäume als Naturobjekte

Die Erforschung von Botanik war noch eng mit Belangen der Pharmakologie, der Medizin und des Gartenbaus verbunden und drückt sich 1460 in der Gründung der Basler Universität aus. Einzelbäume werden als Naturobjekt in der Stadt wahrgenommen, wie der ins 13. Jahrhundert zurückreichende Hain auf dem Petersplatz veranschaulicht, dessen Umgestaltung im Laufe der Zeit mehrmals auf die Bedürfnisse der Bevölkerung ausgerichtet wird.

Frühe Privatgärten entstehen nach italienischen Vorbildern. Die Lust auf frische Luft in den Landschaften vor den Stadttoren führt zu ersten Hofgütern und Sommersitzen bis nach Riehen.

In den diversen Phasen der Stadtentwicklung wird der Baum schon früh als Mittel zur Stadtverschönerung erkannt. Basels Wohn- und Gartenkultur wird im 18. und 19. Jahrhundert von neuen Baumimporten wie auch von blütenreichen Topfpflanzen geprägt.

Eine neue Gartenbegeisterung, Blumendekor im Haus und die Gartenstile der Zeit vom Barock über das Rokoko bis zu den romantischen Anlagen im Anglo-Chinois-Stil in herrschaftlichen Privatgärten legen die Grundlagen für spätere öffentliche Grünräume. Gleichzeitig drängen stadthygienische Probleme auf neue Lösungen.

Basel richtet sich neu aus

Nicht nur eröffnen frei werdende Begräbnisflächen die Möglichkeit für erste städtische Grünanlagen, auch schaffen Promenadenanlagen entlang der ehemaligen Stadtmauern die Voraussetzung für eine neue räumliche Ordnung in der Stadt.

Umwidmungen und Nutzungsänderungen von nicht bebauten Flächen prägen den Übergang ins 20. Jahrhundert. Stadtbäume und Haine erinnern noch heute an ihre einstige Bedeutung in kirchlichen Institutionen. Basel richtet sich im Zeichen von Fortschritt und Bevölkerungszunahme städtebaulich neu aus.

Um 1898 regen Vorstellungen des Engländers Ebenezer Howard zum Umdenken in der Stadtplanung an, wodurch auch in Basel das Bedürfnis nach mehr privatem Grün, Haus- und Familiengärten zunimmt. Die Idee der Gartenstadt wird in der Schweiz erstmalig 1912 in Münchenstein umgesetzt.

Umweltbewusstsein steigt

Heute sind Parks und Grünanlagen oft mit Kunstwerken und Spielplatzbauten bereichert. Seit jeher ist der Baum Gegenstand künstlerischer Gestaltung. Christo und Jeanne-Claude setzten 1998 ihre Idee mit Baumverhüllungen im Park der Fundation Beyeler in Riehen um.

In Alfonso Hüppis Stadtraum-Intervention von 2000 mit einem Baum auf dem Barfüsserplatz in Basel, liessen sich all die Beziehungsebenen herauslesen, die den Baum von frühesten Zeiten an mit dem Menschen verbinden.

Um die Jahrtausendwende spiegelt die Stadtentwicklung mit neu ausgewiesenen Grünflächen ein erwachtes Umweltbewusstsein wider. In einer neuerlichen Phase städtebaulicher Entwicklung, zunehmender Industrialisierung und des verkehrstechnischen Ausbaus der Nachkriegszeit werden Schlagworte wie «Saurer Regen», «Waldsterben», «Erstickende Städte» laut.

Nachdem der Nachkriegsbauboom mit verkehrsüberlastetem Stadtzentrum und Luftverschmutzung den Fokus auf die Lebensqualität der Stadt gerichtet hat, erhalten Bürgerinitiativen für mehr Grün in der Stadt neuen Auftrieb. Basels Kultur des urbanen Grüns wird geprägt bleiben von der Kraft einer jahrhundertelangen Baum-Präsenz in der Stadt.

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