Wie die Gemeinde Baar berichtet, rechnet das Budget 2022 der Einwohnergemeinde Baar mit einem Ertragsüberschuss von 1.9 Millionen Franken.
Rathaus Baar.
Rathaus Baar. - Nau.ch / Stephanie van de Wiel

Heiter mit ein paar Wolken am Horizont: So lässt sich das Budget 2022 der Einwohnergemeinde Baar bildlich erklären. Heiter, weil Finanzvorstand Pirmin Andermatt für das nächste Jahr einen Ertragsüberschuss von 1.9 Millionen Franken budgetieren kann.

Wolkig, weil in den nächsten Jahren rekordhohe Investitionen anstehen, die den gemeindlichen Finanzhaushalt belasten werden. Grund zur Zuversicht geben insbesondere die Steuererträge der natürlichen Personen.

Baar budgetiert 2022 mehr Steuererträge als 2021

«Wir dürfen feststellen, dass die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler mit hohem Steuersubstrat in Baar von den Covid-19-Auswirkungen nicht betroffen sind», sagt Gemeinderat Pirmin Andermatt.

In Zahlen ausgedrückt: Die Steuererträge der natürlichen Personen sind im Budget 2022 mit 57.1 Millionen Franken budgetiert. Das sind 6.7 Millionen Franken mehr als im Vorjahresbudget, wobei dieses seit wenigen Monaten Makulatur ist.

Die Steuererträge der natürlichen Personen für das laufende Jahr werden gemäss der aktuellen Prognose rund 69.5 Millionen Franken betragen. Zu verdanken ist dies hauptsächlich einem Sondereffekt.

Entsprechend wird die Jahresrechnung 2021 voraussichtlich statt mit einem budgetierten Minus von drei Millionen Franken mit einem Überschuss von 13 Millionen Franken abschliessen.

Die Wegzüge und Fusionen wirken sich aus

Die Steuererträge der juristischen Personen bewegen sich im Rahmen der Prognosen. Diese sahen bereits letztes Jahr nicht so rosig aus. Infolge von Wegzügen und Fusionen verlor die Gemeinde Baar Steuererträge in der Höhe von weit über zehn Millionen Franken.

Fürs Jahr 2022 werden Einnahmen in der Höhe von 34.8 Millionen Franken budgetiert. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 beliefen sich die Steuererträge juristischer Personen auf 61.4 Millionen Franken. Auch in den Folgejahren erholen sich diese Erträge nur zögerlich.

Der Finanzplan rechnet ab 2023 zwar mit einem leichten jährlichen Anstieg. Die Zahlen von 2018 und 2019 werden aber für längere Zeit nicht mehr erreicht werden können.

Baar zahlt weniger im Finanzausgleich

Die sinkenden Steuererträge bei den juristischen Personen zeigen, dass die Gemeinde Baar im Vergleich zu anderen Zuger Gemeinden an Steuerkraft verliert. Das wirkt sich auf die Transferzahlungen aus. 2022 wird Baar neun Millionen Franken an den Nationalen Finanzausgleich bezahlen, 8.7 Millionen Franken fliessen in den Zuger Ausgleichstopf.

Diese Minderausgaben von 6.4 Millionen Franken im Vergleich zum Vorjahr wirken sich auf der Aufwandseite aus. Die Gemeinde budgetiert einen Aufwand von 138.8 Millionen Franken gegenüber 142.7 Millionen Franken im laufenden Jahr.

Mehrausgaben von 0.7 Millionen Franken sind für das Personal vorgesehen. Hier wirkt sich insbesondere das Wachstum bei den Schülerzahlen aus. Während die Schule wächst, sinkt die Stellenzahl in der Verwaltung.

Baar bezieht in Zukunft die IT-Dienstleistungen von der Stadt Zug

Dies ist in einer Neuorganisation der Informatik begründet. Die Gemeinde Baar bezieht ihre IT-Dienstleistungen künftig von der Stadt Zug. Aufgrund der sich schnell verändernden IT-Anforderungen und der immer komplexer werdenden Aufgaben hat sich der Gemeinderat gegen einen Alleingang entschieden.

Die meisten IT-Mitarbeitenden haben deshalb den Wunsch geäussert, die Arbeitgeberin zu wechseln. Die IT-Migration schlägt sich dafür im Sachaufwand nieder. Für das Jahr 2022 werden 1.1 Millionen Franken zusätzlich budgetiert.

«Bereits ab dem zweiten Betriebsjahr spart die Gemeinde Kosten ein», erklärt Pirmin Andermatt. Die Reorganisation der Informatik zahlt sich einerseits finanziell aus, andererseits kann die Gemeinde zukünftig von der Zusammenarbeit mit der Stadt Zug und zahlreichen Synergien profitieren.

Der Gemeinderat beantragt einen Steuerfuss von 53 Prozent

Auch wenn die Gemeinde 2021 voraussichtlich einen deutlichen Ertragsüberschuss schreiben kann und auch für 2022 schwarze Zahlen budgetiert, beantragt der Gemeinderat, den Steuerfuss bei 53 Prozent zu belassen.

«Eine Steuerfusssenkung wäre angesichts der anstehenden hohen Investitionen ein falsches Signal», betont Pirmin Andermatt.

Bereits bewilligt sind Ausgaben in der Höhe von rund 70 Millionen Franken für drei Bauvorhaben: ein Gebäude für die Schulergänzende Betreuung Sennweid, der Neubau der Dreifachturnhalle Sternmatt 2 sowie die Erweiterung und Sanierung der Schule Sternmatt 1.

Am 28. November werden die Baarerinnen und Baarer an der Urne zudem über einen Kredit in der Höhe von 94.32 Millionen Franken für den Neubau der Schule Wiesental abstimmen. Dabei wird es nicht bleiben.

Gemäss Finanzplan stehen in den nächsten zehn bis 15 Jahren Investitionen von insgesamt 500 Millionen Franken an. Bei einem konstanten Steuerfuss von 53 Prozent wird die Gemeinde ihre liquiden Mittel bis im Jahr 2026 aufgebraucht haben und Fremdkapital aufnehmen müssen.

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