Zum dritten Mal in Folge kann die Stadt Arbon ein sehr erfreuliches Jahresergebnis präsentieren.
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Mit einem Ertragsüberschuss in der Höhe von 4'769'418.60 Franken konnte im vergangenen Jahr das Rekordergebnis aus dem Jahr 2018 sogar übertroffen werden. Nebst dem weiteren Schuldenabbau weist die Stadt Arbon in der jüngeren Vergangenheit erstmals wieder ein Nettovermögen aus.

Die Erfolgsrechnung 2020 der Stadt Arbon schliesst bei 55,75 Mio. Franken Erträgen und 50,98 Mio. Franken Aufwendungen mit einem Ertragsüberschuss von 4'769'418.60 Franken ab. Das Budget 2020 hatte einen knappen Gewinn von 125'400 Franken vorgesehen.

Damit schliesst die Jahresrechnung im Vergleich zum Budget um über 4,64 Mio. Franken besser ab. Die gewichtigsten Gründe für das sehr gute Ergebnis sind einerseits die weiter gesunkenen Nettokosten in der Sozialhilfe, andererseits die gegenüber dem Budget höheren Steuereinnahmen 2020.

Sozialhilfekosten stabilisiert

Bis 2017 stiegen die Fallzahlen in der Sozialhilfe stark an. Seither hat aufgrund der guten Konjunktur in den Jahren 2018 und 2019 eine Trendwende eingesetzt, die auch im Jahr 2020 nicht gebrochen wurde. Die Fallzahlen bei der Sozialhilfe gingen im vergangenen Jahr weiter zurück, wogegen bei der Budgetierung von einer leichten Zunahme ausgegangen worden war.

Die Rückerstattungsquote hält sich auf einem hohen Niveau. Diese gesamthaft betrachtet positive Entwicklung widerspiegelt sich in den sinkenden Kosten. Der budgetierte Nettoaufwand im Bereich der gesetzlichen wirtschaftlichen Hilfe konnte 2020 um 2,038 Mio. Franken und im Bereich Asylwesen um 160'340 Franken unterschritten werden.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass sich der Schritt aus der Sozialhilfe ins Erwerbsleben zunehmend erschwert hat. Die Entwicklungen für 2021 und die folgenden Jahre sind aber noch mit grossen Unsicherheiten behaftet. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) rechnet für 2021 mit einer Fallzunahme von rund 10 Prozent.

Steuereinnahmen über Budget, aber tiefer als 2019

Auf der Ertragsseite konnten die Budgetwerte 2020 der ordentlichen Steuern um rund 0,97 Mio. Franken übertroffen werden. Haupttreiber waren die Einnahmen bei den natürlichen Personen sowie den juristischen Personen im Berichtsjahr. Ebenfalls weit über der Prognose lagen die Einnahmen bei den Grundstückgewinnsteuern.

Diese haben mit 1,38 Mio. Franken einen gewichtigen Anteil am guten Resultat (0,63 Mio. Franken über Budget). Gegenüber den Vorjahren ist der Steuereingang der juristischen Personen auch aufgrund der Steuergesetzrevision per 01.01.2020 zurückgegangen. Der Rückgang des Steuervolumens gegenüber 2019 widerspiegelt sich auch im Einbruch der Entwicklung der durchschnittlichen Steuerkraft.

In der Stadt Arbon ist diese auf 1'887 Franken pro Einwohner/-in zurückgegangen (Vorjahr 1'967 Franken). Die Arboner Steuerkraft liegt weiterhin unter dem kantonalen Durchschnitt von aktuell 2'162 Franken (Vorjahr 2'202 Franken).

Gesundheitskosten weiter steigend

Die Kosten in der ambulanten und in der stationären Pflege sind auch im Berichtsjahr weiter angestiegen. Seit 2020 gilt der neue Kostenverteiler bei den Gesundheitskosten. Der Kanton beteiligt sich neu sowohl an den Kosten der stationären als auch der ambulanten Pflege zu je 40 Prozent.

Wie erwartet ist trotz ausgebauten Kantonssubventionen die erhoffte Entlastung in Arbon nicht eingetroffen. Die Kostensteigerung ist auch auf die ausserordentliche Pandemielage im vergangenen Jahr zurückzuführen.

Tiefe Nettoinvestitionen

Die Investitionsrechnung 2020 schliesst mit vergleichsweise tiefen Nettoinvestitionen in der Höhe von 2,47 Mio. Franken ab; budgetiert waren 3,87 Mio. Franken. Minderinvestitionen waren vor allem in den Bereichen Gemeindestrassen und Abwasserbeseitigung zu verzeichnen.

Verbesserung der Kapitalstruktur

Aufgrund des guten Jahresergebnisses der Erfolgsrechnung und der eher tiefen Investitionstätigkeit konnten die kurz- und langfristigen Fremdfinanzierungen um weitere 5 Mio. Franken getilgt werden. Damit steht die Stadt Arbon mit einer Darlehensschuld an Dritte von neu 39 Mio. Franken auf gesunden Beinen.

Nebst den guten Rechnungsergebnissen aus den vergangenen drei Jahren haben auch die Anlagen im Finanzvermögen an Wert zugenommen und so das Eigenkapital gestärkt. Deshalb verzeichnet die Stadt Arbon erstmals in der jüngeren Vergangenheit wieder ein Nettovermögen von 213 Franken pro Einwohner/-in (Vorjahr: Nettoschuld von 318 Franken).

Blick in die Glaskugel

Die Bewältigung der Pandemie wird künftig auf der Aufwands- wie Ertragsseite der Stadt Spuren hinterlassen. Es ist anzunehmen, dass die Kosten im Sozial- sowie Gesundheitswesen wieder steigen und die Fiskalerträge stagnieren.

Die effektiven Auswirkungen sind aktuell kaum abzuschätzen und werden wohl erst Mitte 2021 oder 2022 erkennbar sein.

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