Aarau: PubliBike an britischen Investor – SVP fordert Antworten
Nach dem Verkauf der PubliBike AG an einen britischen Investor stellt die SVP dem Stadtrat von Aarau AG acht Fragen zu den städtischen Subventionen.

In zwei Anfragen (19. März 2026 SVP, 28. März 2026 GLP, Grüne, SP, Pro Aarau) wurden detaillierte Fragen zu Kosten, Nutzung und Nutzen des PubliBike-Systems gestellt. Die Antworten vom 11. Mai 2026 (GV 2026–2029/26 und /33) zeigen unter anderem:
Jährliche städtische Kosten von rund CHF 106'878 (bzw. CHF 91'117 mit Bundesbeitrag bis Mitte 2026).
Gesamtkosten der Stadt über die Pilotphase ca. CHF 487'109.
Bis April 2026: 23 329 Fahrten → ca. CHF 4.30 städtische Subvention pro Fahrt.
Keine Opportunitätskostenrechnung für die Beanspruchung öffentlicher Flächen.
Wenige Wochen später, Ende Juli / Anfang August 2026, wurde bekannt, dass die Mehrheit der PubliBike AG an den britischen Private-Equity-Investor Visionedgeone (Vision Edge One) verkauft wurde. Die bisherigen Schweizer Eigentümer (u. a. Thomas Binggeli) sind ausgestiegen.
CEO Markus Bacher bleibt und hält eine Minderheitsbeteiligung. Der Kaufpreis wurde nicht kommuniziert.
Damit stellt sich die grundsätzliche Frage, ob und in welchem Umfang Schweizer Steuergelder (Stadt, Kanton, Bund) weiterhin ein Unternehmen subventionieren sollen, dessen Mehrheitskontrolle und künftige Wertsteigerung nun bei einem ausländischen Private-Equity-Fonds liegen.
Ich bitte um die Beantwortung folgender Fragen:
1. Kenntnis und Information: Seit wann war dem Stadtrat bzw. der Stadtverwaltung bekannt, dass ein Verkauf der PubliBike AG an einen ausländischen Investor geplant oder im Gange war? Wurde der Stadtrat vor Abschluss des Verkaufs informiert? Wenn ja, von wem und in welcher Form?
2. Vertragsrechtliche Konsequenzen: Enthält der bestehende Leistungsvertrag zwischen der Stadt Aarau und der PubliBike AG eine Change-of-Control-Klausel, eine Kündigungs- oder Anpassungsklausel bei Eigentümerwechsel oder eine Regelung zur Rückforderung von Subventionen bei Verkauf? Falls ja: Welche konkreten Rechte stehen der Stadt zu? Falls nein: Warum wurde eine solche Klausel nicht aufgenommen?
3. Weiterführung der Subventionen: Beabsichtigt der Stadtrat, die laufenden und künftigen Betriebsbeiträge (MONAMO-Stationen und Arbeitgeber-Stationen) unverändert an die nun mehrheitlich britisch kontrollierte PubliBike AG weiterzuzahlen? Wenn ja, mit welcher Begründung? Wenn nein: Welche Anpassungen oder Kündigungsoptionen prüft der Stadtrat?
4. Wirtschaftlicher Nutzen für Aarau vs. Ausland: Wie beurteilt der Stadtrat die ärgerliche Tatsache, dass öffentliche Gelder aus der Stadtkasse, dem Kanton und dem Bund nun zur Wertsteigerung und zum Exit-Gewinn eines britischen Private-Equity-Investors beitragen, während in Aarau – gemäss den eigenen Antworten – weder eine quantifizierbare Verkehrsverlagerung noch eine messbare ÖV-Entlastung noch andere handfeste Vorteile vorliegen?
5. Transparenz über den Kaufpreis und die Bewertung: Liegen dem Stadtrat Informationen über den Verkaufspreis oder die Unternehmensbewertung vor? Falls ja: Wie hoch war der Preis? Falls nein: Wird der Stadtrat diese Information einfordern und den Einwohnerrat darüber informieren?
6. Risiken und Abhängigkeiten: Welche Risiken sieht der Stadtrat darin, dass der Betrieb und die Weiterentwicklung des Aarauer Systems künftig von den strategischen und finanziellen Interessen eines britischen Private-Equity-Fonds abhängen (z. B. Kostensteigerungen, Qualitätsreduktion, vorzeitiger Rückzug nach der «mindestens fünf Jahre»-Zusage)?
7. Evaluation und Stopp-Option: Wird der Stadtrat die für 2029 geplante Evaluation des Pilotprojekts vorziehen oder erweitern und dabei explizit die Eigentümerstruktur und den Abfluss von Steuergeldern an ausländische Investoren berücksichtigen? Unter welchen Bedingungen wäre der Stadtrat bereit, den Vertrag vorzeitig zu beenden oder das System in Aarau einzustellen?
8. Vergleich und Grundsätzliches: Hält der Stadtrat es für vertretbar, dass ein öffentlich subventioniertes Mobilitätsangebot, das von der Stadt als «partnerschaftlich» und im öffentlichen Interesse stehend dargestellt wird, nach wenigen Jahren mehrheitlich in ausländische Private-Equity-Hände übergeht – und die Subventionen trotzdem weiterlaufen?











