Aarau: 40 Jahre nach ihrem Tod – Ausstellung über Heidi Abel
Das Stadtmuseum in Aarau widmet der TV-Pionierin Heidi Abel vom 20. November 2026 bis 31. Januar 2027 eine Foto-Ausstellung. Zeitgleich erscheint ein Buch.

Anlässlich des 40. Todestages der Fernseh-Ikone eröffnet das Stadtmuseum Aarau die Foto-Ausstellung «Heidi Abel – TV-Star der ersten Stunde» im Foyer und die Publikation «Heidi Abel – Ansage und Engagement» erscheint im Christoph Merian Verlag. Heidi Abel (1929–1986) gab dem Schweizer Fernsehen ab 1954 als eine der ersten Ansagerinnen ein Gesicht, moderierte Unterhaltungs- und Kindersendungen und wurde als Tiervermittlerin zum Publikumsliebling. Eine Festanstellung erhielt sie nie. Anlässlich ihres 40. Todestages zeigt das Stadtmuseum Aarau vom 20. November 2026 bis 31. Januar 2027 eine Foto-Ausstellung im Foyer. Weitgehend unbekannte Bilder aus dem Ringier Bildarchiv und dem Eric Bachmann Fotoarchiv lassen das Publikum in die Anfangszeiten des Schweizer Fernsehens zurückreisen und zeigen, wie die Fernsehpionierin inszeniert wurde.
Begleitprogramm
Vernissage mit szenischer Lesung: Schlagrahm, darauf eine Kirsche «Was hätte man einer Frau denn anderes zugetraut?» Die Schauspielerinnen Eva Welter und Kathrin Veith lesen ein fiktives Interview zwischen Heidi Abel und der Autorin Ina Boesch.
Mittagstisch mit Kurzführung durch die Ausstellung, Di, 1. Dezember, 12 Uhr Talk «Hinter den Kulissen» mit Angélique Beldner und Nino Gadient, Moderatorinnen und Moderatoren bei SRF und zwei weiteren Persönlichkeiten, die heute das Fernsehen prägen. Do, 10. Dezember, 18.30 Uhr Eine Plakat-Ausstellung im Kasino-Park in Aarau ergänzt die Bilderschau vom 7. Dezember 2026 bis 7. Januar 2027.
Der lange Weg von der Ansagerin zur ersten eigenen Sendung
«Wir hatten damals weniger als 1000 Abonnenten. Ich ging durch die Strassen und zählte Antennen», erzählte Abel mal über ihre Anfänge im Testbetrieb. Als eine der ersten Ansagerinnen gab sie 1954 dem Schweizer Fernsehen ein Gesicht. In «Musik und Gäste» spricht sie mit Kindern, Bundesräten und Popstars gleichermassen souverän auf Augenhöhe.
Vielen in Erinnerung bleibt Heidi Abel als Tiervermittlerin: Auf einem Teppich sitzend präsentiert sie Tiere, die ein neues Zuhause suchen. In der Diskussionssendung «Telefilm» (ab 1983) kann sie endlich gesellschaftspolitische Themen verhandeln, mehr Mitsprache bei der Themenwahl bleibt ihr weiterhin verwehrt. Erst mit «Karambuli – eine Show mit Zwischentönen» (1984) erhält sie eine Sendung, die sie als Co-Redaktorin mit Kurt Aeschbacher auch inhaltlich mitgestaltet.
Obwohl Heidi Abel zu den beliebtesten Ansagerinnen und Moderatorinnen zählt, erhielt sie beim Schweizer Fernsehen nie eine Festanstellung. Jahr für Jahr musste Abel in der männerdominierten Fernsehwelt um eine Vertragsverlängerung bangen. Am 23. Dezember 1986 stirbt sie für die Öffentlichkeit unerwartet an Krebs.
Das Schweizer Fernsehen widmete ihr eine Schweigeminute. Die Einzige, die es je am Schweizer Fernsehen gab.
Vom Testbetrieb zur Fernsehfabrik
Die Foto-Ausstellung im Stadtmuseum Aarau blickt zurück auf die Meilensteine der TV-Geschichte: 1953 startete der landesweite Fernsehversuchsbetrieb mit anfänglich einer Stunde Sendezeit an fünf Wochentagen. Nur sehr wenige Haushalte besassen damals ein Fernsehgerät – das Publikum der ersten TV-Stunden sammelte sich in Warenhäusern, um einen Blick auf das neue Technikwunder zu ergattern: Die Pressefotografien aus dem Ringier Bildarchiv geben Einblick in die improvisierten Studios der Anfangszeit und zeigen die staunenden Menschenmassen vor den öffentlichen Fernsehern oder den neuen Fernseh-Übertragungswagen. Die Fotografien sind visuelle Zeugnisse von der ersten live übertragenen Fussball-WM 1954, die als «Katalysator» für das neue Massenmedium fungierte, bis zur ersten Übertragung in Farbe mit Bundesrat Roger Bonvin.
Trotz der Verteufelung als «Liebestöter» und «Süsses Gift» wuchs das Publikum innerhalb von zwei Jahrzehnten zum Massenpublikum. Und dieses verehrte die Fernsehansagerin Heidi Abel.
Influencerin vor ihrer Zeit
Rückblickend äusserte sich Heidi Abel kritisch zur Rolle der Ansagerin und zum ständigen Druck, gefallen zu müssen: «Was hätte man einer Frau denn anderes zugetraut?». Abel entsprach nicht dem üblichen Frauenbild, sie war geschieden, hatte keine Kinder und ging einem Beruf in der Öffentlichkeit nach – und war trotzdem ein Publikumsliebling. Abel beim Blutspenden, beim Eiertütschen im Supermarkt oder den Startschuss des Sechstagerennens abfeuernd: Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, nutzte sie ihre Prominenz auch ausserhalb des Fernsehens kommerziell. Sie war Werbebotschafterin, modelte, moderierte Galaveranstaltungen und eröffnete Sportveranstaltungen.
Zudem moderierte Heidi Abel 1981 den «1. Zürcher Tuntenball» und verschaffte dieser ersten öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung der Schweizer Schwulenbewegung mehr Aufmerksamkeit. Die Pressefotos im Ringier Bildarchiv zeigen, wie sich mit der «Marke» Heidi Abel Publikum und Aufmerksamkeit erzeugen liessen, lange vor dem Zeitalter der sozialen Medien und dem Begriff der Influencerin.
Was erzählen uns die Pressebilder aus dem Ringier Bildarchiv und dem Eric Bachmann Fotoarchiv über die Fernseh-Ikone? Die ersten Porträts zeigen Abel als personifiziertes Aushängeschild des neuen Mediums Fernsehen: Ihr Erscheinungsbild soll wie das neue Medium selber modern und elegant wirken. Ohne Ecken und Kanten oder modische Experimente.
Unvergessen bleiben die Bilder von Abel mit Hunden als Tiervermittlerin: Auf einem weissen Teppich sitzend, reagierte sie immer souverän und mit Humor auf das unplanbare Verhalten der Gäste mit Pelz.
Mit wachsender Berühmtheit stieg auch das Interesse an ihr als Privatperson ausserhalb des Fernsehstudios. Exklusive private Einblicke in das Leben der populären Ansagerin verkauften sich gut. Diese «authentischen» Aufnahmen zeigen sie, zum Beispiel beim Sonnenblumen schneiden im Garten ihres Häuschens am Lützelsee – und widerspiegeln die Wechselwirkung zwischen Medienunternehmen, die Prominente «volksnah» inszenierten, und Abel, die die Präsenz in den Medien brauchte, um ihre Popularität zu steigern.
Publikation «Heidi Abel – Ansage und Engagement»
Die visuelle Biografie der First Lady des Schweizer Fernsehens mit Hunderten von unveröffentlichten Fotografien von Eric Bachmann aus vier Jahrzehnten TV-Geschichte.
Hg. von Dominik Bachmann und Mirjam Fischer, Christoph Merian Verlag ISBN 978-3-03969-066-4.
Über das Ringier Bildarchiv
Das Ringier Bildarchiv ist das grösste Pressebildarchiv der Schweiz in öffentlicher Hand. Es bildet die Schweiz und das Weltgeschehen ab, mit einem Schwerpunkt auf die Jahrzehnte 1950 bis 2000. Der Bilderschatz, der rund 7 Millionen Pressefotografien umfasst, wird von Bibliothek und Archiv Aargau am Standort Staatsarchiv erschlossen und im Stadtmuseum Aarau der Öffentlichkeit präsentiert.
Kooperation mit Eric Bachmann Fotoarchiv
Eric Bachmann (1940-2019) hat zuerst als fest angestellter, ab 1962 als freier Fotograf für das Schweizer Fernsehen gearbeitet und TV-Persönlichkeiten wie Heidi Abel fotografisch begleitet. Mit der neuen Publikation und Ausstellung wird ein bedeutender Teil seines fotografischen Schaffens erstmals einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.











