US-Anleihen verlieren trotz Rekord-Renditen ihre Käufer
Trotz historischer Zinsen von über 5 Prozent floppt Auktion um Auktion. Das globale Vertrauen in US-Anleihen bröckelt – und das hat mehrere Gründe.

Die jüngsten Auktionen für 3-, 10- und 30-jährige US-Staatsanleihen stiessen auf ein bemerkenswert unterkühltes Interesse. Dabei zahlen die USA für 30-jährige Papiere über 5 Prozent – ein Niveau, das seit 2007 nicht mehr erreicht wurde.
Die höchsten Zinsen seit zwanzig Jahren hätten Investoren eigentlich anlocken sollen, wie «wallstreet-online» berichtet. Doch statt Begeisterung herrscht an den Märkten Zurückhaltung – und ein wachsendes Misstrauen gegenüber Washingtons Finanzdisziplin.
Ein entscheidender Treiber ist die sogenannte Kriegsinflation, ausgelöst durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten. Steigende Energiepreise infolge des Nahostkonflikts treiben die US-Inflation laut «wallstreet-online» erneut in Richtung der 4-Prozent-Marke.
Märkte wetten auf höhere Zinsen
Die Inflationssorgen haben die Markterwartungen auf den Kopf gestellt: Händler preisen laut «wallstreet-online» nun sogar Fed-Zinserhöhungen ein. Wer eine 30-jährige Anleihe kauft und höhere Zinsen morgen erwartet, verlangt heute eine entsprechend höhere Risikoprämie.
Erschwerend kommt laut «finanznachrichten.de» hinzu, dass Moody's den USA ihre Bestnote entzog und die Kreditwürdigkeit auf «Aa1» herabstufte. Anleiheexperte Benoit Anne von MFS Investment Management warnte, die Herabstufung könne das Interesse internationaler Anleger an US-Anlagen verringern.
Laut Torsten Sløk, Chefvolkswirt bei Apollo Global, zeigen sich diese Befürchtungen bereits in den Zahlen, wie die «Wirtschaftswoche» berichtet. Bei Auktionen 30-jähriger US-Staatsanleihen ist der Anteil ausländischer Bieter zuletzt stark zurückgegangen, was höhere Renditen langfristig wahrscheinlicher macht.
Japan dreht US-Anleihen den Rücken zu
Japan ist laut «wallstreet-online» mit rund einer Billion US-Dollar der grösste ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten. Doch die Bank of Japan strafft ihre Geldpolitik und treibt heimische Anleiherenditen auf den höchsten Stand seit den 1990er-Jahren.
Helaba-Analyst Ulrich Wortberg beobachtet laut «finanzen.net», dass Inflations- und Zinssorgen derzeit eine nachhaltige Erholung am Rentenmarkt verhindern.
Anleiheexperte Arif Husain von T. Rowe Price rechnet laut «Handelsblatt» damit, dass die Rendite zehnjähriger US-Bonds auf 6 Prozent steigt. Das wäre das höchste Niveau seit mehr als einem Vierteljahrhundert – und mit dieser Einschätzung steht er weitgehend allein.
Strukturwandel am Bondmarkt
Die Struktur der Käufer hat sich grundlegend verändert: Statt stabiler Zentralbanken dominieren heute preissensitive Hedgefonds den US-Anleihemarkt. Diese Akteure ziehen ihr Kapital laut «wallstreet-online» beim kleinsten Gegenwind sofort ab, was die Volatilität weiter verschärft.

Dazu kommt ein wachsendes strukturelles Problem: Die jährlichen Zinskosten der USA haben die Marke von einer Billion US-Dollar erreicht. Das Finanzministerium flutet den Markt mit neuen Anleihen, was Angebot und Nachfrage zunehmend aus dem Gleichgewicht bringt.
Arif Husain von T. Rowe Price sagt laut «Handelsblatt», der US-Anleihemarkt gelte als eine Art Herz-Kreislauf-System der globalen Finanzmärkte. Wie das globale Vertrauen in US-Staatsanleihen künftig bewertet wird, dürfte vor allem von Washingtons Umgang mit seiner Schuldenlast abhängen.












