Unicredit lanciert Milliarden-Offerte für Commerzbank

Keystone-SDA
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Deutschland,

Die italienische Grossbank Unicredit treibt mit einem milliardenschweren Übernahmeangebot die Commerzbank vor sich her und will Gespräche am Verhandlungstisch erzwingen. «Unsere Botschaft an die Commerzbank heute ist: Es ist jetzt an der Zeit, zu sprechen», sagte Unicredit-Chef Andrea Orcel am Montag in einer Telefonkonferenz.

Commerzbank
Die Commerzbank in Frankfurt am Main, Deutschland, am Montag, dem 16. März 2026. - keystone

Orcel kündigte an, in den kommenden Wochen einen «konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern» führen zu wollen. Das zielt auf Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sowie die Bundesregierung, die beide eine Übernahme der zweitgrössten deutschen Privatbank weiterhin vehement ablehnen.

Die Commerzbank sieht keine Grundlage für Übernahmegespräche mit ihrem grössten Einzelaktionär. Orlopp kritisierte, die Unicredit lasse im Unklaren, wie eine wertstiftende Transaktion aussehen solle, zudem umfasse das nun angekündigte Angebot «faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre». Auch der Bund bleibt hart: «Eine feindliche Übernahme wäre insbesondere mit Blick darauf, dass die Commerzbank eine systemrelevante Bank ist, nicht akzeptabel», hiess es aus dem Finanzministerium.

In einem freiwilligen Tauschangebot will die Unicredit für sämtliche Commerzbank-Aktien je 0,485 neue Unicredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Damit bewertet die Unicredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro.

Die Unicredit wirbt seit langem um die Commerzbank und ist mit einem direkten Anteil von 26 Prozent grösster Aktionär. Inklusive Finanzinstrumenten kontrolliert die Grossbank mit Sitz in Mailand 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile. Ab 30 Prozent wäre die Unicredit gesetzlich zu einer Übernahmeofferte verpflichtet.

Das Angebot ziele darauf, die rechtlich vorgesehene 30-Prozent-Schwelle zu überwinden. Zugleich betonte die Unicredit, sie erwarte, eine Beteiligung an der Commerzbank von mehr als 30 Prozent zu erreichen, «ohne die Kontrolle zu erlangen».

Das Angebot soll im Mai vorgelegt werden mit einer Annahmefrist von vier Wochen. Bis spätestens 4. Mai will Unicredit an einer ausserordentlichen Hauptversammlung die Zustimmung ihrer Aktionäre für die nötige Kapitalerhöhung einholen. Am 20. Mai findet die Commerzbank-Hauptversammlung statt.

Da die Commerzbank laufend Aktien zurückkauft, erspart sich Unicredit mit dem Manöver, stetig Commerzbank-Aktien verkaufen zu müssen, um unter der 30-Prozent-Schwelle zu bleiben. Mit dem freiwilligen Übernahmeangebot, das einen kleinen Aufschlag vorsieht, hat Orcel die Möglichkeit, weitere Commerzbank-Aktien an der Börse zu kaufen. Ein Pflichtangebot wäre wohl teurer geworden.

Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank. Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentiert, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern grössere Banken.

Die Tür für die Unicredit hatte ausgerechnet die damalige Ampel-Koalition geöffnet mit einem verunglückten Teilausstieg bei der Commerzbank. Orcel nutzte das, um im September 2024 überraschend einzusteigen. Nach und nach baute die Unicredit ihre Beteiligung aus und überholte den deutschen Staat als grössten Commerzbank-Aktionär. Er hatte die Commerzbank in der Finanzkrise mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt und hält noch rund 12 Prozent.

Commerzbank-Chefin Orlopp versucht, die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln zu verteidigen. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und verkündete den Abbau von etwa 3900 Stellen, davon den Grossteil in Deutschland. Orlopp setzt auf den stark gestiegenen Aktienkurs als Abschreckung gegen die Unicredit – offensichtlich ohne Erfolg.

Das Szenario einer Übernahme schürt Ängste in der Belegschaft und bei Arbeitnehmervertretern. So fürchtet Verdi einen Schrumpfkurs, sollten die Italiener die Kontrolle übernehmen – so wie schon bei der Übernahme der HVB durch die Unicredit 2005.

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