Die US-Beteiligungsgesellschaft KKR will Telecom Italia übernehmen. Bei der Übernahme würden aber auch die Schulden des Netzanbieters mitkommen.
Telecom Italia
Die Telecom Italia ist tief verschuldet. (Archivbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der US-Finanzinvestor KKR will sich Telecom Italia (TIM) aneignen.
  • Der grösste italienische Telekommunikationsanbieter soll rund 11 Mia. Euro wert sein.
  • Auch der italienische Staat müsste mit der Übernahme einverstanden sein.

Der US-Finanzinvestor KKR will sich den grössten italienischen Telekommunikationsanbieter Telecom Italia (TIM) einverleiben. KKR bietet den Aktionären je Anteilschein rund 51 Cent. Dadurch wird Telecom Italia mit circa 11 Milliarden Euro bewertet.

Zudem müsste ein neuer Eigentümer auch Schulden von 29 Milliarden Euro mit übernehmen. Die Aktien schossen am Montag um 25 Prozent in die Höhe. Analysten halten einen Bieterwettstreit für möglich.

Staat müsste Übernahme zustimmen

Grossaktionär Vivendi halte das Gebot von KKR nicht für ausreichend. Vivendi hatte für seinen rund 24-prozentigen Anteil im Schnitt 1,07 Euro je Aktie gezahlt. Experten der Bank HSBC glauben daher, dass sich die Franzosen möglicherweise um ein Gegengebot bemühen. Die Analysten der US-Bank Jefferies halten es für möglich, dass Vivendi das KKR-Gebot nicht annimmt.

Einer Übernahme von Telecom Italia durch den amerikanischen Finanzinvestor müsste auch der italienische Staat zustimmen. Der Konzern selbst liess offen, wie er zu dem Vorstoss von KKR steht.

Umsatz von Telecom Italia um ein Fünftel geschrumpft

Nach einer Sitzung des Verwaltungsrates hiess es, KKR wolle sein Vorhaben als «freundlich» verstanden wissen. Ausserdem solle die Zustimmung des Managements gewonnen werden. Die Offerte entspricht einem Aufschlag von knapp 46 Prozent auf den Schlusskurs der Stammaktien vom Freitag. KKR will Telecom Italia von der Börse nehmen.

Die Geschäfte von Telecom Italia laufen seit längerem nicht rund. Der Umsatz ist in den vergangenen fünf Jahren um ein Fünftel geschrumpft. Dafür ist auch der scharfe Wettbewerb mit Rivalen wie Iliad, Vodafone, Wind Tre und der Swisscom-Tochter Fastweb verantwortlich. Unter TIM-Chef Luigi Gubitosi hatte es zuletzt zwei Gewinnwarnungen binnen drei Monaten gegeben, Vivendi will den Manager austauschen.

Kupfernetz muss auf Glasfaser umgestellt werden

Gubitosi hatte KKR bereits 2020 an Bord geholt. Damals hatte der US-Finanzinvestor 1,8 Milliarden Euro für rund 38 Prozent am Unternehmen Fibercop gezahlt.

Die Regierung ist am zügigen Ausbau des Breitbandnetzes in Italien interessiert. Dazu sind Milliarden-Investitionen erforderlich. Das aktuelle Kupfernetz muss auf Glasfaser umgestellt werden.

Dies, damit Datenübertragungsraten möglich sind. Die Regierung liess zunächst offen, wie sie zu KKRs Vorhaben steht. Man beobachte die Entwicklung, hiess es. Ziel der Regierung sei, sicherzustellen, dass jede Übernahme mit dem Ziel eines Breitbandausbaus vereinbar sei.

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