Swiss-CEO: Krisen überlagern und verstärken sich
Die Fluggesellschaft Swiss bekommt die instabile geopolitische Lage in ihrem Flugbetrieb stark zu spüren. Heute überlagerten sich mehrere Krisen und verstärkten sich gegenseitig, sagte Swiss-CEO Jens Fehlinger in einem am Mittwoch publizierten Interview mit der Online-Plattform «Persönlich».

Am deutlichsten spüre die Swiss im Flugbetrieb den Nahostkonflikt. «Gesperrte Lufträume zwingen uns zu grossen Umwegen und laufenden Anpassungen», so Fehlinger. Asien erreiche die Fluggesellschaft nur noch über zwei Korridore oder den Nordpol. Dazu komme der gesperrte Luftraum über Russland und der Ukraine: «Das führt zu deutlich längeren Flugzeiten, was auch unsere Gäste leider spüren.»
Dazu komme der Ölpreis, der den Kerosinpreis direkt beeinflusse: «Seit Ausbruch des Krieges hat er sich zeitweise nahezu verdoppelt.» Den Einfluss habe die Gesellschaft bereits im Halbjahresergebnis gesehen. «Nach heutigem Stand dürfte sich dieser Effekt auch im Jahresergebnis deutlich zeigen.»
Früher sei etwa «alle sieben Jahre» eine grosse Erschütterung aufgetreten – etwa SARS, die Finanzkrise oder die Pandemie, sagte Fehlinger. Heute sei das anders. «Wie sehr sich das verändert hat, zeigt auch die Zahl unserer Taskforces und Krisenstäbe in den vergangenen Jahren.»
Auch das extreme Wetter im Sommer stellte die Swiss vor Herausforderungen. Neben den sehr hohen Temperaturen sei es immer wieder zu starken Gewittern und Unwettern gekommen, erinnerte Fehlinger. «Wenn Gewitter Lufträume blockieren oder Abläufe an Flughäfen beeinträchtigen, wirkt sich das schnell auf das gesamte System aus.»
Erfreut zeigte sich der Swiss-CEO über den Entscheid des Zürcher Kantonsrats, die Nachtregelung nicht weiter einzuschränken. Er müsse aber ehrlich sagen: «Das ist kein Rückschritt, aber eben auch noch kein Fortschritt.» Der Flughafen Zürich gehöre bei den Betriebszeiten und den regulatorischen Vorgaben zu den am stärksten eingeschränkten Flughäfen Europas, betonte er.
Er wünsche sich eine breitere Diskussion über die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens. «Wenn Zürich auch künftig ein starker Hub bleiben und mit der Nachfrage wachsen soll, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, und es darf nicht immer weiter eingeschränkt werden.» Ein starker Hub Zürich sichere die internationale Anbindung der Schweiz und stärke den Wirtschaftsstandort.
Die Swiss werde eine «starke und eigenständige Airline» bleiben, versicherte Fehlinger derweil. Mit der Muttergesellschaft Lufthansa arbeite man zusammen, wo es Sinn mache und Synergien schaffe. Das betreffe etwa die Flugbuchung wie auch die Treibstoffbeschaffung.






