Schweizer Technologie: Raumfahrt wird zum Milliardenmarkt
Günstigere Raketenstarts verändern die Raumfahrt. Davon können Schweizer Unternehmen profitieren – müssen sich aber auf einen härteren Wettbewerb einstellen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die weltweite Weltraumwirtschaft setzte 2025 rund 626 Milliarden Dollar um.
- Günstigere Starts ermöglichen neue Geschäftsmodelle und verändern den Satellitenbau.
- An den von Swiss Engineering organisierten Tagen der Technik diskutierten Fachleute.
Raumfahrt war lange ein Geschäft von Staaten und wenigen grossen Unternehmen. Satelliten wurden für einzelne Missionen entwickelt, waren teuer und sollten möglichst lange funktionieren. Doch dieses Modell verändert sich.
Beim sogenannten New Space spielen private Unternehmen und kommerzielle Anwendungen eine grössere Rolle. Gleichzeitig sinken die Kosten für den Zugang zum Weltraum. An den von Swiss Engineering organisierten Tagen der Technik in Lausanne und Dübendorf diskutierten Fachleute aus Forschung, Industrie und Behörden in der vergangenen Woche, was dieser Wandel für die Schweizer Raumfahrtbranche bedeutet.
Satelliten müssen nur noch «gut genug» sein
Besonders sichtbar wird die Veränderung bei Satelliten. Für neue Kommunikationsnetze werden teilweise Konstellationen aus Tausenden kleinen Satelliten aufgebaut. Statt wenige grosse und teure Einzelstücke zu entwickeln, werden kleinere Systeme in hohen Stückzahlen produziert.
David Blum aus der Raumfahrtabteilung des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation verglich den klassischen Satellitenbau deshalb mit «Haute Couture». Im New Space sei diese immer seltener gefragt. Satelliten müssten für ihre Aufgabe vor allem «gut genug» sein. Für die Hersteller bedeutet das: Standardisierung und industrielle Fertigung werden wichtiger.
Schweizer Technik in Hunderten Satelliten
Wie sich Schweizer Unternehmen darauf einstellen, zeigt Beyond Gravity. Das Unternehmen setzt stärker auf standardisierte Komponenten und automatisierte Produktionsverfahren. Für die Kommunikationssatelliten des OneWeb-Netzwerks hat das Zürcher Raumfahrtunternehmen beispielsweise bereits mehr als 750 Gehäuse geliefert. Auch
Mechanismen, mit denen Solargeneratoren von Satelliten ausgerichtet werden, gehören zum Geschäft.
Der Markt wächst: Die weltweite Weltraumwirtschaft erreichte 2025 ein Volumen von rund 626 Milliarden Dollar. Bis 2034 könnte sie Schätzungen zufolge auf etwa eine Billion Dollar anwachsen.
Start-ups allein reichen nicht
New Space bedeutet allerdings nicht, dass etablierte Raumfahrtunternehmen verschwinden. Fachleute an den Tagen der Technik betonten vielmehr das Zusammenspiel zwischen Start-ups, Industrie und Forschung.
Für die Schweiz spielt dabei auch die Mitgliedschaft in der Europäischen Weltraumorganisation ESA eine wichtige Rolle. Sie verschafft Schweizer Unternehmen und Forschungseinrichtungen Zugang zu internationalen Missionen und einem deutlich grösseren Markt. Neue Unternehmen können gleichzeitig von der Erfahrung der etablierten Raumfahrtindustrie profitieren.
Europa soll unabhängiger werden
In Lausanne blickte auch Claude Nicollier, bislang der einzige Schweizer im Weltall, in die Zukunft. Nach dem Ende der Internationalen Raumstation ISS könnten nach seiner Einschätzung kürzere bemannte Raumflüge an Bedeutung gewinnen. Auch der Schweizer ESA-Astronaut Marco Sieber könnte im Rahmen solcher Missionen ins All fliegen.
Nicollier sprach sich zudem dafür aus, dass Europa langfristig unabhängiger wird. Derzeit ist Europa beim Transport von Astronauten in den erdnahen Orbit auf nicht-europäische Staaten angewiesen. Diese Abhängigkeit sollte nach seiner Ansicht verringert werden.













