Roche schlägt mit Lungenkrebsmittel Divarasib Konkurrenzpräparate
Roche hat mit seinem Lungenkrebs-Kandidaten Divarasib einen Forschungserfolg erzielt. In einer zulassungsrelevanten Studie hat der experimentelle Wirkstoff besser abgeschnitten als bereits zugelassene Vergleichspräparate.

Das Medikament verlängerte bei Patienten mit einer bestimmten Genmutation im Lungenkrebs sowohl das progressionsfreie Überleben als auch das Gesamtüberleben, wie der Pharmakonzern am Donnerstag mitteilte. Laut Roche waren diese Ergebnisse klinisch und statistisch signifikant. Die Ergebnisse stammen aus einer globalen Phase-III-Studie mit 338 Patienten.
Konkret wurde Divarasib mit den bereits zugelassenen Wirkstoffen Sotorasib und Adagrasib bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs verglichen, deren Krebs nach einer Vorbehandlung weiter fortgeschritten war. Dabei handelt es sich um Patienten mit einer sogenannten KRAS-G12C-Mutation, die bei rund 14 Prozent aller nicht-kleinzelligen Lungenkrebsfälle vorkommt.
KRAS gilt als eines der bedeutendsten Angriffsziele der modernen Krebsforschung, wie Stefan Frings, Deputy Chief Medical Officer bei Roche, gegenüber der Nachrichtenagentur AWP ausführte. «Das Gen ist an der Entstehung zahlreicher Tumorarten beteiligt und zählt zu den am häufigsten mutierten Onkogenen überhaupt.» Gleichzeitig galt das von ihm produzierte Protein jahrzehntelang als «undruggable», also mit Medikamenten praktisch nicht angreifbar.
«Der Grund: Seine glatte Oberfläche bot keine geeigneten Bindungsstellen für klassische Wirkstoffe», erklärte der Experte weiter. KRAS steuere als molekularer Schalter das Zellwachstum. «Ist das Gen mutiert, bleibt das Protein dauerhaft aktiviert und sendet kontinuierlich Wachstumssignale aus.»
Die Folge sei ein unkontrolliertes Tumorwachstum. «Besonders die Mutation KRAS G12C spielt bei verschiedenen Krebsarten eine wichtige Rolle.» Mutationen im KRAS-Gen finden sich dem Experten nach unter anderem bei Lungen-, Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Laut Frings gelang es Forschern erst in den vergangenen Jahren, gezielt Wirkstoffe gegen KRAS G12C zu entwickeln. «Dieser wissenschaftliche Durchbruch hat einen intensiven Wettbewerb ausgelöst: Zahlreiche Pharmaunternehmen arbeiten inzwischen an immer wirksameren und selektiveren KRAS-Hemmern sowie an Medikamenten gegen weitere KRAS-Mutationen.» Entsprechend zähle KRAS heute zu den dynamischsten und strategisch wichtigsten Forschungsgebieten der Onkologie.
Roche will die Studiendaten nun bei den Zulassungsbehörden einreichen und auf einem bevorstehenden medizinischen Fachkongress präsentieren. Divarasib befindet sich derzeit noch in der klinischen Entwicklung und ist bislang nicht zugelassen. Laut Roche wird der Wirkstoff auch bei anderen Tumorarten wie beispielsweise Darmkrebs getestet.










