Die Organisation Bürgerbewegung Finanzwende fordert den sofortigen Stopp der Facebook-Währung Libra.
Facebook-Logo auf dem Display eines Smartphones
Facebook-Logo auf dem Display eines Smartphones - AFP/Archiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • Verknüpfung von Nutzer- mit Zahlungsdaten schaffe «viel zu grosse Abhängigkeit».

Die EU müsse Libra verbieten, noch bevor die private Währung auf den Markt komme, heisst es in einem Appell von Finanzwende und der Organisation Finance Watch. Facebook plane mit der Libra-Einführung «einen Angriff auf unser Währungssystem und unsere individuelle Freiheit», kritisieren die Organisationen. Sie warnen insbesondere vor der Datenverknüpfung.

Facebook will Libra im kommenden Jahr einführen. Der US-Konzern verspricht den mehr als zwei Milliarden Nutzern seiner Plattformen, das Einkaufen und Geldüberweisen im Internet werde dadurch so einfach wie das Versenden einer Textnachricht.

«Einmal eingeführt, liesse sich Libra kaum mehr stoppen», heisst es in dem am Dienstag veröffentlichten Appell der Organisationen weiter. Kritische Äusserungen und ein bisschen Regulierung reichten daher nicht. Ihr Appell richtet sich an die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank.

Finanzwende begründet die Forderung nach einem Verbot von Libra mit vier Punkten. Einer ist der Datenschutz: Kämen Zahlungsdaten zu den von Facebook gesammelten Daten seiner Nutzer hinzu, entstehe eine «viel zu grosse Abhängigkeit», erläuterte die Organisation in Berlin. Zudem verwies sie auf den Verbraucherschutz. Libra sei für die Nutzer keineswegs sicher: «Im Krisenfall könnten die privaten Träger einfach aussteigen.»

Libra könne sich auch zu einem «völlig unkontrollierbaren Geldmonopol entwickeln», warnte Finanzwende. Facebook wäre mit der Währung ein Spieler im Finanzsystem, der zu gross und mächtig wäre, um scheitern zu dürfen. «Am Ende trägt dann wie im Finanzbereich so oft die Bevölkerung die Haftung.»

Die Bürgerbewegung Finanzwende hat der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick gegründet. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen und sich für ein nachhaltiges und stabiles Finanzsystem einzusetzen, das die Interessen von Privatpersonen schützt.

Laut einer aktuellen Umfrage von Finanzwende sehen mehr als zwei Drittel der Deutschen (71 Prozent) Libra skeptisch, nur zwölf Prozent der Befragten sehen etwas Positives darin. Das Vertrauen in private Grossunternehmen bei der Herausgabe von Währungen ist demnach mit vier Prozent sehr gering. Eine knappe Mehrheit der Anfang Juli befragten rund 2100 Deutschen über 18 Jahre sagte ausserdem, der Einfluss von Facebook sei bereits heute problematisch.

Die «Washington Post» berichtete am Montag, Libra rufe schon vor dem Start Betrüger auf den Plan. Dutzende gefälschte Profile auf Facebook und Instagram sowie anderen Internetseiten böten Libra-Einheiten zum Kauf an. Manche gefälschte Facebook-Profile verwenden laut Bericht das offizielle Logo des sozialen Netzwerks sowie Fotos von Konzernchef Mark Zuckerberg, um Legitimität vorzutäuschen.

Nach Hinweisen der Zeitung löschte Facebook nach eigenen Angaben diverse Fake-Accounts. Die Betrügereien kommen für den Konzern zur Unzeit, da es von Politikern und Finanzaufsehern ohnehin schon grosse Bedenken gegen die geplante Währung gibt. So beschlossen vergangene Woche die G7-Finanzminister, Libra genau unter die Lupe zu nehmen.

Der ehemalige Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte in der «Passauer Neuen Presse», wer sein Geld in Libra anlege, habe keinen Anspruch gegen Facebook. Das sei für den Konzern ein «fantastisches Geschäftsmodell»: Er gebe wertloses Spielgeld aus und bekomme dafür gutes Geld. Bofinger sagte weiter, er halte es für unrealistisch, dass das Projekt von den Aufsichtsbehörden akzeptiert werde.

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