Die Omikron-Variante könnte die Konjunktur in Deutschland stärker dämpfen als bisher von der Bundesbank erwartet. Sollten diese oder andere Corona-Mutanten zu weiteren Einschränkungen für die Wirtschaft führen, könnte das den privaten Konsum bremsen, teilte die Notenbank am Montag zu einer Risikoeinschätzung in ihrem Monatsbericht mit.
Bankentürme in Frankfurt am Main
Bankentürme in Frankfurt am Main - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Zudem würde eine schwächere Weltwirtschaft die deutschen Exporte und die Investitionen belasten.

Ferner könnten zusätzliche pandemiebedingte Störungen in den globalen Wertschöpfungs- und Logistikketten die Lieferprobleme noch verschärfen. «Insgesamt könnte die Wirtschaft in einem solchen ungünstigen Szenario einen grösseren Rückschlag erleiden.»

Die Bundesbank hatte erst am Freitag ihre halbjährliche Konjunkturschätzung aktualisiert. Die Ökonomen betonten aber, dass es zum Zeitpunkt der Prognoseerstellung noch kaum Informationen über die Virus-Variante Omikron gab. «Aufgrund des gegenwärtigen Infektionsgeschehens könnte es zu einem stärkeren wirtschaftlichen Rückschlag kommen als in der Projektion unterstellt.»

Hier hatte die Bundesbank ihre Schätzung beim kalenderbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2021 auf 2,5 (bisher 3,7 Prozent) und für 2022 auf 4,2 (Juni-Prognose: 5,2) Prozent gesenkt. «Der Aufschwung verschiebt sich zeitlich etwas nach hinten», hatte der scheidende Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zur neuen Prognose erklärt. Sein Nachfolger soll der ehemalige Bundesbankvorstand Joachim Nagel (55) werden.

Die Bundesbank hat Pläne der neuen Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP bisher nicht in ihrer Prognose berücksichtigt, weil diese noch zu unkonkret seien. «Insgesamt ist aber vor allem ab 2023 ein deutlicher Nachfragestimulus zu erwarten.» Zum einen könnte der verstärkte Klimaschutz «beträchtliche zusätzliche private Investitionen» auslösen. Die geplante Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro könnte sich auf das Lohnwachstum und damit auch auf die Inflation auswirken. «Das Gesamtpaket dürfte daher sowohl den Wirtschaftsaufschwung als auch den Preisanstieg tendenziell stärken.»

Den Inflationsausblick bezeichnete die Bundesbank als besonders unsicher. Noch zeichneten sich zwar kaum sogenannte Zweitrundeneffekte ab, erklärten die Notenbank-Experten. Sie betonten aber auch: «Je länger die hohen Teuerungsraten anhalten, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie stärker in die Lohnabschlüsse einfliessen.»

In ihrer Prognose erwartet die Bundesbank 2021 im Schnitt eine - nach einheitlichem EU-Standard berechnete - Inflationsrate von 3,2 (bisherige Prognose: 2,6) Prozent. Im nächsten Jahr dürften die Lebenshaltungskosten um 3,6 Prozent anziehen und damit doppelt so stark wie noch im Juni erwartet. Nach dieser Berechung (HVPI) lag die Inflation im November 2021 sogar bei 6,0 Prozent. Nach der gängigen Berechnung (VPI) betrug die Rate 5,2 Prozent und war damit so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

Mehr zum Thema:

Inflation Coronavirus Euro SPD EU