Ökonomen bleiben trotz neuer US-Zölle gelassen

Keystone-SDA
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Zürich,

Die neuen US-Zölle sorgen unter Ökonomen zwar für zusätzliche Unsicherheit, unmittelbare gravierende Folgen für die Schweizer Wirtschaft erwarten sie aber nicht. Exportorientierte Unternehmen dürften die Belastung dank ihrer Marktstellung vielfach an die Kunden weitergeben. Längerfristig könnten die Zölle allerdings Investitionen und Lieferketten beeinflussen.

US-Zölle
Ökonomen erwarten durch die neuen US-Zölle keine gravierenden Auswirkungen für die Schweizer Wirtschaft. - keystone

VONTOBEL (Jean-Philippe Bertschy): Die Massnahme sorgt für zusätzliche Unsicherheit angesichts der ohnehin schon erhöhten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Auch wenn dies ein weiterer negativer Faktor ist, handelt es sich nicht um den ersten Schock dieser Art, und der Markt könnte sich allmählich daran gewöhnen. Wir bleiben in hochwertigen Schweizer Unternehmen mit soliden Bilanzen und stabiler Cash-Generierung investiert. Vor dem Hintergrund tarifbedingter Schwankungen sind diese Unternehmen nach wie vor am besten aufgestellt, um Volatilität abzufedern und über den gesamten Konjunkturzyklus hinweg weiterhin Wertzuwächse zu erzielen.

ODDO BHF (Arthur Jurus): Obwohl die Schweiz weiterhin Gegenstand von Untersuchungen nach «Section 301» ist, profitiert sie gleichzeitig von branchenspezifischen Vereinbarungen, insbesondere im Pharmasektor. Diese differenzierte Behandlung zeigt, dass Washington nicht mehr allein auf eine generelle Erhöhung der Zölle setzt. Vielmehr werden Zölle zunehmend als Verhandlungsinstrument eingesetzt, um strategische Industrien zu schützen und gleichzeitig Lieferketten zu erhalten, die für die amerikanische Wirtschaft als unverzichtbar gelten. Damit wird die Berechenbarkeit des Zollregimes nahezu ebenso wichtig wie dessen tatsächliche Höhe – ein entscheidender Faktor insbesondere für exportorientierte Schweizer Unternehmen.

CITÉ GESTION (John Plassard): Im Gegensatz zu Section 122, die auf 150 Tage begrenzt ist, ermöglicht Section 301 die Aufrechterhaltung dieser Zölle über Jahre hinweg, wobei nach vier Jahren lediglich eine Überprüfung stattfindet. (...) Für Schweizer Unternehmen bedeutet dies, dass diese Mehrkosten möglicherweise nicht mehr als vorübergehend, sondern als neue strukturelle Gegebenheit des US-Marktes wahrgenommen werden könnten. Exportkonzerne könnten daher veranlasst werden, ihre Preispolitik, ihre Margen oder auch ihre Investitionen für den US-Markt zu überdenken. Allgemeiner betrachtet erhöht diese Entscheidung die Unsicherheit für die Schweizer Wirtschaft, deren Wachstum zu einem grossen Teil auf ihren Exporten mit hoher Wertschöpfung beruht.

BERENBERG (Patrick Laager): Ich habe grossen Respekt vor den Schweizer Unternehmen, die sich in diesem zunehmend unvorhersehbaren politischen Umfeld behaupten müssen. Glücklicherweise sind viele von ihnen in hochspezialisierten Nischen tätig (wie beispielsweise Belimo, die VAT Group und Accelleron), in denen die Kunden kaum Alternativen haben. Das verschafft ihnen Preissetzungsmacht, was bedeutet, dass ein erheblicher Teil dieser Zölle wahrscheinlich weitergegeben wird. Letztendlich könnte die grösste Auswirkung einfach darin bestehen, dass US-Kunden mehr für Schweizer Produkte bezahlen.

Kommentare

User #1330 (nicht angemeldet)

Mit Trump kommen die Amis unter die Räder.

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