KOF-Ökonom: KI könnte Forschungsqualität neu definieren

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    Zürich,

    Künstliche Intelligenz verändert die Forschung grundlegend. Viele bisher aufwendige Arbeitsschritte lassen sich bereits heute automatisieren, wie KOF-Ökonom Michael Siegenthaler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP sagt.

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    KOF-Ökonom: KI könnte Forschungsqualität neu definieren. - keystone

    «Ich bin dank KI deutlich effizienter geworden», so Siegenthaler. Er setze in seiner Forschung unter anderem KI-Agenten ein, die Programmieraufgaben, statistische Auswertungen oder Datenvisualisierungen übernehmen könnten. Die Resultate müsse er zwar weiterhin überprüfen, mittlerweile könne er aber «meistens darauf vertrauen, dass sie korrekt sind».

    Besonders stark sei die Neuorientierung aktuell in der Mathematik, da KI zunehmend auch formale Beweise herleiten könne. Sollte die Technologie in zehn Jahren die kognitiven Fähigkeiten von Menschen übertreffen, stelle sich die Frage nach dem künftigen Stellenwert menschlicher Expertise. «Ich bin nicht sicher, ob man sich in der Gesellschaft noch an Expertinnen und Experten richtet oder irgendwann einfach der KI vertraut», sagt Siegenthaler.

    Ob es deshalb weniger Forschende brauche, sei offen. Wenn Forschung dank KI günstiger werde, könne auch mehr geforscht werden. Gefragt seien dann vor allem Leute, die gute Fragen stellen und Resultate kritisch einordnen könnten.

    Weniger stark exponiert sieht der Ökonom Fächer wie Philosophie, Geschichte oder qualitativ arbeitende Sozialwissenschaften. Dort gehe es stärker um menschliche Prozesse und häufig gebe es keine eindeutigen Wahrheiten. «Wenn die Einbettung in soziale und kulturelle Prozesse zentral ist, stösst KI eher an Grenzen», sagt er.

    Auch die wissenschaftlichen Publikationsregeln könnten sich durch KI verändern. Der Grundsatz «Publish or Perish», wonach Forschende möglichst viele wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichen müssen, dürfte an Bedeutung verlieren. Wenn KI bestimmte Forschungsfragen auf Knopfdruck bearbeiten könne, sage die Zahl der Publikationen weniger über die Qualität aus.

    Gefragt bleiben dürften innovative Forschungsansätze, die KI nicht ohne menschliches Zutun erledigen kann, etwa umfangreiche Feldexperimente mit neu erhobenen Daten. «Was künftig als gute Forschung gilt, wird sich in den kommenden zehn Jahren wohl verändern», sagt Siegenthaler.

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