Gibt es bald das ganze Jahr Grittibänze und Schoggihasen?
Von Halloween- bis zu Fasnachtsgebäck: In den Supermärkten lösen sich die Feiertagsgrenzen langsam auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Halloween-Guetzli konkurrenzieren im Oktober mit Magenbrot, Grittibänzen und Schenkeli.
- Coop und Migros behaupten, dass der Zeitpunkt der Angebote einem Bedürfnis entspreche.
- Ein Konsumforscher hält für möglich, dass der Abstand zwischen den Saisons noch kleiner wird.
In Schweizer Supermärkten fallen gerade verschiedene Feiertage zusammen. Halloween-Guetzli und Chlaussäckli bietet die Migros in einem Regal in der Filiale im Bahnhof Bern an.
Aber auch die Produkte, die der Samichlaus am sechsten Dezember mitbringt, bekommen schon Konkurrenz.
Fünf verschiedene Sorten Grittibänze liegen in der Backwarenauslage. Im obersten Fach können Kundinnen und Kunden zu einem «Adventsstern» greifen. Und: Das süsse Gebäck könnte auch bereits als Dreikönigskuchen durchgehen.
Bei der Migros hiess es denn auch: Geschmacklich gebe es kaum Unterschiede. «Der Adventsstern hat eine andere Form als der Königskuchen, der passend zur Weihnachtszeit ist.»
«Man hätte gar nicht genügend Regalfläche»
Im Coop in Feldmeilen ZH können die Kundinnen und Kunden gleich Halloween, Samichlaus, Weihnachten, Chilbi und Fasnacht feiern.
So bietet eine Auslage auch noch Magenbrot, «Herbstchüechli», Schaumzuckererdbeeren – und Schenkeli an. Es fehlen demnach nur noch die Schoggihasen für Ostern. Diese stehen aber auch bereits im Februar in den Regalen.
Die Übergänge zwischen den Saisons werden in den Supermärkten immer kürzer. Geht der Trend in Richtung Auflösung der Saisons?
«Wahrscheinlich nicht, dazu hätte man gar nicht genügend Regalfläche in den Läden», sagt Gianluca Scheidegger zu Nau.ch. Er ist Konsumforscher am Gottlieb Duttweiler Institut. «Und saisonale Produkte ziehen ja genau ihren Wert aus der Knappheit und der Vorfreude.»
«Können früher starten»
Möglich ist aber, dass der Abstand zwischen den Saisons noch kleiner wird.
«Saisonale Produkte werden eher gestaffelt, wie wir es bereits heute sehen», sagt Gianluca Scheidegger. «Einzelne saisonale Produkte, wie haltbare Lebensmittel und Geschenkartikel, können früher starten.»
Weitere, eher atmosphärische Komponenten wie Weihnachtsmusik oder Dekoration im Laden starteten später, sagt der Konsumforscher.
«Wenn die Kundinnen und Kunden emotional bereit dafür sind.» Dies passiere meist erst, wenn es draussen kälter werde und die Tage kürzer würden.
«Trägt zur Vorfreude auf die Feiertage bei»
Bei Coop sind klassische Weihnachtsprodukte immer in der gleichen Kalenderwoche ab Ende Oktober oder Anfang November erhältlich.
Dazu zählen Samichläuse, Adventskalender und Weihnachtsguetzli. «Dies hat sich in den letzten Jahren grundsätzlich nicht geändert», sagt Coop-Mediensprecherin Laura Beugger.

Die Zeiträume der jeweiligen Feiertagssortimente seien grundsätzlich jedes Jahr gleich, sagt Beugger. «Derzeit ist es nicht vorgesehen, alle Feiertagssortimente über das ganze Jahr anzubieten.»
Trotz des Festtagsmixes heisst es: Coop sei es wichtig, die Besonderheit und emotionale Bedeutung der jeweiligen Feiertage zu bewahren.
«Schliesslich trägt die zeitlich begrenzte Verfügbarkeit jeweils zur Vorfreude auf die Feiertage bei.» Und mache sie für die Kundinnen und Kunden besonders.
Blutige Zombie-Kostüme und Marzipan-Samichläuse
Bei der Migros kommen die ersten Artikel rund um die Festtage schrittweise zwischen Mitte und Ende Oktober in die Läden.
Dies sei seit vielen Jahren der Fall, sagt Mediensprecher Tristan Cerf. Anschliessend werde das Angebot mit Blick auf die Adventszeit laufend ausgebaut.
Cerf macht darauf aufmerksam, dass Halloween erst in jüngerer Zeit Einzug in die Gewohnheiten eines Teils ihrer Kundschaft gehalten habe. «Und sich damit in die Zeit vor den Festtagen eingefügt hat.»
Das Halloween-Sortiment lasse sich in keiner Weise mit dem Umfang des Festtagsangebots vergleichen, sagt Cerf. Die Festtage blieben die umsatzstärkste Zeit des Jahres. «Blutige Zombie-Kostüme und Marzipan-Samichläuse können deshalb problemlos eine kurze Zeit lang nebeneinander bestehen.»
«Niemand muss im Oktober einen Plüsch-‹Finn› kaufen»
Ob Weihnachten oder Ostern – jedes Jahr staunen oder regen sich Kunden über das «viel zu frühe» Angebot auf.
Die Grossverteiler behaupten, dass der Zeitpunkt der Angebote einem Bedürfnis entspreche. «So können sie ihre Festtage in Ruhe planen», heisst es bei Coop. Auch könnten sie ihre Einkäufe über einen längeren Zeitraum verteilen.
Viele ihrer Kundinnen und Kunden schätzen es, die Festtage frühzeitig vorbereiten zu können, sagt der Migros-Mediensprecher.

Laut Tristan Cerf erhält die Migros jedoch jedes Jahr auch «einzelne entsprechende Rückmeldungen» wegen der Angebote bereits im Oktober.
Ihr Angebot bleibe aber vollständig, sagt Cerf. «Und niemand muss im Oktober einen Plüsch-«Finn» kaufen, wenn er oder sie das nicht möchte.» Bei Finn handelt es sich um den Wichtel der Migros-Weihnachtsspots.
Kundschaft solle von sinkenden Kosten profitieren
Konsumforscher Gianluca Scheidegger stimmt teilweise zu.
«Der frühe Start nützt allen Beteiligten, und das macht ihn so stabil», sagt er. Hersteller könnten ihre Produktion über mehr Wochen verteilen. Die Logistik werde einfacher, Nachfragespitzen würden geglättet und Lager- und Transportkosten sänken.
«Im besten Fall geben die Unternehmen diese Effizienzgewinne an die Kundschaft weiter, sodass am Ende alle profitieren.» Dies sei nicht nur Kommerz, sondern auch funktionierende Marktkoordination.
Beim frühen Start geht es laut Scheidegger aber nicht nur darum, insgesamt mehr saisonale Ware zu verkaufen. «Man möchte die saisonalen Budgets der Konsumentinnen und Konsumenten relativ früh abgreifen.»
In einem Laden könne man sich schon im Oktober mit Weihnachtsgeschenken oder im Februar mit Osterhasen eindecken. «Dann kauft man nicht mehr bei der Konkurrenz, die erst Wochen später startet.» Das Gesamtbudget der Kundschaft wachse dadurch kaum. «Es wird nur früher und womöglich anderswo ausgegeben.»
Die Folge: «Startet ein Händler früher, muss der Rest nachziehen, sonst verliert er Marktanteile.» Am Ende starteten alle früh, und der Vorsprung sei weg. «Niemand möchte der Letzte sein.»













