Der Leiter der Konjunktur-Forschungsstelle KOF gibt trotz jüngster Abschwächungstendenzen in der Weltwirtschaft Entwarnung. «Der Konjunkturausblick hat sich schon etwas eingetrübt. Aber man muss vorsichtig sein und jetzt nicht schwarzmalen», sagte Jan-Egbert Sturm im Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» (online, Ausgabe 28.8.).
Jan-Egbert Sturm
KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm spricht an einer Medienkonferenz: Sein Institut hat eine Befragung zur Konjunktur durchgeführt (Archivbild). - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Lage sei nicht vergleichbar mit der ersten und der zweiten Welle der Pandemie.

«Die Wirtschaft verliert an Geschwindigkeit, aber sie wird weiter wachsen», so Sturm. Es drohten auch keine Lockdowns wie in der Vergangenheit mehr.

Dass der deutsche Ifo-Index im August ein weiteres Mal deutlich nachgegeben hat, muss für Sturm auch nicht als Warnsignal für die Schweiz interpretiert werden. Dem Rückgang sei ein sehr starker Anstieg des Indikators vorausgegangen. «Ich würde daher eher von einer Normalisierung sprechen - und das auf einem immer noch hohen Niveau», so Sturm wörtlich. Auf einem historisch überdurchschnittlichen Niveau sehe man jetzt einen Rückgang. Die Werte würden aber immer noch darauf hindeuten, dass sich das globale Wirtschaftswachstum fortsetze. «Das kann man auch für die Schweiz erwarten», sagte der KOF-Leiter.

Bei den Gefahren von der Delta-Variante müsse man derweil unterscheiden zwischen den Auswirkungen der Pandemie einerseits auf die Gesellschaft sowie die allgemeine Gesundheit und anderseits auf die Wirtschaft. Die beiden Aspekte seien nicht mehr so eng verknüpft wie im letzten Jahr. «Die Wirtschaft hat im Grossen und Ganzen gelernt, mit der Pandemie und mit den Regeln umzugehen».

Dass dies so schnell gehen würde, «haben wir Prognostiker unterschätzt». Man sei davon ausgegangen, dass die Effekte auf die Wirtschaft in der zweiten und der dritten Welle stärker sein würden, als es tatsächlich der Fall gewesen sei. «Jetzt sind wir recht zuversichtlich angesichts der fast überall vollen Auftragsbücher. Hoffentlich unterläuft uns nun nicht der umgekehrte Fehler», so Sturm.

Auch bezüglich Inflation sieht der oberste KOF-Ökonom keine grossen Gefahren. «Weltweit haben die Preise zwar angezogen, und das hat auch hierzulande die Produzentenpreise steigen lassen. Aber der Anstieg der Konsumentenpreise ist gering», sagte er. Entsprechend geht er davon aus, dass die Schweiz «in den kommenden zwei, drei Jahren» noch Negativzinsen haben wird.

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