Kakao und Kinderarbeit: So transparent sind die Schokoladenfirmen
Ostern ist Schoggizeit. Hinter manchen süssen Hasen steckt aber noch immer Kinderarbeit. Schweizer Schokoladenhersteller schneiden in einem Transparenz-Ranking unterschiedlich ab.

Es ist eines der ältesten Probleme im Kakaosektor: Kinderarbeit auf Plantagen. Die Minderjährigen hantieren mit Macheten und Chemikalien, klettern auf Bäume und tragen schwere Säcke.
Trotz jahrzehntelanger Programme gegen Kinderarbeit arbeiten laut dem globalen NGO-Netzwerk Voice weiterhin schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder auf Plantagen in Ghana und Côte d'Ivoire, den beiden grössten Kakaoproduzenten der Welt.
«Mit dem Thema Kinderarbeit beschäftigt sich der Sektor schon seit 25 Jahren», sagt Andrea Hüsser, Mitgründerin und Geschäftsleiterin des Good Chocolate Hub im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Sie setzt sich für fair produzierte Schokolade ein. «Die Branche hat noch keinen systematischen Weg gefunden, das Problem anzugehen», meint sie.
Die Kinderarbeit habe sich bisher nicht wesentlich reduziert, allerdings gebe es heute deutlich mehr Transparenz. «Die Unternehmen überwachen ihre Lieferkette besser und setzen Hilfsprojekte vor Ort um», erklärt Hüsser. Immer mehr Konzerne seien zudem bereit, das Problem öffentlich anzuerkennen – auch wenn sie damit Kritik riskieren.
Diese Offenheit zeigt sich in der «Chocolate Scorecard», einer internationalen Branchenstudie, die von NGOs und Universitäten durchgeführt wird. Bei der letztjährigen Ausgabe reichten 82 Prozent der Schokoladenproduzenten ihre Daten zu Kinderarbeit ein, gegenüber 58 Prozent und 45 Prozent in den beiden Vorjahren.
Die Studie wertet jährlich die Fortschritte von Schokoladenunternehmen in sechs sozialen und ökologischen Bereichen aus. Bewertet werden etwa die Transparenz der Lieferketten, die Vermeidung von Kinderarbeit und Abholzung sowie der Umgang mit Pestiziden. In der letzten Ausgabe nahmen 39 grosse Schokoladenhersteller mit einem Einkaufsvolumen von je mehr als 1000 Tonnen teil.
Von den Schweizer Unternehmen schneidet Halba am besten ab. Die Coop-Tochter erreicht im Ranking den zweiten Platz – besser ist nur der niederländische Produzent Tony's Chocolonely. Halba setzt sich laut eigenen Angaben seit über 15 Jahren für eine faire Beschaffung und einen umweltschonenden Anbau ein.
Einen guten Platz erhält mit Rang 5 auch Nestlé mit Marken wie Cailler. Der Schokoladenriese ist besonders bei der Rückverfolgbarkeit der Bohnen und der Bekämpfung von Kinderarbeit weit fortgeschritten. Dazu hilft ein Programm, in dem Bauern Bargeld erhalten, wenn sie ihre Kinder in die Schule schicken.
Der Goldhasen-Produzent Lindt & Sprüngli landet auf Platz 13. «Uns ist bewusst, dass wir uns in den Bereichen existenzsicherndes Einkommen, Agroforstwirtschaft und Pestizidmanagement noch verbessern können», sagt ein Sprecher.
Lindt hat sich aber besonders in den Bereichen Kinderarbeit und Entwaldung verbessert und damit im Ranking sieben Plätze zugelegt. Ab 2026 ist laut dem Sprecher zudem der gesamte Kakao von der Rainforest Alliance zertifiziert. Um das Label zu erhalten, müssen die Bauern gewisse Standards einhalten.
Der weltweit grösste Schokoladenhersteller Barry Callebaut erreicht Rang 18. Die Nachhaltigkeitsverantwortliche lässt verlauten: «Wir begrüssen den Dialog mit den Prüfern sehr.» Allerdings findet sie, dass die Scorecard die Bemühungen von Barry Callebaut «nicht angemessen würdigt». Der Konzern will «der führende Partner für nachhaltige Schokolade» werden.
Schlusslicht unter den Schweizer Produzenten ist die beliebte Migros-Marke Chocolat Frey. Das Unternehmen erreicht nur Platz 26. Am meisten Aufholbedarf hat die Migros laut der Auswertung bei der Transparenz und dem Pestizideinsatz.
«Wir sind uns bewusst, dass wir im Bereich Kakao Verbesserungspotential haben», schreibt eine Sprecherin. Deshalb habe die Migros seit vergangenem Jahr eine neue Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet. Damit erwartet die Detailhändlerin künftig bessere Resultate im Branchenvergleich.
Seit letztem Jahr beziehe die Migros rückverfolgbare Kakaobohnen und Kakaobutter, die von Labels wie Rainforest Alliance zertifiziert sind. Zudem werde in Ghana zum Beispiel ein Projekt gegen Kinderarbeit unterstützt.
Je grösser der Konzern, desto schwieriger ist es grundsätzlich, die ganze Lieferkette zu kennen. Allerdings verfügen Branchenführer auch über mehr Budget als kleinere Anbieter.
Dass sich in der Branche etwas tut, hängt auch mit kommenden Regulierungen zusammen. Angekündigt sind in der EU etwa ein Entwaldungs- und Lieferkettengesetz. Damit könnte im Bereich der Kinderarbeit auch in den kommenden Jahren mehr Licht ins Dunkel kommen – was den Schokoladenkonsum noch etwas versüsst.






