Jerome Powell: Trump kritisiert Leitzinssenkung als unzureichend
Donald Trump verlangte nach der Entscheidung der Notenbank Fed einen «aggressiven Zyklus von Zinssenkungen». Er kritisierte die Leitzinssenkung von Powell.

Das Wichtigste in Kürze
- Analysten und Wall Street vermissen einen klaren Kurs der Notenbank.
- Donald Trump ist grosser Kritiker der US-Notenbank.
Nur so könnten die USA mit China, der EU und anderen Ländern Schritt halten. Analysten kritisierten die Begründung der Zinssenkung durch Zentralbankchef Jerome Powell als unklar.
Die Federal Reserve senkte den Leitzins zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008. Sie setzte die Rate um 0,25 Punkte herab auf eine Spanne von nun 2,0 bis 2,25 Prozent.
Powell: «Es herrschten Unsicherheiten»
Powell erklärte, dies sei eine «Versicherung» gegen die Zukunft: Es herrschten «Unsicherheiten» hinsichtlich der Weltwirtschaftsentwicklung. Auch sei die Inflation weiterhin schwach.
Im Vergleich zur letzten Erklärung der Fed vor sechs Wochen hat sich allerdings wenig geändert. Powell bezeichnete das Wirtschaftswachstum denn auch als «nahe am Erwünschten», die Aussichten seien «ebenfalls gut».

Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um solide 2,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,7 Prozent nah am tiefsten Stand seit 50 Jahren. Die Inflationsrate stagniert bei 1,4 Prozent.
Konfusion erzeugte der Notenbankchef aber vor allem mit seiner Aussage. Die Fed habe mit der Zinssenkung am Mittwoch keinen «langen Zyklus» von Senkungen gestartet. Gleichzeitig erklärte er, weitere Zinssenkungen seien nicht ausgeschlossen.
«Die Fed machte den Eindruck eines steuerlosen Schiffs, ohne Plan», erklärte Stephen Innes von VM Market. Sie habe lediglich «nicht mehr als nötig» getan, um der Erwartung der Märkte zu entsprechen.
Uneinigung der Mitglieder betreffend Zinssenkung
Dies zeige sich auch in der fehlenden Einstimmigkeit der Entscheidung: Zwei der acht Mitglieder im zuständigen Fed-Ausschuss stimmten gegen die Zinssenkung.
Auch an der Wall Street zeigte sich die Unsicherheit, wie die Äusserungen Powells zu interpretieren seien: Der Leitindex Dow Jones fiel bis Handelsschluss um fast 500 Punkte.
Trump drängt die Notenbank seit Monaten zu einer Zinssenkung. Er verspricht sich davon steigende Aktienkurse, eine Senkung der öffentlichen Verschuldung sowie günstigere Kredite für Unternehmen und Verbraucher.

Fed-Chef Powell wies entschieden zurück, die Notenbank habe den Forderungen Trumps nachgegeben. «Wir berücksichtigen niemals politische Überlegungen», sagte er. Und: «Wir machen keine Geldpolitik, um unsere Unabhängigkeit zu beweisen.»
Der ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann schrieb, Trump sei tatsächlich der Grund für die Zinswende. Sie sei nämlich die Reaktion auf seine «hochgradig schädliche Handelspolitik».











