Interview Revolut: Wollen zur Erstbank für Schweizer Kunden werden

Keystone-SDA
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Zürich,

Die weltweit tätige Neobank Revolut hat in der Schweiz den seit längerem erwarteten Antrag auf eine Banklizenz gestellt. David Tirado, Chief Commercial Officer und Partner, sowie Julian Biegmann, General Manager Switzerland, haben mit der AWP über die Gründe für den Antrag und ihre Erwartungen im Schweizer Markt gesprochen.

Revolut
Revolut kommt in die Schweiz. - keystone

Interview: Rolf Arpagaus und Thomas Pohl, AWP

AWP: Herr Tirado, Herr Biegmann, bereits heute benutzen zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer Revolut. Wozu braucht Revolut eine Schweizer Banklizenz?

David Tirado: Tatsächlich sehen wir in der Schweiz bereits eine sehr starke Nutzung von Revolut. Wir haben 1,3 Millionen Kunden und damit eine Marktdurchdringung von mehr als 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Für viele Schweizer beginnt die Nutzung von Revolut mit dem Reisen und mit Zahlungen im Ausland. Sie beginnen dann aber, Geld bei Revolut zu halten und die Revolut-Karte im Alltag einzusetzen. Unser nächster Schritt ist deshalb, Revolut vermehrt zu einer Erstbank für Schweizerinnen und Schweizer zu machen.

AWP: Welchen Stellenwert hat die Schweiz für Revolut?

Julian Biegmann: Wir betrachten die Schweiz nicht als einfach einen weiteren Markt. Sie ist ein strategischer Markt, in den wir erheblich investieren wollen. In der Schweiz streben wir unsere vierte Banklizenz in Europa an nach Grossbritannien, Litauen und dem Erhalt der Lizenz Frankreich. Dank der Finma-Lizenz, deren Antrag aktuell geprüft wird, wollen wir unseren Kunden in Zukunft eine Kombination aus Schweizer Bankprodukten und unserer globalen technologischen Plattform anbieten. Das bedeutet Schweizer IBAN-Nummern und lokale Zahlungsfunktionen aber auch wettbewerbsfähige Sparangebote, Investments und künftig auch weitere Dienstleistungen für Privatkunden und Unternehmen.

AWP: Wie sehen Sie die Konkurrenzsituation in der Schweiz – wollen Sie vor allem die bestehenden Neobanken konkurrieren?

DT: Grundsätzlich zielen wir in jedem Land auf die etablierten Banken. Unser Ziel ist das Erstkonto der Kundinnen und Kunden, also das Lohnkonto. In der Schweiz werden wir aktuell noch häufig als Zweitkonto verwendet. Wir wollen aber mehr und mehr zum Hauptkonto werden. Heute sind in der Schweiz noch rund 60 Prozent unserer Transaktionen international und 40 Prozent inländisch. Unser Ziel ist es, den Anteil der inländischen Nutzung deutlich zu steigern.

AWP: Sie kündigen Investitionen von mehr als 150 Millionen Franken in den kommenden fünf Jahren an. Wie wird dieses Geld investiert?

JB: Ein grosser Teil dieser Mittel soll in den Aufbau des lokalen Teams und in unsere Infrastruktur fliessen. Wir müssen unter anderem Teams für Bereiche wie Finanzen, Risiko und Compliance, Operations oder Zahlungsverkehr aufbauen. Zudem müssen wir die Anbindung an das Schweizer Bankensystem und an das Swiss Interbank Clearing sicherstellen. Auch die lokale Ausrichtung unserer Produkte benötigt entsprechende Ressourcen. Wichtig ist aber festzuhalten, dass das Lizenzierungsverfahren derzeit noch anhängig ist, der Ausgang ist also offen.

AWP: Wieviele Mitarbeitende wird Revolut anstellen – und bleibt der Firmensitz in Zürich?

JB: Als ich Ende 2023 in unserer neuen Niederlassung in Zürich gestartet bin, war ich fast der einzige, heute sind wir bei rund 30 Mitarbeitenden. Bis Ende des nächsten Jahres wollen wir voraussichtlich in die Nähe von 100 Mitarbeitenden kommen. Die genaue Entwicklung hängt allerdings auch vom weiteren Dialog mit der Finma und den Anforderungen im Rahmen des Bewilligungsverfahrens ab. Wir werden dafür unsere Büros in Zürich ausbauen und ja – wir wollen auch künftig in Zürich bleiben.

AWP: Wollen Sie neben Kontoprodukten auch in die Kreditvergabe einsteigen?

JB: Wir wollen uns in einer ersten Phase auf die Kernbereiche des Bankgeschäfts konzentrieren. In einer weiteren Phase werden wir aber auch das Angebot von Kreditprodukten prüfen. Kredite sind ein komplexeres Produkt, für die es ein gutes Verständnis des Schweizer Marktes braucht. Unser Geschäftsmodell basiert zu mehr als 70 Prozent auf Provisionen, etwa aus Kartenzahlungen, Fremdwährungsgeschäften und Investments. Deshalb hat die Kreditvergabe für uns zunächst keine höchste Priorität.

Wie will sich Revolut schlussendlich gegenüber den anderen Neobanken wie auch gegenüber etablierten Banken differenzieren?

DT: Letztlich muss man den Kunden über das Produkt gewinnen. Revolut versteht sich nicht nur als Bank, sondern als Plattform, die Banking, Zahlungen, Sparen und Investments mit weiteren Dienstleistungen und Lifestyle-Angeboten verbindet. Das Spektrum geht damit über das klassische Bankprodukt hinaus. Gleichzeitig können wir dank unserer globalen Präsenz Innovationen schneller entwickeln und auf den Schweizer Markt bringen. Mit mehr als 80 Millionen Kunden in über 40 Ländern haben wir eine starke Skalierung.

Kommentare

User #491 (nicht angemeldet)

Diese Bank oder dieses Konstrukt muss gemieden werden.

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