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    Grosse Firmen dürfen unverkaufte Mode in der EU nicht wegwerfen

    Keystone-SDA
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    Belgien,

    Grosse Unternehmen in der Europäischen Union dürfen unverkaufte Kleidung und Schuhe künftig nicht mehr vernichten. Eine entsprechende EU-Vorschrift gilt ab heute und soll dafür sorgen, dass betroffenen Firmen ihre Waren etwa erneut verkaufen oder spenden.

    Nicht nur Privatpersonen werfen ihre Kleidung in den Abfall. Auch nicht verkaufte Kleidung und Schuhe landen oft im Müll. (Archivbild)
    Nicht nur Privatpersonen werfen ihre Kleidung in den Abfall. Auch nicht verkaufte Kleidung und Schuhe landen oft im Müll. (Archivbild) - Keystone/DPA/JAN WOITAS

    Bisweilen gilt die Entsorgung teils günstiger, als Produkte zu lagern, aufzubereiten oder wieder zum Verkauf anzubieten.

    Ausnahmen gelten aber unter anderem für den Fall, dass die Ware gefährlich, beschädigt oder verschmutzt ist, nicht wiederverwendet oder -aufbereitet werden kann. Auch was mehreren sozialwirtschaftlichen Einrichtungen mit Sitz in der EU als Spende angeboten, aber nicht innerhalb einer Frist angenommen wurde, darf vernichtet werden. Für kleinere Unternehmen treten die neuen Vorgaben später in Kraft.

    Laut Handelsverband Deutschland (HDE) könnte das Verbot Vorteile für Verbraucherinnen und Verbraucher mit sich bringen: So könnte laut Hauptgeschäftsführer Stefan Genth das Angebot an reduzierter Ware steigen, etwa über Outlets, Restpostenmärkte oder Second-Hand-Kanäle. Ausserdem sieht er mögliche ökologische Vorteile, «da weniger neuwertige Kleidung vernichtet wird und Produkte häufiger weiterverkauft oder gespendet werden».

    Der Handel werde jedoch vor Herausforderungen gestellt, sagt Genth: «Nicht alle unverkauften Waren lassen sich ohne Weiteres erneut verkaufen oder spenden.» Gründe könnten etwa beschädigte Verpackungen, hohe Logistikkosten, fehlende Nachfrage oder geringe Warenwerte sein. Für Händler entstünden zusätzliche Kosten für Lagerung, Sortierung, Aufbereitung und Weitervermarktung. Hinzu kämen Dokumentationsauflagen, rechtliche Unsicherheiten und praktische Hürden bei Spenden oder Secondhand.

    Der Modeverband GermanFashion befürwortet die neue Regelung. «Bekleidung ist ein wertvolles Produkt, dessen Vernichtung vermieden werden sollte», so Hauptgeschäftsführer Thomas Lange. Das Vernichtungsverbot setze ein wichtiges Signal für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen.

    Für viele europäische Bekleidungsunternehmen werde die Regelung aber kaum Auswirkungen haben, weil unverkaufte Ware in der Regel nicht vernichtet werde. Die eigentliche Herausforderung liege bei den grossen Mengen günstiger Ultra-Fast-Fashion-Produkte, die Verbraucherinnen und Verbraucher direkt bei aussereuropäischen Anbietern bestellten, so Lange. Er fordert, dass diese Unternehmen künftig in gleicher Weise wie europäische Hersteller an den Kosten für Sammlung, Sortierung und Recycling von Alttextilien beteiligt werden.

    Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie kritisiert, das Gesetz gehe an der Realität vorbei, belaste die heimische Industrie mit Bürokratie und löse Probleme mit Fast Fashion nicht im Ansatz. Experte Jonas Stracke sagt, für mehr Nachhaltigkeit brauche es etwa funktionierende Sammel-, Sortier- und Recyclingstrukturen. Solange diese Voraussetzungen fehlten, bleibe das Vernichtungsverbot ein Papiertiger. «Einen echten Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leiste es in der Praxis leider nicht.»

    Umweltschutzorganisationen gehen die neuen Vorschriften nicht weit genug. So bezeichnet Moritz Jäger-Roschko von Greenpeace das Verbot zwar als richtig, sieht jedoch Schlupflöcher für Konzerne. «Unternehmen können die Regeln leicht umgehen, etwa durch Falschdeklaration von Produkten. Ohne konsequente Kontrollen wird sich in der Praxis nichts ändern.» Das eigentliche Problem – Fast Fashion – bleibe vom Gesetz unberührt.

    Aus Sicht des WWF ist das Vernichtungsverbot ein wichtiger erster Schritt. Ein Gesetz sei jedoch immer nur so gut wie seine Durchsetzung, sagte Silke Düwel-Rieth von der Umweltorganisation. «Wirksam wird es erst, wenn die Vorgaben konsequent von den zuständigen Behörden kontrolliert und eingefordert werden.»

    Angaben der EU-Kommission zufolge werden in Europa jährlich vier bis neun Prozent der unverkauften Textilien zerstört, bevor sie überhaupt getragen wurden. Diese Abfälle verursachten rund 5,6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen.

    Kommentare

    User #4980 (nicht angemeldet)

    Das ganze ist ein Witz wenn die Ware Schmutzig, beschädigt oder nicht der EU Norm entspricht ist es immer noch möglich die Ware zu vernichten. Wer kontrolliert der !?

    User #9572 (nicht angemeldet)

    Man kann ja alles aus der EU Exportieren!

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