Forscherin alarmiert: 55 Prozent der Chefs sind erschöpft
Der Druck in Unternehmen steigt – und immer mehr Führungskräfte geraten an ihre Grenzen. Erschöpfte Chefs können zum Risiko fürs ganze Unternehmen werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Rund 55 Prozent der Manager sind erschöpft – und der Druck in Unternehmen nimmt weiter zu.
- Eine Management-Expertin rät: Führungskräfte müssen ihre eigene Energie schützen, um nicht das ganze Unternehmen zu belasten.
Der Druck in Unternehmen nimmt zu – und trifft Manager besonders hart. Rund 55 Prozent der Führungskräfte sind erschöpft, sagt die St. Galler Managementforscherin Heike Bruch im Interview mit dem «Spiegel».
Vielen fehlt es an Energie und Fokus. «Sie fühlen sich selbst kraft- oder antriebslos, und es fällt ihnen schwer, Klarheit zu schaffen und klare Prioritäten zu setzen.»
Erschöpfte Führungskräfte leiden nicht nur selbst unter dem permanenten Druck. Ihre fehlende Energie und Orientierung wirkt sich auch auf Teams und ganze Unternehmen aus.
«Das ist für sie selbst und für ihr Führungsvermögen sehr schlecht. Und es schadet ganzen Organisationen», sagt Bruch.
Immer mehr Unternehmen stehen unter Dauerstress
Die Forscherin untersucht seit Jahren, wie Unternehmen mit Druck umgehen. Dabei unterscheidet sie zwischen sogenannten High-Pressure- und High-Energy-Unternehmen.
Der Unterschied ist einfach: High-Pressure-Unternehmen geben den Druck nach innen weiter – an Führungskräfte und Mitarbeitende. High-Energy-Unternehmen versuchen, Energie bei ihren Mitarbeitenden und Führungskräften zu aktivieren und zu erhalten.
Der Anteil der Unternehmen, die dauerhaft unter hohem Druck stehen, ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Heute sind 46 Prozent High-Pressure-Unternehmen. Nur noch rund drei Prozent gehören zu den High-Energy-Unternehmen.
Mehr Druck, mehr Kontrolle – und eine gefährliche Falle
Viele Firmen reagieren auf Krisen, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und permanente Veränderungen mit alten Führungsmustern.
Die Folge: Mehr Kontrolle, mehr Druck und kürzere Leistungsvorgaben.
Genau das kann laut Bruch eine «Beschleunigungsfalle» auslösen.
Gemeint ist damit: Menschen arbeiten zu viel, gleichzeitig an zu vielen Dingen – und ohne ausreichend Zeit zur Regeneration.
Die Folgen zeigen sich zunächst oft schleichend. Mitarbeitende verlieren an Innovationsbereitschaft und ziehen sich stärker in ihre eigenen Bereiche zurück. Später nehmen Fehler, verpasste Deadlines und Konflikte zu.
In einem fortgeschrittenen Stadium steigen auch Krankmeldungen und Kündigungen.
Bruchs klarer Rat: Erst auf die eigene Energie achten
Was also können Führungskräfte tun? Bruchs Rat ist klar: Sie müssen zuerst ihre eigene Energie schützen.
«Die Fassade der Unverwundbarkeit ist heute eher ein Risiko.» Moderne Führung sei «viel wichtiger und gleichzeitig massiv anspruchsvoller als noch vor einigen Jahren».
Manager sollten deshalb genau hinschauen: Was gibt ihnen Energie? Und wo können sie Unterstützung finden?











