Seit Juli kämpfen die Währungshüter gegen die momentane Teuerung. Laut dem EZB-Chefökonomen ist damit auch im neuen Jahr nicht Schluss.
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Die EZB in Frankfurt am Main. - AFP/Archiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • Philip Lane erwartet auch im Jahr 2023 weitere Zinserhöhungen.
  • Eine weitere Erhöhung um 75 Basispunkte sei jedoch nicht mehr notwendig.
  • Die EZB strebt mittelfristig Preisstabilität bei zwei Prozent Teuerung an.

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte nach Einschätzung ihres Chefökonomen Philip Lane im kommenden Jahr die Zinsen weiter erhöhen. «Ich glaube nicht, dass der Dezember die letzte Zinserhöhung sein wird.» So Lane in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Market News.

Eine weitere kräftige Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte ist aus Sicht Lanes bei dem Treffen des EZB-Rates am 15. Dezember nicht zwingend. Jedes Treffen sei anders. «Aber eine Plattform für die Erwägung einer sehr grossen Erhöhung, wie zum Beispiel 75 Basispunkte, ist nicht mehr vorhanden.»

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Die EZB in Frankfurt am Main - dpa/AFP

Die EZB strebt für den Euroraum mittelfristig Preisstabilität bei zwei Prozent Teuerung an. Im Oktober lagen die Konsumentenpreise im Währungsraum der 19 Länder um 10,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Sie werden durch weiterhin hohe Energiepreise angetrieben.

Kräftige Zinserhöhungen seit Juli

Europas Währungshüter stemmen sich seit Juli mit kräftigen Zinserhöhungen gegen die extrem hohe Teuerung. Der Leitzins im Euroraum, der jahrelang auf dem Rekordtief von null Prozent eingefroren war, liegt inzwischen bei 2,0 Prozent.

Höhere Zinsen sind allerdings auch eine Bürde für die Wirtschaft, etwa weil sich Kredite verteuern. Der gemeinsame Währungsraum spürt derzeit starken wirtschaftlichen Gegenwind wegen der Folgen des Ukraine-Kriegs und der damit verbundenen Explosion der Energiepreise. Die Euro-Währungshüter gehen Lane zufolge derzeit davon aus, dass eine mögliche Rezession «mild und von kurzer Dauer sein wird».

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