Ein diverser und junger Verwaltungsrat treibt laut einer Studie die unternehmerische Nachhaltigkeit voran. Merkmale wie Alter oder Geschlecht spielen dabei aber eine geringere Rolle als Erfahrung: Am wichtigsten für die Nachhaltigkeitsperformance einer Firma ist, dass Verwaltungsratsmitglieder eine Expertise auf dem Gebiet vorweisen können.
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Blick auf eine Topshop Topman-Filiale in der Princes Street, Edinburgh. (Symbolbild) - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Studie des Personalvermittlers Egon Zehnder und der Universität Göttingen hat einen direkten Zusammenhang zwischen unternehmerischer Nachhaltigkeit und der Zusammensetzung des Verwaltungsrats festgestellt.

Die Studie zeigt: Wenn überdurchschnittlich viele Frauen dem Verwaltungsrat angehören und das Gremium jünger ist, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Firma für ökologische und soziale Themen engagiert.

Gleiches gilt auch für die Amtszeit der Verwaltungsräte. Hocken die Mitglieder schon seit vielen Jahren im Gremium, bewegt sich im Unternehmen tendenziell weniger, als wenn sie öfters ersetzt werden und den sprichwörtlichen frischen Wind in die Firma bringen.

Die Autoren analysierten für die Studie 534 börsenkotierte Unternehmen aus Europa und untersuchten anhand empirischer Daten und ökonometrischer Analysen die Charakteristika im Verwaltungsrat und ihr Einfluss auf die sogenannte «ES Performance» (Ecological and Social Performance) der Firmen.

Dabei haben sie einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung des Verwaltungsrats und der Entwicklung der unternehmerischen Nachhaltigkeit festgestellt. Es handle sich nicht um zufällige Trends, sondern um einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Verwaltungsratsmerkmalen und der Nachhaltigkeitsperformance, heisst es.

In Zahlen ausgedrückt wiesen die Unternehmen mit dem höchsten Frauenanteil eine um sechs Prozentpunkte höhere «ES Performance» auf als der Durchschnitt. Unternehmen, deren Verwaltungsräte die jüngsten Mitglieder und die geringsten Amtszeiten aufwiesen, zeigten eine um sieben Prozentpunkte bessere Performance.

Noch weitaus mehr Einfluss als das Alter, das Geschlecht und die Amtszeit hat laut der Studie allerdings die Expertise der Verwaltungsratsmitglieder: Wenn sie grosse Erfahrung in Sachen Nachhaltigkeit mitbringen, steigt das ökologische und soziale Engagement des Unternehmens gegenüber dem Durchschnitt um 13 Prozentpunkte.

Im Bereich Diversität sind hiesige Firmen auf gutem Weg. Noch nie sassen so viele Frauen in Verwaltungsräten von Schweizer Unternehmen. Laut einer aktuellen Studie des Kadervermittlers Guido Schilling ist bereits in 9 von 10 Verwaltungsräten mindestens eine Frau vertreten. Gemessen an der gesamten Anzahl an Verwaltungsräten sind Frauen allerdings noch deutlich untervertreten: Sie machen gerade einmal 23 aller Schweizer Verwaltungsräte aus.

Bis 2026 muss sich diese Quote erhöhen. Seit dem 1. Januar gilt für börsenkotierte Unternehmen in der Schweiz nämlich ein Geschlechterrichtwert. Demnach sollen in den Verwaltungsräten mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein. Werden diese Richtwerte bis in fünf Jahren nicht eingehalten, ist ein Unternehmen verpflichtet, im Geschäftsbericht die Gründe anzugeben und Massnahmen zur Verbesserung vorzulegen.

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