Deutsche Umwelthilfe verklagt Shein
Die Deutsche Umwelthilfe klagt gegen den Online-Händler Shein vor Gericht. Der chinesische Konzern soll EU-Grenzwerte für Chemikalien in Produkten teils massiv überschritten haben.

Konkret gehe es in der Klage beim Landgericht Berlin II um Chemikalien, die in auf der Plattform verkaufter Kleidung vorkommen, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Mittwoch bekannt gab. Teilweise seien bei der Belastung EU-Grenzwerte überschritten worden. Das geht aus Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts im Auftrag der DUH hervor.
Shein habe die entsprechenden Produkte zwar aus dem Sortiment genommen – das geht der DUH jedoch nicht weit genug. Sie fordert: Der Online-Händler soll eine Unterlassungserklärung unterzeichnen. So sollen Verbraucher auch künftig geschützt werden. Shein bezeichnete die Forderungen als «überzogen und unverhältnismässig».
Insgesamt verstiessen von 18 untersuchten Produkten 7 gegen EU-Grenzwerte. So wurde in einer für Teenager angebotenen Jacke ein Grenzwert für eine Chemikalie aus der PFAS-Gruppe um mehr als das 12'000-Fache überschritten. PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen.
Diese Stoffe werden eingesetzt, um unter anderem Kleidung wasser-, fett- und schmutzabweisend zu machen. Manche PFAS (auch Ewigkeitschemikalien genannt) können laut Umweltbundesamt Effekte auf Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Immunsystem haben, manche stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.
In einem Paar Stiefel wiederum wurde eine Konzentration von 179 Gramm pro Kilogramm des Weichmachers DEHP gefunden. Erlaubt wären allenfalls Werte von unter 1 Gramm. Sogenannte Phthalate – dazu gehört DEHP – haben hormonähnliche Eigenschaften und können die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.
Die DUH habe Shein seit Dezember sechsmal abgemahnt. «Wegen Greenwashing, wegen fehlender Energielabel, wegen irreführender Werbung und eben wegen verbotener Chemikalien in den Textilien», so Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH. Damit komme man jedoch nicht weiter.
«Shein ist der Inbegriff von Ultra-Fast-Fashion. Bis zu 11'000 neue Designs kommen täglich auf den Markt. Kleidung, die möglichst billig produziert, schnell verkauft und gleich wieder durch eine nächste Kollektion ersetzt werden soll. Shein erreicht monatlich rund 155 Millionen Menschen in der EU.» Dieses Geschäftsmodell bringe staatliche Kontrollen an ihre Grenzen. «Chemikalientests können bei diesen Mengen praktisch nicht stattfinden.»
Rechtsanwältin Karoline Borwieck sagte: «Mit unserer Klage beantragen wir, dass Shein es zu unterlassen hat, Kleidung anzubieten, deren PFAS-Gehalt die REACH-Grenzwerte überschreitet. Dasselbe soll für Schuhe gelten, deren weichmacherhaltiges Material den Grenzwert für DEHP überschreitet.»
Shein teilte mit, das Unternehmen habe umfassend auf die Bedenken der DUH reagiert. «Im Fall von PFAS etwa haben wir unseren gesamten deutschen Produktkatalog überprüft, die Anforderungen an Verkäufer für PFAS-Tests verschärft und das automatisierte Screening über alle Marketplace-Sprachen hinweg ausgebaut.»










