TV-Kommentare von Hans Jucker: Lachen ist jetzt tabu

    Bettina Zanni
    Bettina Zanni

    Zürich,

    Das Netz ist immer noch voller witziger TV-Kommentare von Hans Jucker. Laut einem Ethiker ist Lachen darüber nicht mehr angebracht.

    Hans Jucker
    So witzig die Kommentare von TV-Legende Hans Jucker waren, so erschreckend sind seine publik gewordenen Straftaten. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die witzige TV-Legende Hans Jucker missbrauchte Jugendliche sexuell.
    • Manchen Usern ist inzwischen das Lachen vergangen.
    • «Es geht darum, mit den Opfern solidarisch zu sein», sagt Ethiker Thomas Buchschuster.

    Wäre Hans Jucker ein paar Jahrzehnte später TV-Kommentator gewesen, gäbe es jetzt wohl allerlei Merchandise und Memes mit seinen Sprüchen. «Gopferdammisiech», «huere Löli» oder «Schiiss-Ponys» würde darauf stehen. Der 2011 verstorbene SRF-Sportreporter war bekannt für seine emotionalen Ausbrüche am Mikrofon.

    «Huere Löli», schimpfte sich Jucker, als er an den Olympischen Winterspielen in Sarajevo 1984 Skirennfahrer Peter Müller interviewen wollte. Er hatte ihn aus Versehen Pirmin Zurbriggen genannt, dessen Konkurrenten.

    Soll man über die Videos von Hans Jucker noch lachen dürfen?

    An der Rad-WM in Chambéry (FR) 1989 schüttete es aus Kübeln. «Gopferdammisiech, jetzt bin ich tropfnass», fluchte Jucker.

    Legendär ist auch sein ungeduldiger Kommentar, den er am Hallenspringturnier CSI Zürich 2011 fallen liess. «Du Päsche, ich weiss nicht, wie lange wir noch Zeit haben», sagte er zu seinem Kollegen. «Jetzt kommen ja zuerst noch diese Schiiss-Ponys.»

    Kommentare nach 12 Jahren

    Auf Videoportalen und Social Media gibt es unzählige Clips von Hans Juckers witzigen Kommentaren. Manchen Usern ist inzwischen aber das Lachen vergangen. «Nehmen Sie Ihre Hans-Jucker-Videos auch offline nach den heutigen Erkenntnissen?», fragt ein Youtube-User einen Profilbetreiber. Dafür erntete er fünf Likes.

    Manche User reagieren aber auch mit Hasskommentaren. Im Video eines Profils namens «Joke TV CH» erzählt Jucker einen Witz. «Ein Gesicht zum so richtig …», schreibt ein User am Montag.

    «Grusige Sauhund!», schimpft ihn ein User am Dienstag. Dies sind nach 12 Jahren die neusten Kommentare. «Haha, Jucker war einfach ein mega sympathischer Typ», schrieb jemand damals noch.

    «Clips von den Plattformen entfernen»

    Am Montag wurde bekannt, dass die TV-Legende ein verurteilter Sexualstraftäter war. 1971 verurteilte ihn das Gericht wegen sexueller Handlungen mit Minderjährigen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten.

    Rund 20 Vorfälle mit mehreren Jugendlichen belegten dies. Trotzdem konnte er bis zu seiner Pensionierung 2011 beim Schweizer Fernsehen arbeiten.

    SRF verzichtet künftig auf die Publikation von Videoclips, die Hans Jucker als Kommentator in den Mittelpunkt stellen. Bereits publizierte Clips hätten sie inzwischen von den eigenen Plattformen sowie von den SRF-Kanälen auf Drittplattformen entfernt, meldete das Medienhaus.

    «Geboten ist, solche Clips nicht mehr anzuschauen und auch von anderen Plattformen zu entfernen», sagt Thomas Buchschuster zu Nau.ch. Er ist Ethiker an der Universität Freiburg. «Sollen User nicht mehr darüber lachen? – Ich glaube, sie können es heute überhaupt nicht mehr.»

    Buchschuster ist spezialisiert auf die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. «Es geht nicht darum, Hans Jucker zu bestrafen. Es geht darum, ein Zeichen zu setzen und mit den Opfern von Hans Jucker und Missbrauchsopfern allgemein solidarisch zu sein.»

    Auf diese Weise könne die Gesellschaft den Opfern späte Gerechtigkeit widerfahren lassen. «Es muss unerträglich sein, den eigenen Täter als witzigen und hochgejubelten Star ständig im Fernsehen zu sehen.»

    Fall Jucker biete grosse Chance

    Die Kommentare von Hans Jucker brachten die Menschen zum Lachen. Daran ändern auch die Jahre später bekannt gewordenen Straftaten des Verstorbenen nichts.

    Die witzigen Videos weiterhin zu veröffentlichen, sie aber mit einem kritischen Hinweis zu ergänzen – davon rät der Ethiker ab. «Wozu braucht es die Clips dann noch? Da bleibt einem das Lachen im Hals stecken», sagt er.

    Hans Jucker
    Thomas Buchschuster ist Ethiker an der Universität Freiburg. - unifr.ch

    Solche Videos würden zudem vermitteln, dass die Taten folgenlos blieben, sagt Thomas Buchschuster. «Wenn ein Sexualstraftäter verurteilt wurde, aber trotzdem alle über ihn lachen.»

    Dann bestehe das Risiko, dass auch andere Opfer von einer Anzeige absähen. «Weil sie feststellen müssen: Es passiert dem Täter ja eh nichts.»

    Mit Hans Jucker wird ein Mensch an den Pranger gestellt, der sich nicht mehr äussern kann. Unethisch sei dies nicht, sagt Thomas Buchschuster.

    «Die Grosse Chance im Fall Jucker ist, dass es ein Urteil gibt.» Schwierig sei es, wenn Verstorbenen angebliche Straftaten vorgeworfen würden.

    «Eine Dämonisierung von Hans Jucker bringt aber niemanden weiter», sagt Buchschuster. Der Fall biete aber die Gelegenheit, sich dafür einzusetzen, Kinder und Jugendliche besser vor sexuellem Missbrauch zu schützen.

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    Kommentare

    User #4456 (nicht angemeldet)

    Unglaublich wie man in der Schweiz verrissen wird! Verständlich das man nichts mehr zugibt, denn nachher ist man zu Ende.

    User #2255 (nicht angemeldet)

    Schuster bleib bei deinen Leisten!

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