Daimler will trotz sprudelnder Gewinne bei Autos und Lastwagen keinen Schlendrian beim Geldausgeben einziehen lassen. Es wäre «dumm», vom 2019 beschlossenen Sparkurs abzurücken und Fixkosten wie Personal wieder hochzufahren, erklärte Finanzchef Harald Wilhelm am Freitag.
Daimler AG
Die Zentrale der Daimler AG ist durch eine Flagge zu sehen, auf der der Mercedes-Stern abgebildet ist. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • «Wir sind entschlossen, die Fixkosten zu senken.» Das Konzernergebnis vervielfachte sich im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr, als die Corona-Krise den Gewinn auf 170 Millionen Euro absacken liess.

Mit 4,3 Milliarden Euro verdiente Daimler jetzt mehr als doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorkrisenjahres 2019.

Die Rendite von Mercedes-Benz Cars & Vans erreichte mit 14,3 Prozent dank boomender Nachfrage in China nach Modellen mit dem Stern Rekordniveau, sodass der Autobauer seine Jahresprognose für die Sparte um zwei Prozentpunkte heraufsetzte auf zehn bis zwölf Prozent.

Eine zweistellige Rendite im Gesamtjahr hatte die Pkw-Marke bisher nur einmal geschafft im Jahr 2015. Analysten monierten lange, dass Mercedes teurer und mit viel mehr Leuten produziert als der Rivale BMW. Seit Wilhelm vor knapp zwei Jahren von Airbus zu Daimler wechselte, zieht das Management die Kostenschrauben stark an und baut Personal ab.

Damit wollen die Schwaben für Anleger attraktiv bleiben und den teuren Umschwung zu Elektroautos stemmen. Der Finanzchef gab die Parole aus, alle weltweit rund 288.000 Beschäftigte - gut 10'000 weniger als im Vorjahr - müssten so denken wie er, der Chief Financial Officer (CFO).

Nach dem Motto «ich bin CFO» sollten sie so verantwortungsvoll mit dem Geld der Firma umgehen wie mit ihrem eigenen. «Die Reise in der Transformation ist noch sehr lang und tiefgreifend, deshalb müssen wir weiter an den Kostenstrukturen arbeiten», betonte Wilhelm.

An der Börse sorgte die höhere Jahresprognose für Pkw und die Zuversicht für das Lkw-Geschäft von Daimler Trucks für Aufwind beim Aktienkurs. «Wir finden das höhere Margenziel beeindruckend angesichts der Kosten der batterielektrischen Modelle», erklärten die Analysten von Barclays.

Bis zum kommenden Jahr sind acht reine E-Autos der Mercedes-Strommarke EQ geplant, von der das kürzlich vorgestellte Luxusmodell EQS grosse Beachtung fand. Die EQ-Modelle seien keine Verlustbringer, aber der Gewinn liege unter dem der Verbrennerwagen, erklärte Wilhelm.

Den Profit fahren die spritschluckenden Premiumautos ein, allen voran die Luxuslimousine S-Klasse und die SUVs vom kompakten GLA bis zum Schwergewicht GLS. Sie verkaufen sich vor allem in China gut, der Absatz von Pkw und Vans stieg um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf gut 627'000.

Noch schwerer als bisher schon macht der seit Ende 2020 herrschende Mangel an Speicherchips in der Autoindustrie auch Daimler zu schaffen. Der Absatz werde im laufenden Quartal wahrscheinlich unter den des ersten Vierteljahres sinken, sagte Wilhelm.

Zu der Marktverschiebung bei Halbleitern in der Corona-Krise auf die Elektronikindustrie seien noch die Ausfälle einer Chip-Fabrik in Japan durch einen Brand (Renesas) und einer anderen in Texas (Infineon) durch Stromausfall im Wintersturm verschärfend hinzugekommen. Im zweiten Halbjahr soll sich die Lage bessern, aber Daimler rechnet nicht mehr wie bisher damit, den Produktionsausfall bis Jahresende ganz aufholen zu können.

Der Autobauer muss wegen der Chip-Krise zum zweiten Mal in diesem Jahr in den Werken Bremen und Rastatt die Produktion anhalten und den Grossteil der Beschäftigten in Kurzarbeit schicken. Dort werden die C-Klasse und Kompaktwagen gebaut. Die in Sindelfingen produzierte S-Klasse, grösster Gewinnbringer des Konzerns, soll unter der Störung aber nicht leiden. «Bislang ist es gelungen, das Thema von der S-Klasse fernzuhalten, das wollen wir weiter so halten», sagte Wilhelm.

Die Malaise nützt den Herstellern nach Einschätzung von Analysten derzeit mehr als sie schadet. Denn dem verknappten Neuwagenangebot steht eine hohe Nachfrage gegenüber, vor allem in China und den USA. Die Autobauer können deshalb bessere Preise erzielen mit geringerem Rabatt. Diese «Preisdisziplin» wolle Daimler beibehalten, erklärte der Finanzchef.

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