Premiere im Weltraum: Auf der Internationalen Raumstation ISS sind am Dienstag ein Regisseur und eine Schauspielerin eingetroffen, die dort den ersten Spielfilm im All drehen wollen.
Vor dem Abflug zur ISS
Vor dem Abflug zur ISS - Russian Space Agency Roscosmos/AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Russisches Filmteam zum Dreh von erstem Spielfilm im All auf der ISS eingetroffen.

Nach ihrem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan dockte die Sojus-Rakete mit dem 38-jährigen Regisseur Klim Tschipenko und der 37-jährigen Schauspielerin Julia Peressild an der ISS an, wie die russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos mitteilte.

Das Andockmanöver erfolgte verspätet, nachdem Tschipenkos und Peressilds Begleiter, der erfahrene Kosmonaut Anton Schkaplerow, auf manuelle Steuerung umstellen musste. «Willkommen auf der ISS!», schrieb Roskosmos aber schliesslich im Onlinedienst Twitter.

Tschipenko hatte den Dreh im Weltraum am Vortag als «Experiment» bezeichnet. «Es gibt niemanden, der uns Tipps geben kann. Es gibt keinen einzigen Kameramann, der uns sagen kann, wie man mit Licht aus einer Luke arbeitet.»

Das Filmteam hat für den Dreh zwölf Tage Zeit. In dem Film mit dem Arbeitstitel «Die Herausforderung» geht es um eine Ärztin, die einen Kosmonauten retten soll, dessen Zustand für einen Heimflug zur Erde zu schlecht ist. Peressild wurde aus 3000 Bewerberinnen für die Rolle ausgewählt.

Vor ihrem Raumflug hatte sie gesagt, das Film-Projekt sei «psychologisch, physisch und emotional schwierig». Wenn es gelinge, werde das alles aber wohl nicht mehr so schlimm erscheinen.

Tschipenko übernimmt neben der Regie auch die Kamera, das Licht, den Ton und die Maske. Schkaplerow und zwei weitere russische Kosmonauten sollen in dem Film Cameo-Auftritte als sie selbst haben. Das Budget für den Dreh wird geheimgehalten.

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hatte das Projekt angekündigt, just nachdem die Nasa über Pläne für einen Dreh auf der ISS mit Hollywood-Star Tom Cruise für die Action-Filmreihe «Mission Impossible» informiert hatte. Für die russische Raumfahrt, die in den vergangenen Jahren immer wieder mit Pannen und Rückschlägen zu kämpfen hatte, wäre der erste Filmdreh im All zumindest ein kleiner Prestigeerfolg.

Russland kann auf eine lange Liste von Premieren im All verweisen. Zu Sowjetzeiten gelangen dem Land die erste Satellitenmission, die erste Raummission mit einem Tier, nämlich der Hündin Laika, an Bord und der erste bemannte Raumflug mit Juri Gagarin. Auch die erste Frau im All, Walentina Tereschkowa, stammte aus Russland.

«Der Weltraum ist der Ort, wo wir Pioniere wurden, wo wir trotz allem eine sehr selbstbewusste Position einnehmen», sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag vor Reportern in Moskau. Allerdings ist Russland in der Raumfahrt zunehmend in den Schatten der USA geraten und bekommt von anderen Ländern, insbesondere China, Konkurrenz.

Das ungewöhnliche Film-Projekt im All solle die Russen von den Problemen ablenken, die Roskosmos habe, sagte der politische Analyst Konstatin Kalatschew der Nachrichtenagentur AFP. «Das soll die Russen inspirieren, zeigen, wie cool wir sind, aber ich glaube, die Russen haben das Interesse an der Raumfahrtindustrie komplett verloren.»

Auf der ISS vollzog sich derweil eine Stabübergabe. Der französische Astronaut Thomas Pesquet übernahm am Montagabend das Kommando auf der Internationalen Raumstation. Der 43-Jährige ist damit der Chef der sechs weiteren Raumfahrer an Bord, die aus den USA, Russland und Japan stammen. Ende Oktober wird auf der ISS der deutsche Astronaut Matthias Maurer erwartet, der mit Pesquet befreundet ist, und wie Pesquet sechs Monate im All verbringen soll.

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