Im kommenden Jahr dürfte sich für Anleger und Anlegerinnen nicht viel ändern. Sie fahren nach Ansicht der meisten Finanzfachleute auch 2022 mit Aktien am besten, auch wenn sie allmählich vom Billiggeld der Zentralbanken entwöhnt werden.
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Der Kurs einer Aktie wird abgebildet (Symbolbild). - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Aller Zuversicht zum Trotz billigen die Finanzmarktauguren den Beteiligungspapieren 2022 aber nicht mehr ganz so viel Potenzial zu wie 2021.

Bis dato hat der Schweizer Leitindex SMI rund 18 Prozent hinzugewonnen und ist in der Spitze bis auf 12'823 Punkte gestiegen.

Damit zählt der SMI mit zu den weltweit stärksten Indizes. Der weltweit am meisten beachtete US-Aktienindex Dow Jones (+16%) oder der EURO Stoxx50 (+16%) haben leicht weniger zugelegt.

Gegen ein ähnlich gutes Börsenjahr spricht, dass die wirtschaftliche Erholung vom pandemiebedingten Einbruch an Schwung verloren hat. Zudem könnten zahlreiche Unsicherheitsfaktoren wie zuletzt etwa die sich stark ausbreitende Corona-Variante Omikron an den Märkten immer wieder für Irritationen sorgen.

Zudem lässt das Wirtschaftswachstum etwas nach und die Zentralbanken fahren ihre Unterstützung allmählich zurück. Inflation und Coronapandemie bleiben ebenfalls im Fokus der Anlegergemeinde.

Der grösste Störenfried dürften aber die Zinsen sein. 2022 geht die jahrelange Phase der ultratiefen Zinsen nach Ansicht der Fachleute zu Ende. Denn die Zentralbanken drosseln damit die Treibstoffzufuhr, die während Jahren die Börsenparty am Laufen gehalten hatte.

Die US-Notenbank zieht nun als eine der ersten der wichtigen Zentralbanken die Schraube etwas an. Sie beendet zum einen die Anleihekäufe zur Stützung der US-Wirtschaft rascher. Zum anderen werden angesichts der hohen Inflation für 2022 drei Zinsanhebungen in Aussicht gestellt. Bereits einen Schritt weiter ist die Bank of England. Sie hob angesichts der hohen Inflation erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie den Leitzins um 0,15 Prozentpunkte auf 0,25 Prozent an.

Die Europäische Zentralbank behält dagegen den Fuss auf dem Gaspedal und pumpt weiterhin Milliarden in den Kauf von Staatsanleihen und Unternehmenspapieren. Ein Ende des Zinstiefs ist damit nicht in Sicht. Zinserhöhungen im kommenden Jahr seien «sehr unwahrscheinlich», bekräftigte die EZB. Damit ist auch seitens der Schweizerischen Nationalbank (SNB) 2022 keine Zinserhöhung zu erwarten. Denn die SNB orientiert sich vor allem an der EZB und sitzt also quasi in deren Seitenwagen.

Damit gehe denn auch die Zinsunterstützung für die Aktienmärkte nicht ganz verloren, sagte Martin Lück vom weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock. «Die Unterstützung ist einfach nicht mehr ganz so stark.»

Die Geldpolitik bleibe im Grunde genommen immer noch expansiv, meint auch Christoph Schenk, Anlagestratege der Zürcher Kantonalbank. Die Notenbanken vertrauten zunehmend auf die selbsttragenden Kräfte der Konjunktur und die Staaten könnten ihre Investitionen nun ebenfalls reduzieren. «An den Finanzmärkten kommt es damit zu einer Anpassungs- bzw. zu einer Entwöhnungsphase von der ultragünstigen Liquidität», so der Experte. Turbulenzen seien da nicht auszuschliessen, heisst es entsprechend am Markt.

In diesem Umfeld geben Analysten vieler Banken Aktien aus Nordamerika, Europa und der Schweiz den Vorzug. Dabei sollten allerdings zyklische und Substanzwerte bevorzugt werden. Ausserdem sollten die Unternehmen über Preissetzungsmacht verfügen. Nach Ansicht von Julius Bär ist der Schweizer Leitindex SMI günstig bewertet. Die Dividendenrendite sei mit durchschnittlich 2,7 Prozent vor allem im Vergleich mit den Obligationen attraktiv. Und der SMI sei nun nach jahrelanger Seitwärtsbewegung nach oben ausgebrochen, so Julius Bär, die dem SMI daher goldene Zeiten prophezeit.

Etwas zurückhaltender ist die Grossbank UBS, die ein schwächeres zweites Halbjahr erwartet und dies spreche daher mehr für defensive Werte einschliesslich Gesundheitswerte sowie für Dienstleister.

Allen Finanzmarktaussichten gemein ist ausserdem der verstärkte Fokus auf nachhaltige Anlagen. Die ESG-Kriterien Klima, Nachhaltigkeit, Unternehmensführung und soziale Aspekte gewinnen zunehmend an Bedeutung. «Wir haben den Point of no return überschritten», sagte Martin Lück von Blackrock. ESG sei kein Modethema, sondern ein Trend, der die Anleger über Jahrzehnte beeinflussen werde.

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