Ostern

    Vegane Ostern: Lieber ein Lamm aus Marzipan, als aus dem Backofen!

    Mirjam Walser
    Mirjam Walser

    Zürich,

    Alle freuen sich aufs Osterlamm. Fast alle. Kolumnistin Mirjam Walser kennt da jemanden, der die vegane Marzipanversion dem Ofenbraten klar vorzieht.

    Mirjam Walser Vegan Kolumne
    Nau.ch Kolumnistin Mirjam Walser liebt Lämmer – aber definitiv nicht als Osterbraten. - Meryl Vogel - Portraitmacher / Canva

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ostern feiern viele im Kreis der Familie mit einem festlichen Essen.
    • Oft landet dabei ein Lammbraten auf dem Tisch.
    • Die Tradition klingt harmlos und genussvoll – bis man genauer hinschaut.

    Die Sonne scheint durch frisch geputzte Fensterscheiben, die bunten Tulpen versprühen Frühlingsgefühle, und im Garten suchen Kinder mit quietschenden Gummistiefeln nach Schoggi-Eiern.

    Das Osterfest steht vor der Tür. Alles fühlt sich nach Neubeginn an, nach Aufatmen nach dem Winter.

    Ostern hat seinen festen Platz – selbst bei jenen, die mit Kirche oder dem religiösen Hintergrund wenig anfangen können.

    Die Rituale bleiben: das gemeinsame Essen, die Süssigkeiten, der Moment des friedlichen Beisammenseins mit der Familie. Und natürlich gehört ein festliches Osteressen dazu.

    Ostern
    Ostern ist voller tierischer Symbole – von Eiern und Hasen bis hin zu Lämmern. - Depositphotos

    Auf den Tischen vieler Familien findet sich – wie jedes Jahr – der Lammbraten. Schön angerichtet, vielleicht mit Kräuterkruste. Eine Tradition, sagen manche. Ein kulinarischer Genuss, sagen andere.

    Lange Tradition: Das Opferlamm

    Doch so festlich der Rahmen ist – für das Lamm selbst ist Ostern alles andere als ein Fest. Eben erst noch gesäugt und von der Mutter umsorgt, gehört es für viele Lämmer zu den ersten (und einzigen) Lebenserfahrungen, geschlachtet zu werden. Sie müssen ihr Leben im Alter von vier bis acht Monaten lassen.

    Gibt es bei dir einen Lammbraten zu Ostern?

    Noch trauriger ist das Schicksal der sogenannten Milchlämmer. Gerade mal zwei Monate alt, werden sie bereits zum Schlachter geführt.

    Kaum im Leben angekommen, enden sie als Festbraten auf dem Tisch.

    Besonders makaber: Ihr Fleisch gilt als besonders zart – und wird genau damit beworben. Dass da eigentlich ein Tierbaby dahintersteckt, wird gerne ausgeblendet.

    Lamm
    Ein wenige Monate altes Lamm springt verspielt über die Wiese. Schon seltsam, dass es für uns ganz normal ist, so ein Tierbaby zu essen. - Depositphotos

    Dass wir ausgerechnet das Tier essen, das symbolisch für Unschuld steht – und im biblischen Kontext als Sinnbild für Reinheit und Opfer gilt – ist kein Zufall.

    Seit dem Alten Testament steht das Lamm für das schuldlose Wesen, das geopfert wird. Dieses Narrativ haben wir bis heute unreflektiert in unsere Esskultur übernommen.

    Sonnenschein statt Backofen

    Dabei braucht’s kein Lamm für ein schönes Osterfest. Eigentlich überhaupt kein Fleisch. Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der Tiere einem Gott geopfert werden müssen.

    Warum also an einem Ritual festhalten, das längst überholt ist?

    Man kann das Fleisch einfach weglassen oder eine der vielen pflanzlichen Alternativen auf den Tisch bringen.

    Und sich stattdessen auf das konzentrieren, was uns echte Freude bringt: Zusammensein mit Freunden und Familie. Und das Feiern eines Neubeginns – ob religiös, symbolisch oder einfach nur, weil man das Feierabendbier endlich wieder im Garten trinken kann.

    Osterlamm vegan Kuchen
    Das Osterlamm gibt es in vielen Variationen – auch als Kuchen. - Depositphotos

    Traditionen haben zweifellos ihren Charme. Dazu gehört auch das Osterfest.

    Aber: Traditionen dürfen – nein, sie müssen – weitergedacht werden. Gerade dann, wenn andere, in diesem Fall das Tier, wegen unserer Gewohnheiten leiden müssen.

    Und wer an Ostern partout nicht auf das Lamm verzichten will, kann auch zur süssen, veganen Variante greifen. Etwa aus Marzipan oder als Kuchen.

    Das echte Lämmchen geniesst derweil lieber den Frühling auf der Wiese und ein bisschen Sonnenschein, statt im Backofen vor sich hinzuschmoren.

    Zur Person: Mirjam Walser (38) schreibt auf Nau.ch regelmässig zum Thema Veganismus und Tierrechte. Als Coach und Gründerin der Vegan Business School ist sie Expertin für veganes Unternehmertum und vegane Innovationen.

    Kommentare

    User #3537 (nicht angemeldet)

    Kluge Menschen essen kein Fleisch. Wissenschaftler der University of Southampton hatten in ihrer Studie 4222 Frauen und 3948 Männer im Alter von 30 Jahren nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt, deren Intelligenzquotient bestimmt worden war, als sie 10 Jahre alt waren. Den Zusammenhang mit der Intelligenz hatten die Forscher sehr schnell ermittelt: Je höher der IQ im Kindesalter, umso größer sei die Wahrscheinlichkeit, sich als ohne tierische Produkte zu ernähren, schreiben Catharine Gale und ihre Kollegen im Fachblatt "British Medical Journal". Diese Erkenntnis stimme mit früheren Studien überein, in denen ein klarer Zusammenhang von IQ und gesünderer Lebensweise klar nachgewiesen worden war.

    User #1389 (nicht angemeldet)

    Also das empfohlene Marzipanlamm ist sehr zuckerhaltig, sehr Ungesund und führt zu Diabetes. Da bleibe ich beim gesunden und zarten Fleisch von der Alpweide.

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