Im «Mental Health Awareness Month» Mai warnt Marc Rüdisüli, Präsident Die Junge Mitte, vor der Situation in der Schweiz. Ein Gastbeitrag.
Mental Health
Marc Rüdisüli und die Junge Mitte Schweiz machen sich stark für «Mental Health». - Zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Die «Mental Health» von Jugendlichen leidet an sozialem Druck und den Folgen der Pandemie.
  • Marc Rüdisüli, Präsident Die Junge Mitte Schweiz, fordert einen Ausbau des Hilfsangebots.

«Mental Health» ist ein kostbares Gut, welches in der Hektik des Alltags oftmals vergessen geht. Dies, obwohl sich die psychische Gesundheit stark auf die körperliche und emotionale Befindlichkeit auswirkt. Psychische Instabilität führt zu grösseren Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen und erhöhter Selbstmordgefahr.

Mögliche Ursachen dafür sind vielfältig. Sie können auf Vererbung, instabile Familienverhältnisse, ein traumatisches Erlebnis oder oftmals eine Kombination von Gründen zurückzuführen sein. Der permanente Leistungsdruck in der Schule, Lehre, Universität oder auch am Arbeitsplatz kann die Mental Health ebenfalls belasten.

«Mental Health» von Jugendlichen leidet

Diese Last kennen Jugendliche und junge Erwachsene in der Schweiz nur zu gut. Zusätzlich ist besonders die junge Generation durch Social Media ständigen Vergleichen des eigenen Körpers, Aussehens oder Lebensstils ausgesetzt.

Diese permanente Belastung führt bei Jugendlichen neben den alltäglichen Sorgen des Erwachsenwerdens zu psychischen Leiden. Auch deswegen verzeichnete die Schweiz bereits vor Ausbruch des Coronavirus eine überdurchschnittlich hohe Suizidrate unter Jugendlichen.

Hat dich die Pandemie belastet?

Die Pandemie katalysierte die bereits bestehenden Probleme zusehends. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die «Mental Health» von Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders an den Folgen der Corona-Krise litt. Vor allem die sozialen Einschränkungen und die erhöhte Mediennutzung während der Pandemie haben bei den jungen Generationen ihre Spuren hinterlassen.

Ärzteschaft warnt vor Engpässen

Der verbreitete Einzug des Homeoffice und Onlineunterrichts liess die Grenzen zwischen dem Privat- und Arbeits- oder Schulleben weiter verschwimmen. Mit dem stets griffbereiten Smartphone kann schnell noch ein Mail verschickt, ein Anruf gemacht oder eine Nachricht gelesen werden. Dies auch wenn man nicht am Arbeiten oder in der Schule ist.

Das Thema «Mental Health» wird in der Gesellschaft häufig tabuisiert. Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen fällt es oft schwer, über ihre Belastungen zu sprechen und sich professionelle Hilfe zu suchen. Doch sogar, wenn man seine Situation von Fachkundigen abklären lassen möchte, ist dies momentan kaum in angemessenem Zeitrahmen möglich.

Die Wartelisten in den Kinder- und Jugendpsychiatrien wachsen im ganzen Land an. Die Ärzteschaft und Fachverbände warnen bereits seit Jahren vor der sich zuspitzenden Lage. Solche Warnrufe verhallten jedoch grösstenteils ungehört.

Mental Health
Die «Mental Health» von Jugendlichen und Kinder leidet, wenn die richtige Unterstützung fehlt. - pexels

Dies, obwohl die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen teilweise dermassen ungenügend ist, dass sie in Erwachseneninstitutionen untergebracht werden müssen. Eine rasche und kompetente Behandlung von «Mental Health»-Problemen ist so nicht möglich. Dies spannt die Situation weiter an. Leidtragende sind Jugendliche und Kinder.

Junge Mitte Schweiz fordert Ausbau des Hilfsangebots

Die Junge Mitte fordert deshalb eine unbürokratische Verbesserung und einen raschen Ausbau der niederschwelligen Hilfs- und Therapieangebote bei «Mental Health»-Problemen. Die Beratungskanäle müssen überall und auch in den Spitzenzeiten für alle erreichbar sein. Zudem müssen die Versorgungsstrukturen in der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie gestärkt und ausgebaut werden. Diese läuft bereits seit vielen Jahren über der Belastungsgrenze und muss deshalb entlastet werden

Langen Wartezeiten für ambulante und stationäre Behandlungen erhöhen die Gefahr, dass sich akute psychische Probleme zu chronischen psychischen Störungen verschlimmern. Diese dann zu therapieren, kostet weitaus mehr als die präventive Stärkung des Erstangebots. Die «Mental Health» der jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft darf kein weiterer Budgetposten sein, der nach Belieben gekürzt werden kann.

Doch das beste Angebot nützt nichts, wenn die Betroffenen nicht wissen, dass es vorhanden ist. Fast die Hälfte der Jugendlichen kennen die Anlaufstellen nicht, die sie bei einer psychischen Überbelastung unterstützen würden. Dieser Wert ist alarmierend! Es braucht zusätzliche Mittel, um die niederschwelligen Erstberatungen bekannter zu machen.

Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen psychische Belastungen ansprechen und behandeln. Helfen wir früh genug, um langfristige Konsequenzen zu verhindern und Betroffenen die Last zu erleichtern. Wir müssen jetzt die Probleme der jungen Generationen ernst nehmen und mehr Ressourcen in sie investieren.

Brauchst du Hilfe?

Hier kannst du dich melden: Dargebotene Hand, Online-Beratung für Jugendliche mit Suizidgedanken oder Angebot der Pro Juventute.

Zur Person

Marc Rüdisüli ist 23 Jahre alt und Präsident von Die Junge Mitte Schweiz.

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