Oberland

    Jürg Grossen (GLP): Rekord bei Schweizer Solarstrom-Produktion

    14 Prozent Solarstrom – GLP-Nationalrat Jürg Grossen sieht die Schweiz auf einem erfolgreichen Weg mit den erneuerbaren Energien. Ein Gastbeitrag.

    Jürg Grossen
    Jürg Grossen ist Unternehmer und Nationalrat GLP. - zVg

    Das Wichtigste in Kürze

    • 14 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs stammen heutzutage aus Solarenergie – ein Rekord.
    • Die Blackout-Initiative und der Gegenvorschlag seien der falsche Weg für die Schweiz.
    • Der Weg der erneuerbaren Energien müsse fortgeführt werden, findet Nationalrat Grossen.

    Die Scheinwerfer eines Polizeiautos beleuchten eine Tankstelle, rundherum Dunkelheit. Wohnungen ohne Licht, ohne Heizung, ohne warmes Wasser. Läden geschlossen.

    Wer sein Handy oder ein Hörgerät laden will, muss in andere Stadtteile fahren. So erlebten Zehntausende Menschen in Teilen Berlins mehrere Tage ohne Strom.

    Mit Blick auf solche Ereignisse dürfen wir schätzen, wie stabil unsere Stromversorgung funktioniert. Auch bei uns sind Störungen nie ausgeschlossen.

    Doch eines ist klar: Die Schweizer Stromversorgung ist in den letzten Jahren robuster geworden – nicht trotz, sondern wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien.

    Solarstrom
    Soloarstrom gewinnt in der Schweiz auch weiterhin an Bedeutung. - Pixabay

    Zwar ist die inländische Stromproduktion 2025 gegenüber dem Rekordjahr 2024 gesunken. Hauptgründe waren der über siebenmonatige Ausfall des AKW Gösgen – das zuvor rund 13 Prozent des Jahresbedarfs deckte – sowie ein trockenes Jahr für die Wasserkraft.

    Ohne den starken Zubau bei der Photovoltaik wäre 2025 das schwächste Stromproduktionsjahr der letzten 20 Jahre gewesen.

    Heute stammen 14 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs aus Sonnenenergie. Vor fünf Jahren waren es erst 5 Prozent. Solarstrom hat 2025 Produktionsausfälle abgefedert, Importe reduziert und das System – auch dank der heute üblich mitinstallierten Batterien – stabilisiert.

    Rund ein Drittel der PV-Produktion fällt im Winterhalbjahr an – sie ersetzt dort keine Speicher, entlastet aber das Gesamtsystem und schont die Speicherwasserkraft spürbar.

    Blackout-Initiative und Gegenvorschlag nicht sinnvoll

    Solar und Wasserkraft bilden deshalb gemeinsam das «Dreamteam» der Schweizer Stromversorgung.

    Solar produziert Strom direkt an Gebäuden, wo er verbraucht und gespeichert wird, und liefert dann, wenn Speicherseen geschont werden können. Und Wasserkraft springt ein, wenn Sonne, Laufwasserkraft und Wind weniger produzieren.

    Dieses Zusammenspiel macht das System widerstandsfähig gegenüber Ausfällen einzelner Kraftwerke.

    akw beznau
    Das AKW Beznau ist das älteste der Schweiz. 2033 soll es stillgelegt werden. Neue AKWs braucht es nicht, findet Nationalrat Grossen. - keystone

    Atomkraftwerke hingegen produzieren ständig Strom – wie ein Wasserhahn, den man nicht zudrehen kann. Auch Strom, der zur falschen Zeit anfällt, verursacht Kosten. Neue AKW würden die Stromversorgung deshalb verteuern, ohne sie robuster zu machen. Darum sind Blackout-Initiative und Gegenvorschlag der falsche Weg.

    Und reicht der Strom trotz E-Autos, Wärmepumpen und Rechenzentren für KI? Ja.

    Der Schweizer Stromverbrauch lag 2025 auf dem Niveau von vor 20 Jahren – trotz 1,5 Millionen mehr Einwohnerinnen und Einwohnern, 40 Prozent Wirtschaftswachstum, 260’000 Elektroautos, 1500 E-Lastwagen, 100 Rechenzentren und über 500’000 Wärmepumpen.

    Erneuerbare Energien weiter ausbauen

    Effizienz und Innovation wirken spürbar. Der Stromverbrauch wird sich zwar erhöhen, wenn alle auf E-Autos und Wärmepumpen umsteigen und noch mehr Rechenzentren gebaut werden. Aber dank der Effizienzanstrengungen bleibt der Anstieg überschaubar und die Energiewende umsetzbar.

    Braucht die Schweiz mehr Atomstrom zur Versorgungssicherheit?

    Wer Versorgungssicherheit, bezahlbare Energie und Klimaschutz will, sollte den erfolgreichen Weg mit erneuerbaren Energien entschlossen weitergehen.

    Zum Autor

    Jürg Grossen (*1969) ist Nationalrat und Präsident der GLP. Grossen ist von Beruf Elektroplaner und seit 1994 Unternehmer.

    Kommentare

    User #4184 (nicht angemeldet)

    Von einer Stabilisierung des Stromsystems durch Solarstrom kann aber keine Rede sein. Richtig ist das Gegenteil. Weil Solaranlagen völlig zufällig Strom ins Netz speisen, werden Noteingriffe immer häufiger. So musste die nationale Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid 2024 insgesamt 660 Gigawattstunden Energie für sogenannte Redispatch-Eingriffe einsetzen

    User #3118 (nicht angemeldet)

    Herr Grossen sollte endlich Hand bieten, dass grosse Agri-PV Solarkraftwerke gebuat werden können, welche in das 110kV Netz einspeisen und damit die Schweizer Heirat von Wasserkraft und Solarenergie kostengünstig umgesetzt wird. Für jedes Watt auf dem Hausdach müssen damit damit 95% wenige Kupfer in den Boden verlegt werden. Damit wird der Netzausbau massiv günstiger und für alle bezahlbar.

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