Lena Allenspach und Barbara Keller plädieren für eine Arbeitszeitverkürzung, wie sie schon andere Länder eingeführt haben. Ein Gastbeitrag.
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Lena Allenspach und Barbara Keller. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • Lena Allenspach und Barbara Keller sind Stadtberner SP-Politikerinnen.
  • Sie fordern mehr Zeitautonomie für Arbeitnehmende und eine Arbeitszeitverkürzung.

Wir verbringen den Grossteil unseres Lebens mit Arbeit. Bezahlt oder unbezahlt. Gleichzeitig steigen die gesundheitlichen Probleme am Arbeitsplatz, Stellen verschwinden und die Arbeitskämpfe verschieben sich in die Plattformökonomie.

Die Lösung für eine bessere Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit steht schon lange im Raum und in einigen Ländern wird sie bereits umgesetzt: Wir brauchen eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Die Idee ist nichts Neues. War doch bereits am Landesstreik von 1918 die 40-Stunden-Woche eine Forderung der Sozialdemokratie. Seit dem erreichten Fortschritt ist die Normal-Arbeitszeit nicht mehr gesunken, die Produktivität jedoch gestiegen.

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Menschen arbeiten gemeinsam an einem Bürotisch. - Pexels

Was hält uns davon ab, die Bedingungen für die Arbeitnehmenden zu verbessern und damit Arbeit besser zu verteilen? Ein Mythos. Wir räumen mit den Gegenargumenten zur Arbeitszeitverkürzung auf.

Unternehmen können sich eine Arbeitszeitverkürzung leisten

Beginnen wir mit der Produktivität, denn das scheint in der Schweiz die grösste Sorge zu sein. Eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnkürzung. Wie geht das auf und wer soll sich das leisten können? Zahlreiche Studien belegen, dass durch tiefere Wochenarbeitszeit bspw. durch die 4-Tage-Woche die Zufriedenheit und die Produktivität der Arbeitnehmenden steigt.

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Ein Mann schaut während dem Arbeiten an seinem Laptop auf seine Uhr. - Pixabay

90% der Arbeitnehmenden in Island arbeiten heute bereits in einer 4-Tage-Woche. Und das mit grossem Erfolg. Auch IT- und Kommunikations-Unternehmen in einigen europäischen Ländern versuchen sich u.a. an der 25-Stunden-Woche, ebenfalls erfolgreich. Währenddessen verlangen in der Schweiz Bürgerliche die Ausdehnung der Wochen- und Jahresarbeitszeit unter dem Deckmantel der Flexibilisierung. Statt unsere Arbeitswelt tatsächlich zu modernisieren, werden von den Gewerkschaften erkämpfte gesellschaftliche Errungenschaften infrage gestellt.

Das Resultat? Sie belasten Arbeitnehmende und damit am Ende das System. Kosteneinsparungen? Von wegen. Ganz nach dem Motto: Profite privat, die Kosten dem Staat.

Die Arbeitszeitfrage im Homeoffice

Auch während der Coronavirus-Pandemie bleibt die Arbeitszeit die treibende Kraft, wenn es um die Vereinbarung von Privatleben und Arbeit, sowie um die Gesundheit der Arbeitnehmenden geht. Dies geht aus einer gfs-Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft syndicom hervor: Das zentrale Anliegen liegt bei der Ausgestaltung der Arbeitszeit. Arbeitnehmende wünschen sich mehr Zeitautonomie.

Diese erhalten sie mit konkreten Massnahmen wie einer Verkürzung der effektiven wöchentlichen Arbeitszeit. Auch hier wünschen sich bürgerliche Kräfte die Arbeitszeit im Homeoffice auszuweiten. Angeblich damit das Kind aus der Kita abgeholt werden kann und um 22 Uhr noch ein paar Mails beantwortet werden dürfen.

Telearbeit homeoffice
Eine Person arbeitet im Homeoffice. - dpa

Eine solche Entgrenzung der Arbeit ist nicht, was die Arbeitnehmenden wollen. Und alle die bereits im Homeoffice gearbeitet haben wissen, dass eine klare Abgrenzung von Arbeit und Privatleben essenziell ist für die eigene Zufriedenheit und Gesundheit.

Mehr Gleichstellung durch neue Arbeitszeitmodelle

Ein weiterer wichtiger Effekt einer Arbeitszeitverkürzung: Bye Bye Gender-Time-Gap oder anders gesagt, die Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit sowie die Besserstellung der Frau im Arbeitsmarkt. Die EU-Arbeitskräfteerhebung zeigt auf, dass zwischen der wöchentlichen Arbeitszeit von Frau und Mann massive Unterschiede bestehen. Frauen arbeiten mehr Teilzeit als Männer, Tendenz steigend.

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Eine Gruppe demonstriert vor dem Bundeshaus für gleiche Löhne. - Keystone

Die Auswirkungen auf Karriere und Altersvorsorge sind dabei frappant. Um diese Ungleichheiten auf politischer Ebene zu beseitigen, braucht es einerseits eine umfassende Elternzeit - auch dies ein Arbeitszeitmodell. Andererseits kann aber auch die Reduktion der Wochenarbeitszeit Abhilfe schaffen: Negative Aspekte der Teilzeitarbeit können vermieden und die Arbeit besser zwischen den Elternteilen verteilt werden.

Indem eine Arbeitszeitreduktion ohne Lohnkürzung ermöglicht wird, kann wesentlich zur besseren Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf sowie zum Schliessen des Gender-Time-Gaps beigetragen werden.

Worauf warten wir also noch? Für die Arbeitswelt von morgen, für eine effektive Arbeitszeitverkürzung.

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