«Es gibt einen legitimen Anspruch auf kinderfreie Orte»

    Verena E. Brunschweiger
    Verena E. Brunschweiger

    Aarau,

    «Man sollte Betreiberinnen von kinderfreien Cafés und Campingplätzen unterstützen – und ihnen danken», schreibt Verena Brunschweiger in ihrer Kolumne.

    Verena Brunschweiger.
    Verena Brunschweiger schreibt regelmässig auf Nau.ch Kolumnen. - zVg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Dr. Verena E. Brunschweiger schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
    • Heute schreibt Brunschweiger über Adults-Only-Bereiche und Kindergeschrei in Cafés.

    Anfang Jahres berichtete Nau.ch über den Schweizer Campingplatz, der sich erdreistet hatte, einen Adults-Only-Bereich auszuweisen.

    Wohlgemerkt, einen Bereich, nicht den gesamten Campingplatz. Aber wie gewohnt laufen empörte Eltern ja schon Sturm, wenn sie irgendwo auf einem Areal von einem Quadratkilometer einen einzigen Nanometer wittern, der eventuell kinderfreien Menschen vorbehalten sein könnte.

    Das kann nicht sein, das darf nicht sein!

    Camping Lazy Rancho
    Ein Teil des Campings Lazy Rancho in Unterseen bei Interlaken ist nur noch für Erwachsene. - zVg/Camping Lazy Rancho

    Keiner anderen gesellschaftlichen Gruppe wird so regelmässig und so vehement die Berechtigung ihrer blossen Bedürfnisse abgesprochen wie der Minderheit der kinderfreien Leute.

    Sollte es mehr kinderfreie Orte geben?

    Aufruhr wegen Aarauer Café

    Erst ein paar Wochen zuvor gab es einen erwartbaren Aufruhr, weil ein Café in Aarau sich angemasst hatte, ebenfalls den Charakter des Cafés nicht hundertprozentig in den einer Kita, eines Spielplatzes oder eines Kindergartens mutieren zu lassen.

    Man fragt sich schon, wo das Verbrechen liegt, wenn man verstanden hat, dass die ursprüngliche Idee eines Cafés ist, Menschen zu bewirten, die sich mit jemandem unterhalten. Oder etwas lesen wollen, während sie ein Heissgetränk schlürfen.

    aarauer cafe
    Aarauer Café schliesst Kinder aus. - depositphotos / Screenshot Google Maps

    Und eben nicht Dreijährige mit einem verständlicherweise enormen Bewegungsdrang, die am gepflegten Parlieren so gar kein Interesse haben. Was aber ihre Eltern nicht davon abhält, sie anti-kindgerecht zu behandeln und ihnen einen Café-Besuch zuzumuten, während sie drei Stunden an einem stillen Wasser nippen.

    Mehr Verständnis in Grossbritannien

    In Grossbritannien gibt es Eltern, welche oft selbst mal gern ihre Ruhe geniessen. Und ein kinderfreies Etablissement aufsuchen, während sich ein Babysitter um die Kinder kümmert, und das auch online kundtun. Sie haben Verständnis für den überall steigenden Bedarf an kinderfreien Orten.

    Kinderfreie Restaurants gebasht

    Zoe Williams, selbst mehrfache Mutter, schrieb ja nicht umsonst im «Guardian»: «Ich komme nicht hierher, um mich an den Kindern anderer Leute zu erfreuen.»

    Sie wünscht sich mehr kinderfreie Pubs und Restaurants. Eine Haltung, die in England durchaus in ist.

    Williams ist nicht die Einzige – in allen möglichen Organen plädieren britische Journalist:innen dafür, auch die Belange und Wünsche kinderfreier Menschen ernst zu nehmen. Und eventuell sogar zu erfüllen.

    Verena Brunschweiger
    Autorin Verena Brunschweiger. - Nau.ch

    Lieber Erziehung als Online-Hate

    Im deutschsprachigen Raum fällt hingegen betrüblicherweise vor allem die Gruppe Eltern auf, die Zeit, welche sie besser in Erziehung investieren sollte, stattdessen in Online-Hate steckt.

    Da werden kinderfreie Restaurants gebasht, was das Zeug hält. Tolles Vorbild für selbige Kinder!

    Zur Autorin

    Dr. Verena E. Brunschweiger, Autorin, Aktivistin und Feministin, studierte Deutsch, Englisch und Philosophie/Ethik an der Universität Regensburg. 2019 schlug ihr Manifest «Kinderfrei statt kinderlos» ein und errang internationale Beachtung.

    Dabei sollte man die Betreiberinnen der kinderfreien Cafés und Campingplätze supporten. Und ihnen ein herzliches Dankeschön dafür schenken, dass sie die Bedürfnisse einer dauerdiskriminierten Gruppe berücksichtigen.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #4363 (nicht angemeldet)

    Das Niveau lässt zu wünschen übrig. Wo lernt man dieses Niveau ? An der Uni hoffentlich nicht..

    User #5854 (nicht angemeldet)

    Zusammenfassung des neuesten Brunschweiger Artikels: "ICH, MICH, MEIN" !

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