Bigler: «Stromversorgung sichern ist wichtiger als linke Ideologie»

Hans-Ulrich Bigler
Hans-Ulrich Bigler

Knonaueramt,

«Träumereien rund um die Sicherstellung der Stromversorgung haben ein Ende», schreibt Kolumnist Hans-Ulrich Bigler.

Hans-Ulrich Bigler
Hans-Ulrich Bigler. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Alt Nationalrat Hans-Ulrich Bigler (SVP) schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch.
  • Heute äussert sich Bigler über Kernkraftwerke und Stromversorgung.
  • Ohne staatliche Unterstützung werde es nicht gehen, sagt Bigler.

Der Axpo-CEO hielt dieser Tage klipp und klar fest: «Neue Kernkraftwerke sind technologisch und finanziell machbar.» Die Aussage basiert auf den erstellten «Energy Reports».

Linken Träumern, die stur behaupten Kernenergie sei zu teuer und mit dem Antiatomkleber aus der Kindergartenzeit herumirren, wird damit eine Absage erteilt.

Strommangellage grösstes Risiko

Eine nüchterne Feststellung zu Beginn. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz stuft eine Strommangellage als grösstes Risiko für die Schweiz ein.

Höher als dasjenige einer Pandemie – und was uns Covid gekostet hat, ist hinlänglich bekannt. Je nach Dauer und Massnahmen wäre der Schaden für Wirtschaft und Gesellschaft immens.

Machst du dir Sorgen um den Strom?

Trotzdem diskutiert die Schweiz ihre Energiezukunft oft mit viel Wunschdenken und zu wenig Realismus. Dabei ist die Ausgangslage klar: Im Winter fehlt uns schon heute Strom. Und diese Lücke wird grösser.

Die Gründe sind bekannt. Elektroautos, Ersatz von Ölheizungen durch Wärmepumpen, Bevölkerungswachstum, Digitalisierung und Rechenzentren treiben den Verbrauch nach oben.

Gleichzeitig fällt mit dem Ausstieg aus der Kernenergie ein bedeutender Teil der heutigen Winterstromproduktion weg. Was heute noch knapp funktioniert, wird morgen zur echten Herausforderung.

Solarenergie löst Winterproblem nur begrenzt

Wer jetzt glaubt, diese Lücke lasse sich einfach mit mehr erneuerbaren Energien schliessen, verkennt die Realität. Der Ausbau von Solarenergie ist wichtig und richtig. Aber er löst das Winterproblem nur begrenzt. Gerade dann, wenn der Bedarf am höchsten ist, ist die Produktion am tiefsten.

Grund genug für die Axpo, um in ihren «Energy Reports» eine umfassende Lagebeurteilung zu machen. Und vielversprechende Lösungsansätze aufzuzeigen.

Fazit 1: Die Versorgung ist dann langfristig gesichert, wenn alle Optionen ernsthaft geprüft werden.

Fazit 2: Der Winter wird zum eigentlichen Stresstest unseres Energiesystems. Und Kernenergie muss auf jeden Fall eine gewichtige Rolle spielen.

Eine zentrale Erkenntnis ist unmissverständlich: Der langfristige Betrieb der bestehenden Kernkraftwerke ist unabdingbar. Sie liefern genau dann Strom, wenn wir ihn brauchen – zuverlässig, unabhängig vom Wetter und zu den tiefsten Kosten.

Und vor allem: Klima-freundlich mit einem Minimum an CO2-Ausstoss.

strom solar
Strom aus Solarenergie ist gefragt. - Ng Han Guan/AP/dpa

Tausend zusätzliche Windräder und neue Gaskraftwerke?

Für die Zukunft stehen zwei Wege zur Wahl. Der erste setzt – neben dem Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke – auf einen massiven Ausbau von erneuerbaren Energien, vor allem Wind, und auf klimaschädigende Gaskraftwerke. Konkret bedeutet das: Etwa tausend zusätzliche Windräder und neue Gaskraftwerke.

Das ist technisch möglich, aber politisch und gesellschaftlich gelinde gesagt anspruchsvoll, um nicht zu sagen, fast unmöglich.

Schon heute sind 60 Prozent der Projekte mit Windenergie mit langjährigen Einsprachen konfrontiert. Gaskraftwerke wiederum stehen mit ihren CO₂-Emissionen im krassen Widerspruch zu den klimapolitischen Zielen der Schweiz.

Der zweite Weg ergänzt diesen Ausbau durch zwei neue Kernkraftwerke. Gleichzeitig bleiben die bestehenden Anlagen möglichst lange am Netz mit Laufzeiten von bis zu rund 80 Jahren, und werden schrittweise ersetzt. So wird das bestehende System weiterentwickelt, statt es abrupt zu ersetzen.

Der Unterschied ist entscheidend

Neue Kernkraftwerke reduzieren den Ausbaubedarf bei allen anderen Technologien deutlich. Gemäss Axpo ist dieser Weg sogar insgesamt kostengünstiger.

Es geht also nicht um ein Entweder-Oder zwischen Technologien. Es geht um die Frage, wie wir die Versorgung im Winter zuverlässig sichern. Und wie viel zusätzliche Infrastruktur wir dafür tatsächlich brauchen.

Neue Kernkraftwerke sind anspruchsvoll, insbesondere bei der Finanzierung. Ohne staatliche Unterstützung wird es nicht gehen.

Aber das gilt für alle Formen der Stromproduktion. Jede Technologie ist heute auf politische Rahmenbedingungen angewiesen – sei es durch Förderinstrumente, Investitionssicherheit oder regulatorische Vorgaben.

Bestehendes Neubauverbot für Kernkraftwerke aufheben

Gerade deshalb braucht es jetzt einen ersten, verantwortungsvollen Schritt: Das bestehende Neubauverbot für Kernkraftwerke aufheben, wie es bereits der Ständerat beschlossen hat. Nicht, um morgen zu bauen, sondern um überhaupt wieder entscheiden zu können.

Wer diese Option blockiert, blockiert auch einen Teil der Lösung.

Kernkraftwerk Gösgen
Das Kernkraftwerk Gösgen. - Keystone

Als nächstes ist der Nationalrat gefordert. Die Schweiz muss ihre Energiezukunft realistisch und technologieoffen gestalten können.

Dazu gehört auch der Mut, bisherige Grundsätze zu hinterfragen und neue Wege zu ermöglichen. Wer heute Optionen ausschliesst, nimmt morgen Engpässe in Kauf. Wer heute handelt, schafft Sicherheit für die nächsten Jahrzehnte.

Die Schweiz hat das Know-how, die Technologien und die wirtschaftliche Stärke, ihre Stromversorgung zu sichern. Was jetzt zählt, ist der politische Wille, diese Möglichkeiten auch zu nutzen.

Hans-Ulrich Bigler Eth Zürich
Hans-Ulrich Bigler schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - Nau.ch

Zur Person

Hans-Ulrich Bigler ist Ökonom und war von 2008 bis 2023 Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV). Er ist im Vorstand mehrerer Verbände und sass von 2015 bis 2019 für die FDP im Nationalrat. Heute ist Bigler SVP-Mitglied.

Kommentare

User #5039 (nicht angemeldet)

Rechte Ideologie soll besser sein? Das Volk hat gesagt: NEIN ZU AKW‘s!! Und was macht die SVP? AKWs bauen🤦‍♂️🤦‍♂️🤦‍♂️🤦‍♂️

User #1642 (nicht angemeldet)

Die SVP, voll daneben. Ist ja nur seltsam, das Skandinavien und sogar Ägypten und die haben auch im Winter Schnee in höheren Lagen, es mit der Solarenergie bestens können, und die verbrauchen wahrlich viel Strom.

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