Zürcherin verwandelt sich in Comic- und Game-Figuren
Die Zürcherin Lavi Harley verwandelt sich mit viel Aufwand in Comic-, Game- und Horrorfiguren. Ende September ist sie an der Zurich Pop Con zu Gast.

Wenn Lavi Harley über Cosplay spricht, fällt immer wieder ein Satz: «Es ist einfach schön, das Strahlen in den Kinderaugen zu sehen, wenn wir als ihre Lieblingsfiguren auftauchen.» Solche Momente dürfte die 29-jährige Zürcherin auch Ende September wieder erleben.
Dann verwandelt sich die Messe Zürich an der Zurich Pop Con für zwei Tage in eine bunte Welt aus Games, Comics, Anime, Manga und Film. Mittendrin sind Hunderte Cosplayerinnen und Cosplayer wie Lavi.
Doch was ist Cosplay überhaupt? Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern «costume» und «play» zusammen, also Kostüm und Spiel. «Cosplayer versuchen, fiktionale Figuren möglichst überzeugend darzustellen», erklärt Lavi.
Dabei gehe es um weit mehr als nur um ein Kostüm. Auch Perücke, Schminke, Accessoires, Haltung, Mimik und Auftreten gehören dazu. Trotzdem hört Lavi immer wieder einen Vergleich: «Das ist doch einfach Fasnacht.»
Sie sieht das anders, auch wenn sie grossen Respekt vor den aufwendig hergestellten Fasnachtskostümen habe. Beim Cosplay gehe es aber eben darum, eine ganz bestimmte Figur möglichst detailliert zum Leben zu erwecken.
Inspiration Harley Quinn
Lavi entdeckte diese Leidenschaft vor zwölf Jahren durch ein anderes grosses Hobby: Comics. 2014 besuchte sie die Comicbörse im Zürcher Volkshaus und begegnete dort erstmals Cosplayerinnen und Cosplayern.

«Plötzlich sieht man einen Charakter, den man nur gezeichnet kennt, live vor sich. Das fand ich mega cool.» Aus der Neugier wurde bald ein ehrgeiziges Projekt. Im letzten Schuljahr stand eine Abschlussarbeit an und Lavi entschied sich für Cosplay.
Sie fertigte ihr erstes eigenes Kostüm an und wählte dafür Harley Quinn, allerdings nicht in einer bekannten Version aus Comic oder Film, sondern als eigene Steampunk-Interpretation. Genau das fasziniert Lavi bis heute: Die Figur soll zwar an das Original angelehnt sein, lässt sich aber gleichzeitig neu erfinden.
Dass ihre Wahl auf Harley Quinn fiel, war kein Zufall. Die durchgeknallte Figur aus dem Batman-Universum gehört bis heute zu Lavis Lieblingen, der Film «Suicide Squad» zu ihren Favoriten. Auch ihr Künstlername Lavi Harley erinnert an die Bösewichtin.
«Bei Frauen wird schnell einmal erwartet, Schneewittchen oder irgendeine Prinzessin darzustellen. Harley Quinn ist das genaue Gegenteil davon.» Inzwischen reicht ihr Repertoire aber weit darüber hinaus.
Neben Comic- und Gamefiguren reizen sie beispielsweise Horrorcharaktere. So war sie bereits als Pennywise aus den «Es»-Filmen oder als Ghostface aus den «Scream»-Streifen unterwegs.

Die Umsetzung verlangt allerdings einiges an Geduld und Kreativität. Gerade Figuren in Videospielen tragen teilweise gewaltige Rüstungen oder Kleidungsstücke, die am Bildschirm fantastisch aussehen, in der Realität aber kaum funktionieren.
«Wie bringe ich etwas hin, das eigentlich gar nicht real ist?», beschreibt Lavi eine der grössten Herausforderungen. Dann heisst es ausprobieren, tüfteln und improvisieren. Das Nähen hat sie sich selbst beigebracht.
Ihre Kostüme stellt sie im Normalfall komplett selbst her, nur selten ergänzt sie diese mit gekauften Teilen. An besonders anspruchsvollen Outfits arbeitet sie mehrere Monate, häufig sind mehrere Projekte gleichzeitig in Arbeit.
Beim Styling und Schminken hilft ihr ihre Mutter. Alles geschieht als Hobby, und zwar eines, das nicht gerade günstig ist. Doch die Leidenschaft überwiegt.
Eine coole Community
Doch Cosplay bedeutet für Lavi längst nicht nur Kostüme herzustellen und Figuren darzustellen. Mindestens so wichtig ist ihr die Gemeinschaft. «Die Leute sind mega süss und sehr offen.»
Besonders schön findet sie es, wenn Neulinge erstmals in die Szene eintauchen. Konkurrenzdenken spüre sie kaum, stattdessen würden erfahrenere Cosplayer Tipps geben. «Man hilft sich gegenseitig. Und man lernt selbst immer dazu.»

Am 26. und 27. September wird diese Gemeinschaft in der Messe Zürich besonders sichtbar. Dann findet die Zurich Pop Con & Game Show statt. Im vergangenen Jahr zählte sie 46 000 Besucherinnen und Besucher.
In sieben Hallen und auf über 30’000 Quadratmetern treffen Gaming, Comics, Anime, Manga, Film und Popkultur aufeinander. Lavis Kunstform hat mit einer eigenen «Cosplay Village» einen festen Platz.
Welchen Charakter Lavi dieses Jahr an der Messe verkörpern wird, verrät sie noch nicht. Schliesslich gehört auch das Unerwartete zum Spiel: «Ich bin so etwas wie ein Überraschungsei».
Und vielleicht trifft sie dann jemanden, der zum ersten Mal erlebt, wie seine liebste Figur aus einem Game oder Comic plötzlich lebendig vor ihm steht. So wie es bei Lavi vor zwölf Jahren im Volkshaus der Fall war.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








