Zürcher Langstrasse droht «zur Geisterstadt zu werden»
Rund um die Zürcher Langstrasse entstehen derzeit viele neue Wohnungen – viele davon zu Spitzenmieten. Die Entwicklung könnte das Nachtleben vertreiben.

Das Wichtigste in Kürze
- Über 200 neue Wohnungen entstehen im Zürcher Kreis 4.
- Mieten bis fast 6000 Franken verändern das Quartier rund um die Langstrasse drastisch.
- Die Kulturszene fürchtet eine Verdrängung des Nachtlebens.
Das Quartier rund um die Langstrasse gilt seit Jahrzehnten als Zentrum des Zürcher Nachtlebens – mit Clubs, Bars, Rotlichtmilieu und einer sichtbaren Drogenszene. Trotz stark steigender Bodenpreise blieb die Gegend lange «beruhigungsresistent».
Doch nun zeichnet sich laut dem «Tages-Anzeiger» ein neuer Gentrifizierungsschub ab. Zahlreiche Häuser werden totalsaniert oder neu gebaut.
Insgesamt entstehen im Quartier laut der Zeitung mindestens 200 neue Wohnungen. Viele davon ersetzen deutlich günstigere Wohnungen, die zuvor abgerissen oder saniert wurden.
Ein Studio mit 65m² für fast 2000 Franken
Ein Beispiel ist das sanierte Haus Hauenstein an der Langstrasse. Ein Studio mit 33 Quadratmetern kostet dort rund 1990 Franken, während eine 3-Zimmer-Maisonette mit 86 Quadratmetern 4490 Franken kostet.
Auch andernorts steigen die Preise deutlich: An der Rolandstrasse kostet eine renovierte 3½-Zimmer-Wohnung (65 m²) 3190 Franken. An der Bäckerstrasse kostet eine 4½-Zimmer-Wohnung (123 m²) sogar 5940 Franken.
Parallel dazu entstehen weitere Projekte: An der Langstrasse werden Büros zu Wohnungen umgebaut, an mehreren Strassen sind Abrisse und Neubauten geplant. In manchen Fällen verloren ganze Hausgemeinschaften ihre Wohnungen.
«Das Quartier droht zur Geisterstadt zu werden»
Die Entwicklung sorgt auch unter Immobilienbesitzern für Diskussionen. Einige berichten von häufigen Mieterwechseln, weil neue Bewohner mit dem lebhaften Umfeld nicht zurechtkommen. Lärm, Müll oder Drogenkonsum im Quartier würden immer wieder zu Beschwerden führen.
Architektin Vera Gloor beobachtet die Veränderungen mit Sorge. Immer mehr Menschen ohne Bezug zum Quartier würden an die Langstrasse ziehen. «Das Quartier droht zur Geisterstadt zu werden», sagt sie gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Auch Kulturschaffende sehen die Entwicklung kritisch. Alex Dallas, der lange den Club Zukunft betrieb, warnt vor den Folgen steigender Mieten.
Für kreative Projekte und Clubs seien bezahlbare Räume entscheidend. Wenn diese verschwinden, könnte auch das kulturelle Leben im Quartier nach und nach verschwinden.
Ganz verschwinden wird das Milieu allerdings nicht so schnell. Einige Bars und Clubs haben bereits neue Standorte gefunden. Doch selbst Beobachter aus der Immobilienbranche sagen: Die Langstrasse, wie man sie kennt, könnte sich stark verändern.








