Zürcher Badi-Kiosk verlangt 9 Franken für Flasche Wasser
1,5 Liter stilles Wasser kosten in einem Zürcher Freibad-Kiosk neun Franken. User sind empört. Die Kioskbetreiberin findet den Preis fair.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Preis pro Flasche Mineralwasser des Kiosks im Freibad Adliswil ZH sorgt für Kritik.
- «Der Preis entspricht drei Franken pro halben Liter», rechnet die Pächterin vor.
- Entscheidend sei der Vergleichsmassstab im Kopf, sagt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter.
Die Hitze macht Durst. Ist die Trinkflasche vergessen gegangen, wird der Badi-Kiosk zur Rettung. Dies kann Gäste allerdings einiges kosten. Neun Franken kostet eine 1,5-Liter-Flasche stilles Wasser der Marke «Valser» im Freibad Adliswil ZH.
«Schnäppchen», schreibt ein Badegast in einer lokalen Facebookgruppe trocken. Den Preis belegt der anonyme User mit der Quittung, die er gepostet hat.
«Einfach nur traurig, wie man als Endverbraucher über den Tisch gezogen wird», klagt ein User in den Kommentaren. Eine Userin schimpft: «Ich weiss nun, bei wem ich nicht Kundin werde. Danke für den Beitrag.»
Bei anderen Kommentierenden hält sich das Mitgefühl in Grenzen. «Wir kaufen nie Getränke in der Badi. Viel zu teuer», schreibt eine Userin. «Wir haben Getränke, Früchte, Snacks immer dabei.»
«Drei Franken pro halben Liter»
Betreiberin des Freibad-Kiosks ist die Süss & Salzig GmbH von Anne und Dominik Riewoldt. Sie bestätigen den Preis von neun Franken auf Anfrage.
«Der Preis entspricht drei Franken pro halben Liter», rechnet Anne Riewoldt vor. Damit liege dieser unter den Preisen vieler Badi-Kioske. «Wo für eine 0,5-Liter-Flasche Wasser oft 4,50 Franken oder mehr verlangt werden.»
Die Betreiber machen darauf aufmerksam, dass ihre 0,5-Liter-Flaschen 3,50 Franken kosteten. «Die 1,5-Liter-Flasche bietet somit sogar einen Preisvorteil gegenüber dem Kauf mehrerer kleiner Flaschen.»
Müssten Kosten selbst tragen
Die Süss & Salzig GmbH ist im Kanton Zürich Pächterin von über fünf Badi-Kiosken. Den Preis für die Wasserflasche begründet Anne Riewoldt auch damit, ein privatwirtschaftliches Unternehmen und kein subventionierter Betrieb zu sein.
«Als Saisonbetrieb erwirtschaften wir unsere Umsätze nur während weniger Monate im Jahr», sagt die Pächterin. Gleichzeitig müssten sie aber sämtliche Kosten selbst tragen. Dazu zählten Personal, Logistik, Transport, Lagerhaltung, Infrastruktur, Kühlung, Versicherungen, Gebühren und weitere Betriebskosten.
Diese Kosten müssten während einer relativ kurzen Saison gedeckt werden. «Vor diesem Hintergrund erachten wir unsere Preise als fair, marktgerecht und nachvollziehbar.»
Nachfrage sei sehr gering
Die 1,5-Liter-Flaschen bietet der Kiosk diese Saison erstmals an. «Das Angebot wurde auf Wunsch einzelner Gäste eingeführt, die nach grösseren Wasserflaschen gefragt hatten», sagt Anne Riewoldt. Trotz Hitze bleiben die Flaschen oft im Kühlschrank. «Die Nachfrage ist bislang sehr gering.»
Der Gastroverband Gastrosuisse gibt keine Preisempfehlung für Wasserflaschen ab. Mediensprecher Patrik Hasler-Olbrych begründet dies mit der grundsätzlich freien Preisgestaltung.
Wichtig sei, dass die Preise klar, gut sichtbar und transparent kommuniziert würden, sagt Hasler-Olbrych. «Wenn Gäste einen Preis als zu hoch empfinden, ist es sinnvoll, zuerst das direkte Gespräch mit dem Betrieb zu suchen.» Oft liessen sich Missverständnisse so rasch klären.
Er macht darauf aufmerksam, dass der Gast mit dem Wasser nicht nur das Getränk selbst bezahle. «Sondern auch einen Anteil an den Fixkosten eines Betriebs.» Hinzu komme eine unternehmerische Marge.
Bei Fläschchen für 4,60 meckert niemand
Eine Userin findet den Preis im Freibad-Kiosk im Vergleich zu den Preisen von Grossverteilern «überrissen». Etwa bei Coop bekomme man ein Sechserpack für 6,50 Franken, was einen Verkaufspreis von 70 Rappen pro Flasche ergebe.
Aber: Gleichzeitig meckert kaum jemand, wenn das kleine Fläschchen Wasser am Kiosk 4,50 Franken kostet.
Entscheidend sei der Vergleichsmassstab im Kopf, sagt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter. Beim kleinen Fläschli liege der Referenzpreis beim Kiosk, Bahnhof oder Festival, sagt er. Und dort seien drei bis fünf Franken normal.
«Beim Anderthalbliter denkt der Gast an den Supermarkt, wo dieselbe Menge unter einem Franken kostet.» Neun Franken wirkten dann wie ein Vielfaches des richtigen Preises, und genau das empöre.
«In der Badi sitzt man halb gefangen»
Eine Rolle spielt auch das Fairness-Empfinden.
Menschen akzeptieren laut Christian Fichter einen hohen Preis, wenn sie das Gefühl haben, der Anbieter deckte nur seine Kosten.
Sie empörten sich hingegen, wenn sie vermuteten, eine Zwangslage werde ausgenutzt. «In der Badi sitzt man halb gefangen, und genau das verstärkt den Eindruck, ausgenommen zu werden.» Dies, auch wenn der Aufschlag betriebswirtschaftlich erklärbar sei.




















