Zug

Zug und Schwyz kämpfen für mehr Bildungschancen

Uwe Guntern
Uwe Guntern

Region Zug,

Die Herkunft darf den Bildungserfolg nicht bestimmen. Ein neuer Lehrgang zeigt, wie Schulen Benachteiligungen abbauen können.

Schulzimmer
Zug und Schwyz kämpfen für mehr Bildungschancen. (Symbolbild) - keystone

In der Schweiz ist das Bildungssystem gut ausgebaut – und trotzdem haben nicht alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen. Die familiäre Herkunft, die finanzielle Situation oder eine Migrationsgeschichte können den Bildungsweg beeinflussen.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei Schülerinnen und Schülern aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen. Auch Mehrsprachigkeit und Migration können zusätzliche Hürden schaffen.

Wie Schulen mit solchen Ungleichheiten umgehen können, steht im Mittelpunkt eines neuen Weiterbildungsangebots der Pädagogischen Hochschulen Zug und Schwyz. Der CAS «Bildungschancen» soll Lehrpersonen, Schulleitungen und Schulteams dabei unterstützen, Bildungsbenachteiligungen genauer zu erkennen und konkrete Lösungen für den Schulalltag zu entwickeln.

Dabei bleibt es nicht bei theoretischen Erkenntnissen. Im Zentrum des Lehrgangs steht ein eigenes Projekt, das die Teilnehmenden direkt aus ihrer beruflichen Praxis entwickeln.

Leeres Klassenzimmer (Symbolbild)
Ein leeres Klassenzimmer. (Symbolbild) - keystone

Sie wählen eine konkrete Herausforderung an ihrer Schule, untersuchen deren Ursachen und erarbeiten einen passenden Lösungsansatz. Dieser wird anschliessend im Unterricht oder im Rahmen der Schulentwicklung umgesetzt und ausgewertet.

Wissenschaft trifft Schulalltag

Der neue CAS verbindet damit wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung. Die Teilnehmenden setzen sich mit verschiedenen Formen von Bildungsbenachteiligung auseinander und erhalten gleichzeitig die Möglichkeit, das Gelernte unmittelbar anzuwenden.

«Chancengerechtigkeit entsteht nicht von selbst», sagt Miriam Aegerter, Leiterin Zusatzausbildungen der Pädagogischen Hochschule Zug. Schulen könnten viel dazu beitragen, Benachteiligungen abzubauen und die Potenziale aller Kinder und Jugendlichen besser zu nutzen.

Dafür brauche es Wissen, Reflexion und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Eine zentrale Rolle spielt deshalb die individuelle Begleitung. Während der Weiterbildung erhalten die Teilnehmenden persönliche Beratung und je nach Bedarf Unterstützung durch kollegiales Unterrichtscoaching.

Findest du, dass die Herkunft den Bildungserfolg beeinflusst?

So können sie ihre Projektideen weiterentwickeln, Erfahrungen aus der Umsetzung reflektieren und neue Möglichkeiten für den eigenen Unterricht oder die Schulentwicklung entdecken. Der Ansatz hat einen weiteren Vorteil: Die im Rahmen des CAS entwickelten Projekte sollen nicht in der Schublade verschwinden.

Die erarbeiteten Lösungen und Erfahrungen sollen auch anderen Lehrpersonen und Schulen zugänglich gemacht werden. Damit können aus einzelnen Projekten praxiserprobte Modelle entstehen, die über den Kreis der Teilnehmenden hinaus Wirkung entfalten.

Ein Thema, das Zug beschäftigt

Für den Kanton Zug kommt der neue Lehrgang zu einem Zeitpunkt, in dem Chancengerechtigkeit und der Umgang mit unterschiedlichen Voraussetzungen in den Klassenzimmern auch strategisch an Bedeutung gewinnen.

Der Zuger Bildungsrat sowie die Schulpräsidentinnen und Schulpräsidenten der gemeindlichen Schulen haben in den strategischen Entwicklungslinien für die Jahre 2023 bis 2026 festgehalten, dass Pilotprojekte zum Umgang mit Heterogenität und zur Chancengerechtigkeit gefördert werden sollen. Die Schulen stehen dabei vor einer zunehmend vielfältigen Ausgangslage.

Kinder bringen unterschiedliche Sprachen, familiäre Hintergründe, finanzielle Voraussetzungen und Bildungsbiografien mit. Für Lehrpersonen bedeutet dies, dass ein Unterricht, der allen Schülerinnen und Schülern gerecht werden soll, immer wieder neu hinterfragt und angepasst werden muss.

Der CAS «Bildungschancen» setzt genau hier an. Er will nicht mit einem allgemeinen Rezept für mehr Chancengerechtigkeit aufwarten, sondern die Schulen dazu befähigen, ihre eigenen Herausforderungen zu analysieren und passende Antworten zu entwickeln.

Das bedeutet auch, den Blick auf bestehende Strukturen und Routinen zu richten. Wo entstehen unbeabsichtigte Benachteiligungen? Welche Schülerinnen und Schüler werden mit den bisherigen Angeboten möglicherweise nicht ausreichend erreicht? Und welche Veränderungen können im Unterricht oder auf Ebene der gesamten Schule tatsächlich etwas bewirken?

Von einzelnen Projekten zur Schulentwicklung

Die Verantwortlichen setzen darauf, dass die Weiterbildung nicht nur einzelnen Lehrpersonen zugutekommt. Durch die Projektarbeit sollen Erkenntnisse entstehen, die auch für Kollegien und ganze Schulen interessant sein können.

Schüler
Schüler sitzen im Klassenzimmer einer Schule. (Symbolbild) - keystone

Damit wird Chancengerechtigkeit nicht allein als Aufgabe einzelner Lehrpersonen verstanden, sondern als Bestandteil einer langfristigen Schulentwicklung. Gerade diese Verbindung von Weiterbildung und konkreter Praxis unterscheidet den neuen CAS von einer rein theoretischen Auseinandersetzung mit Bildungsungleichheiten.

Die Teilnehmenden sollen nicht nur verstehen, weshalb Bildungschancen ungleich verteilt sind. Sie sollen auch ausprobieren, was sich im eigenen Umfeld verändern lässt.

Der CAS «Bildungschancen» wird erstmals im September 2027 angeboten. Damit schaffen die Pädagogischen Hochschulen Zug und Schwyz ein Weiterbildungsangebot, das eine bisherige Lücke schliessen soll und ein Thema aufgreift, das Schulen auch in Zukunft beschäftigen dürfte:

Wie kann eine Schule dafür sorgen, dass möglichst jedes Kind seine Fähigkeiten entfalten kann – unabhängig davon, welche Voraussetzungen es von zu Hause mitbringt?

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.

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